Kluba stellt sich im Exklusivinterview Vorwurf aus anonymen Schreiben

Neue Mitglieder auch Rückenwind für Kandidatur

SHOOTING - Kandidaten - CSU Ortsgruppe Ainring
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Im Exklusivinterview von BGLand24.de stellte sich Bürgermeisterkandidat Sven Kluba vielen Fragen.

Ainring - In zahlreichen Gemeinden im Berchtesgadener Land wird es nach der Kommunalwahl auf alle Fälle neue Bürgermeister geben, so auch in Ainring, wo Hans Eschlberger nach 18 Jahren im Amt nicht mehr antritt. Der 36-jährige Sven Kluba ist CSU-Bürgermeisterkandidat und Ortsvorsitzender der CSU. In einem BGLand24.de-Exklusivinterview stellt er sich den Fragen und einem Vorwurf, der in einem anonymen Schreiben an die Redaktion erhoben wird.

BGLand24.de: Kerr Kluba, in diesem Schreiben heißt es, sie hätten vor Ihrer Nominierung „im Alleingang, heimlich, still und leise“ innerhalb von zwei Monaten weit über 70 Neumitglieder angeworben, „das ganze persönliche Umfeld des Kandidaten ist jetzt Mitglied der CSU“, so der unbekannte Verfasser des Schreibens. Die Neumitglieder seien der Vorstandschaft nicht bekannt gegeben, die Mitgliedsbeiträge seien nicht abgebucht?


Sven Kluba: Tatsächlich haben wir im vergangenen Jahr viele neue Mitglieder gewonnen. Ein Trend, der übrigens bis heute anhält. Darunter waren auch viele, die ganz bewusst eingetreten sind, um mich bei der Bürgermeisterkandidatur zu unterstützen. Über diesen Rückenwind freue ich mich natürlich. Übrigens haben wir in der Vorstandssitzung in aller Offenheit und Transparenz über die Eintritte gesprochen und auch die Kreisvorsitzende informiert. Diese Behauptungen, zumal anonym vorgetragen, sind daher völlig haltlos.  

BGLand24.de: Sind die neuen Mitglieder mittlerweile bekannt? Wurden ihre Mitgliedsbeiträge abgebucht?


Kluba: Alle Mitglieder sind bekannt und werden, wie alle anderen Mitglieder auch, in unseren Listen geführt. Und alle Mitglieder zahlen ihren Mitgliedsbeitrag, ohne Ausnahme.

BGLand24.de: Wie viele dieser „neuen“ Mitglieder haben die CSU-Ainring wieder verlassen?

Kluba: Zum Jahreswechsel hatten wir ein paar wenige Austritte – und zwar von Neumitgliedern und langjährigen Mitgliedern. Wer aus welchen Motiven eine Partei verlässt, ist immer unterschiedlich. Ein Grund ist aber, die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge durch die Landespartei.

BGLand24.de: Der Vorwurf des anonymen Schreibers: „Rechtlich in Ordnung, moralisch verwerflich, so werden unsere Volksparteien weiter an Zuspruch verlieren“. Ihre Meinung dazu?

Kluba: Ganz im Gegenteil. Das Hauptproblem der Volksparteien ist es doch, dass sie nur noch schwer neue Mitglieder finden. Bei uns in Ainring ist das anders: Wir schaffen es, Leute aus allen Lebensbereichen für unsere Partei zu begeistern. Davon lebt die Demokratie.

BGLand24.de: Wie läuft der Wahlkampf, wie ist die Stimmung in der Gemeinde, wie die Reaktionen der Wähler bei Hausbesuchen? Werden sie von potentiellen Wählern nicht teilweise als „zu jung“ empfunden?

Kluba: Durch meine Hausbesuche bin ich sehr nah dran, spreche jeden Tag mit vielen Bürgern. Die Stimmung ist gut aber wir dürfen jetzt nicht nachlassen, um jede Stimme zu werben. Die CSU ist die einzige Partei, die sich auch außerhalb der heißen Wahlkampfphase um die Bürgerinnen und Bürger kümmert, und das wird auch wahrgenommen und geschätzt. Mein Alter von 36 Jahren spielt dabei keine Rolle, meine zwölfjährige Erfahrung im Gemeinderat und Kreistag dagegen schon.

