Der Frust bei dem Studiobetreiber ist groß

Permanent Make-Up: widersprüchliche Vorgaben der Regierung treffen Ainringer Studio hart

Daniel Kohlstedt, Betreiber des Permanent Make Up Studios „Exact Line“ in Airing
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Daniel Kohlstedt, Betreiber des Permanent Make Up Studios „Exact Line“ in Ainring kann nicht verstehen, warum er nicht öffnen darf, Kosmetikstudios seine Leistungen aber anbieten dürfen.

Seit Montag, 8. Februar dürfen einige Branchen wieder ihren Beruf ausüben. Doch nicht alle können sich freuen. Bayern erneuerte das Verbot für Tattoostudios, Permanent Make Up und Massagepraxen ausdrücklich. Der Frust wächst.

Ainring - Seit Monaten geht in den Tattoostudios und Massagepraxen der Region nichts. Sie dürfen, wie lange Zeit auch Friseure, nicht arbeiten, keine Kunden empfangen. Viele von ihnen kämpfen ums Überleben. Bei der Bund-Länder-Schalte vergangene Woche legte der Gesetzgeber zwar grundsätzlich die Basis dafür, dass auch sie wieder öffnen dürfen. In Bayern, das geht aus der neuen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung hervor, ist das aber nicht der Fall. Was auch verwundert: Reine Studios für Permanent Make Up und Microblading dürfen nicht öffnen, Kosmetikstudios dürfen diese Behandlungen aber ausführen.

Permanent Make Up: Kosmetiker ja, extra Studios dafür nein

Ein Fakt, der auch Daniel Kohlstedt, der das Studio Exact Line in Ainring betreibt, sauer aufstößt. Er bietet in seinem Studio Nanoblading, Microblading, Body-Art-Tattoos, Haarbodenverdichtung und Permanent Make-Up an. Dass er sich darauf spezialisiert hat, wird ihm nun zum Verhängnis. Denn laut der Zwölften Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (BayIfSMV) sind Tätowierstudios, Piercingstudios, Permanent-Make-Up-Studios, (Wellness-)Massagesalons und vergleichbare Dienstleistungsbetriebe nämlich weiterhin geschlossen zu halten. Microblading wird in der Verordnung gar nicht aufgeführt.

„Ich bin sogar bei der Handwerkskammer als Kosmetikstudio angemeldet. Dadurch, dass ich kein Kosmetikstudio in dem Sinn bin, dass ich eben keine Nagelmodellage, Gesichtsbehandlungen etc. also keine pflegerischen Sachen anbiete, sondern nur pigmentiere, darf ich nicht öffnen. Ein Kosmetikstudio, dass Nägel, Wimpern usw. macht, aber auch Pigmentierungen anbietet, darf diese ausführen.“ Das führt bei dem Betreiber zu Unverständnis. Zu seinen Kunden zählen über 60 Prozent ältere Menschen oder ehemalige Krebspatienten „Die benötigen dies allein schon aus psychologischen Hintergründen. „Es hilft einem nicht nur Selbstvertrauen zu schaffen, sondern auch das Lebensgefühl und allgemein die psychische Gesundheit zu verbessern“, sagt Kohlstedt.

Drei Tage durfte der Studiobetreiber öffnen, dann war wieder Schluss

„Das hat mit Eindämmung von Infektionsgeschehen überhaupt nichts mehr zu tun“, so der Studiobetreiber. „Das ist einfach widersprüchlich. Bei mir schaut es aus wie im OP. Wenn ich einen Kunden habe, habe ich den sowieso nur auf Termin bei mir und dann auch immer nur ein Kunde. Das sind zwei Leute auf 50 Quadratmeter.“

Drei Tage hatte Kohlstedt ab 1. März geöffnet, dann kam die Ansage vom Ministerium, dass er wieder schließen müsse. „Ich schiebe die Kunden seit Monaten vor mich hin. Ich weiß schon gar nicht mehr, ob ich überhaupt noch Termine ausmachen soll“, sagt er. „Hinzu kommt, dass Microblading vom Ministerium in die Permanent Make Up Branche mit hineinstopft. Microblading ist nachweislich kein Permanent Make Up.“

In seinem Permanent Make Up Studio kann Daniel Kohlstedt alle Hygienevorschriften einhalten, öffnen darf er trotzdem nicht.