BGLand24.de: Ihr Herausforderer Martin Öttl möchte alle Schulstandorte in Ainring erhalten und sogar noch neue Kindergärten in Feldkirchen und oder in Thundorf. Ihre Meinung dazu?

Kluba: Der Erhalt der Schulstandorte war immer die Position der CSU. Der Ausbau der Kinderbetreuung erfolgt seit Jahren bedarfsgerecht und wird auch so fortgesetzt. Die Zahl der Kinderbetreuungsplätze ist zum Beispiel von 2002 bis 2019 von 225 auf 379 gestiegen.

BGLand24.de: Öttl und Ihnen liegen Vereine und Brauchtum sehr am Herzen, kann damit eine Mehrheit der Bürger zum Beispiel in Mitterfelden überhaupt etwas anfangen?

Kluba: Das ehrenamtliche Engagement ist die tragende Säule in unserer Gemeinde. Diesen Einsatz werde ich nach Kräften fördern. THW, Feuerwehr, Rotes Kreuz, Weltladen, Pfadfinder, und viele andere sind wichtige Organisationen, ohne die unsere Gesellschaft ärmer wäre und teilweise funktionsunfähig. Alle diese Organisationen haben ihr zuhause in Mitterfelden. Ich bin überzeugt, dass alle Bürger um die Bedeutung des Ehrenamts wissen.

BGLand24.de: Ainring scheint im Ortsteil Mitterfelden oder an der Traunsteiner Straße eher großstädtisch zu sein, Salzburg-ähnlich, trotzdem wirken CSU-Flyer und die CSU-Facebookseite eher sehr ländlich, sehen sie diesen Widerspruch, diesen Spagat auch?

Kluba: Ich denke, uns gelingt der Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne sehr gut. Und unsere ländliche Prägung brauchen wir auch nicht verstecken, gewiss nicht.

BGLand24.de: Wirtschaftlich steht Ainring sehr gut da, aus eigener Kraft oder weil es in Freilassing schlichtweg keine größeren Gewerbeflächen mehr gibt, Beispiel Sanitär-Heinze?

Kluba: Die Ansiedlung der Firma Heinze war aufgrund des Flächenverbrauchs auch innerhalb der CSU hoch umstritten. Allerdings gab es hier keine Rivalität mit Freilassing und wir stehen nicht wegen mangelnder Flächen in der Nachbargemeinde gut da, sondern aufgrund vieler gut geführter Unternehmen, die schon seit Jahrzehnten bei uns zuhause sind.

BGLand24.de: Bei Diskussionen hat man oft den Eindruck in Ainring seien beim Thema Verkehr Radwege das Wichtigste, wie sieht es mit dem Straßenausbau aus, Stichwort Kreisverkehre an der B20 oder die Ortsumfahrung Freilassing, Stichwort Hallerstraße in Perach.

Kluba: Der Verkehr ist für mich eines der zentralen Themen der nächsten Jahre. Deshalb werde ich hier auch einen Masterplan zusammen mit Bürgern, Behörden und Gemeinderat auflegen. Dieser umfasst alle Bereiche des Verkehrs: Fußgänger, Radfahrer, Individualverkehr, öffentliche Verkehrsmittel. Innerorts und Außerorts. Verkehrspolitik muss immer ganzheitlich sein, kein Stückwerk. Eine Ortsumfahrung Freilassings über Ainringer Gebiet ist für uns aber kein Thema.

BGLand24.de: Die neuen Ampeln an der Ums-Eck-Kreuzung Perach B304 bezeichnet Martin Strobl von den FW als „fatale Fehlentscheidung“ – und Sie? Es gebe bessere Pläne in der Schublade, welche Pläne?