Tattoostudios nur in Bayern zu

Was Kohlstedt ebenfalls nicht einleuchtet ist, dass nur in Bayern die Tattoostudios geschlossen bleiben müssen, in den anderen Bundesländern dürfen sie öffnen. „Mein Studio ist seit 2. November durchgehend mit einem kurzen dreitägigen Boxenstopp in der Microblading und Permanent Make-Up Schiene geschlossen gewesen. Da ich mich aber auch in der Tattoo Branche befinde und das einen großen Teil der Arbeit in meinem Studio abdeckt, sehe ich die Schließung aller Tattoostudios im einzig übrig gebliebenen Bundesland Bayern mehr als nur kritisch, auch wenn allein die grenznahe Situation zu Österreich dazu beitragen soll, dass wir geschlossen bleiben.“

Die Hilfen kommen bei Kohlstedt zwar an - nach vier Monaten - dennoch sind diese wieder mit Kosten verbunden. Hierzu meint er: „In den Medien wird immer alles sehr simple präsentiert. Hilfen, Hilfen und Hilfen, wir werden aufgefangen vom Staat, wir werden unterstützt etc.. Das ist auch so, zumindest für diejenigen, die eher weniger Gewerbeunterhaltskosten haben, aber jeder einzelne Antrag kostet etwas, da er vom Steuerberater bearbeitet werden muss und der macht das auch nicht umsonst“, erzählt der Studiobetreiber.

Für das Ministerium „hygienisch oder pflegerisch nicht erforderlich“

Auf Nachfrage von BGLand24 beim Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege teilte dieses mit: „Eine vollständige Zulassung der Dienstleistungen mit körperlicher Nähe zum Kunden kommt vor dem Hintergrund des nach wie vor bestehenden erheblichen Infektionsgeschehens nicht in Betracht.“ Die Beschränkung auf Friseursalons und andere Dienstleistungen, die der Körperhygiene und -pflege dienen, berücksichtige den Grundsatz der Umsicht und Vorsicht.

„Ermöglicht werden daher weiterhin nur diejenigen Dienstleistungen, bei denen wegen der bereits seit längerem bestehenden Schließung ein hoher Bedarf aus Gründen der Körperhygiene und -pflege entstanden ist und auf die erhebliche Teile der Bevölkerung, insbesondere auch ältere Menschen, angewiesen sind.“ Dementsprechend sei es laut Ministerium auch im Verhältnis zu anderen Dienstleistungen mit körperlicher Nähe zum Kunden gerechtfertigt, im Zuge einer von Umsicht und Vorsicht geprägten Öffnung in einem ersten Schritt zunächst diese Dienstleistungen wieder zu ermöglichen.

Nagelstudios, Kosmetikbetriebe und Fußpfleger dürfen gesamtes Leistungsspektrum wieder anbieten

Weiter teilt das Ministerium mit: „Nagelstudios, Kosmetikbetriebe und Fußpfleger dürfen also ihr gesamtes übliches Leistungsspektrum wieder anbieten, da ihre Dienstleistungen überwiegend hygienisch oder pflegerisch erforderlich sind. Falls Kosmetikbetriebe üblicherweise zu einem geringen Teil auch Permanent-Make-Up anbieten und durchführen, muss dies hingenommen werden. Tätowierstudios, Piercingstudios, Permanent-Make-Up-Studios, (Wellness-)Massagesalons und vergleichbare Dienstleistungsbetriebe sind dagegen weiterhin geschlossen zu halten, da ihre körpernahen Dienstleistungen nicht hygienisch oder pflegerisch erforderlich sind. Dies gilt auch für reine Microblading-Studios, da das von ihnen angebotene Semi-Permanent-Make-up nicht hygienisch oder pflegerisch erforderlich sind.“

jb

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