Kluba: Die Ampellösung funktioniert, aber mit der Entscheidung von damals bin ich nicht glücklich, war es nie und werde es nie sein.

BGLand24.de: Nach Ansicht der Freien Wähler sei der Flächenverbrauch in den letzten Jahren „ausufernd“ gewesen. Wie stehen sie zu einer weiteren Ausweisung von Gewerbeflächen, Wohnbauflächen? Wo sollte Grünland unbedingt erhalten bleiben?

Kluba: Ausufernd?! Die Nachfrage nach Wohnraum aus der eigenen, einheimischen Bevölkerung ist viel größer, als das, was in den letzten sechs Jahren neu ausgewiesen wurde. Dieser Vorwurf stimmt somit nicht. Wir setzen in erster Linie auf Nachverdichtung und Ortsabrundungen. Die wenigen neuen Wohngebiete waren innerhalb kürzester Zeit bebaut. Aber wir müssen darauf achten, dass wir die Lebensqualität erhalten – für unsere Einwohner.

BGLand24.de: Sie sprechen von „nachverdichten“, wo genau? Und will die Gemeinde auch selbst Wohnungen bauen?

Kluba: Die Gemeinde hat bereits einige Wohnungen im Eigentum. Dies wollen wir künftig professioneller organisieren und dann den Bestand erweitern. Dadurch erweitern wir als Gemeinde unsere Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Wo genau, das bleibt dem künftigen Gemeinderat überlassen.

BGLand24.de: In ihrem Flyer kündigen sie einen „spürbaren Ausbau der Information und Einbindung der Bürger“ an, war das bisher zu wenig?

Kluba: Die Zeiten ändern sich, und auch die Möglichkeiten der Einbindung, auch in technischer Hinsicht. Wir leben im Handy-Zeitalter und viele Menschen nutzen zur Kommunikation diverse Apps. Mit einer Ainring-App wollen wir direkter informieren und für die Bürger da sein. Aber auch Bürger können Rückmeldungen an die Gemeinde geben. Ein Beispiel: Wenn Sie spazieren gehen und einen überfüllten Mülleimer sehen oder eine Hundebeutel-Box leer ist, dann können Sie uns über die App informieren und die Gemeinde kann sich darum kümmern. Wir müssen alle Bausteine zur Information der Bürger nutzen. Tageszeitung, Radio, Gemeindezeitung, Ainring-App, Soziale Medien, Internetauftritt und viele andere.

BGLand24.de: Zum Abschluss noch zwei private Fragen, Sie betonen in ihren Flyern immer, „seit meiner Geburt lebe ich in Ainring“.

Kluba: Ja, geboren bin in Freilassing, aber ansonsten immer schon ein Ainringer. Nach Grund- und Hauptschule in Feldkirchen und Mitterfelden, hat mich mein Weg weiter geführt bis zum Bauingenieur-Studium. Das war natürlich dann beim Hausbau praktisch, in dem ich jetzt mit meinen Eltern ein Mehr-Generationenhaus bewohne. Mein Vater kommt aus Mitterfelden und Meine Mutter aus Gausburg bei Surheim. Beide schon im „Un-Ruhestand“.

BGLand24.de: Seit wann und warum sind Sie politisch aktiv? Warum CSU?

Kluba: Ich bin seit über 20 Jahren politisch tätig und seit zwölf Jahren im Kreistag und Gemeinderat. Dabei habe ich viel gelernt und an mir selbst erlebt, dass ich mich gerne für anderen Menschen, ihre Sorgen und Nöte einsetze. Es macht mir Freude, wenn ich jemanden konkret helfen kann, wie ein Haus zu bauen, einen Traum zu erfüllen oder ein Ärgernis los zu werden. Daraus ziehe ich Kraft. Die CSU ist dabei für mich eine politische Heimat und die Kombination „Laptop und Lederhose“ bringt es für mich dabei voll auf den Punkt.

BGLand24.de: Vielen Dank für das ausführliche Interview.

Das Interview führte Michael Hudelist.

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