Impfstraße vs. Impfzentrum

So wird in Salzburg und im Berchtesgadener Land geimpft – ein Vergleich

Von außen unterscheiden sich das „Impfzentrum“ in Ainring und die „Impfstraße“ für die Stadt Salzburg und das Umland schon deutlich, innen gibt’s bei ähnlichen Abläufen am Ende die gleichen Impfstoffe.
+
Von außen unterscheiden sich das „Impfzentrum“ in Ainring und die „Impfstraße“ für die Stadt Salzburg und das Umland schon deutlich, innen gibt’s bei ähnlichen Abläufen am Ende die gleichen Impfstoffe.

In Salzburg spricht man von der „Impfstraße“, im Berchtesgadener Land vom „Impfzentrum“. Die Vorgehensweise beim Impfen unterscheidet sich in Deutschland und Österreich nicht nur im Namen.

Ainring, Salzburg - Insgesamt drei Impfstoffe stehen derzeit im Kampf gegen das Corona-Virus zur Verfügung, mehr oder weniger, denn derzeit stehen ja eher weniger Dosen zur Verfügung, sowohl in Bayern, als auch in Österreich. Im Berchtesgadener Land wurden bis einschließlich 20. Februar 6922 Personen geimpft, darunter 2435 Personen die älter als 80 Jahre sind. In Stadt und Land Salzburg haben bis zum 19. Februar bereits 17.319 Personen ihre Ärmel für einen Stich hochgekrempelt, 13.220 Personen, vor allem in Seniorenheimen, haben bereits auch die zweite Teilimpfung erhalten. Der Ablauf der Impfung unterscheidet sich in Salzburg und im Berchtesgadener Land nicht nur dem Namen nach, also „Impfstraße“ oder „Impfzentrum“. 

Das Berchtesgadener Land hat für seine rund 105.000 Einwohner ein „Impfzentrum“ eingerichtet dass vom Namen her größer wirkt als es ist. Im Industriegebiet von Ainring-Mitterfelden wurden im Erdgeschoss und im ersten Stock eines unscheinbaren Bürogebäudes Räume angemietet. Der Einlass zur vorab festgelegten Zeit erfolgt durch einen Security-Mitarbeiter, der sehr freundlich aber bestimmt, oft auf Englisch, die Anweisungen für die Wartenden gibt. „Bitte warten Sie, hier, Sir, come in, wait here“ und wenn Damen und Herren gleichzeitig zu einem Termin kommen gilt „Ladies first“. Alle anderen müssen draußen warten, bei Regen auch in einem extra aufgestellten Zelt vor dem Haus. 

Im Innenbereich des „Impfzentrums“ dann Hände desinfizieren und Formulare ausfüllen, eine „Anamnese“, obwohl man eigentlich schon bei der Online-Anmeldung im „Bayerischen Impfzentrum“ alles angegeben hat. Nach dem Ausfüllen übernimmt Klinikpersonal den weiteren Ablauf, beginnend mit einem Aufklärungsgespräch, das in zwei Büros stattfindet. „Was machen Sie beruflich, hatten Sie schon Impfungen, erinnern Sie sich an Reaktionen“ und ähnliches wird erneut abgefragt und dokumentiert, dann unterschreibt die Ärztin die Anamnese, der Impfkandidat die Einwilligungserklärung

Es folgt das Warten auf die eigentliche Spritze in einem engen Gang, wo man sich gefühlt näher kommt als in den jetzt meist leeren Wartezimmern. Neben einem Notfallraum, zwei Büros für die Aufklärung und einem Verwaltungsraum steht ein Raum für die eigentliche Impfung zur Verfügung, darin zwei Kabinen für den Stich. Der erfolgt dann rasch und professionell, wie man es halt auch von den Grippeschutzimpfungen her kennt. Direkt an die zwei Impfkabinen schließt sich eine Art Wartezimmer an, in dem die eben Geimpften noch 15 Minuten sitzen bleiben sollen. Nach rund 60 Minuten ist das Prozedere im „Impfzentrum“ vorbei.

Corona_Impfung_Salzburg_BioNTech-Pfizer_PIX.jpg

Zelt versus Messehalle

Während man in Ainring bei Schlechtwetter entweder auf der Straße steht oder in einem kleinen Zelt hat das Rote Kreuz in Salzburg seine Corona- Teststraße und auch gleich die Impfstraße in einer großen Messehalle unterbringen können, über 15.000 Quadratmeter stehen insgesamt zur Verfügung, das Land bezahlt sich hier selbst, denn es ist auch Mehrheitseigentümer des Messezentrums. Neben dem großen Messeparkplatz – man bekommt ein Freiticket – warten hier die ebenfalls vorangemeldeten Impfkandidaten schon vor der eigentlichen Impfstraße in einem großen Foyer, hier gilt es noch ein Formular auszufüllen mit Fragen wie „Besteht eine akute Erkrankung mit Fieber“ oder „Leiden Sie an einer chronischen Erkrankung oder Immunschwäche“. Dann führen einen Rot-Kreuz-Mitarbeiter in die eigentliche Impfhalle, hier warten rund 20 Sessel, wenn am Ende der Reihe jemand zur Aufnahme kommt rücken alle um einen Platz nach. 

Es folgt die Datenaufnahme, zwei Kandidaten bei einem Tisch mit zwei Rot-Kreuz-Mitarbeiterinnen, Datenschutz und Anonymität ist hier nicht mehr wirklich gewährleistet, aber man ist wahrscheinlich in diesem Moment ohnehin auf sich selbst konzentriert. Die Prozedur dauert aber nur kurz, man bekommt eine Art Impf-Ersatzpass ausgedruckt, dann noch einmal kurzes Warten vor den insgesamt vier Impfkabinen, die am Freitag und Samstag vergangener Woche erstmals im Einsatz waren. Dann wird der Kandidat in die enge Kabine geführt, Desinfektionsmittel, Spritzen und Pflaster liegen schon bereit, es fehlt nur noch der Arzt, der von einer Kabine zur nächsten sprintet. Auch hier kurzer Smalltalk, immerhin ist es nicht der Hausarzt, der den Patienten bestens kennt. Sich selbst in der Impfkabine fotografieren ist in Salzburg nicht erlaubt, im Gegensatz zu Ainring. Auch in Salzburg muss man nach dem Stich 15 Minuten warten, am anderen Ende der 7500 Quadratmeter-großen Impfstraße. Hier kann man sich dann Info-Material über das Impfmittel mitnehmen, eine Wasserflasche gibt’s dazu. 

Egal ob auf 7500 Quadratmetern oder doch ein wenig kleiner, jeder Geimpfte hat am Ende das gute Gefühl, mit diesem ersten Stich einem Ende der Pandemie und der persönlichen Einschränkungen einen entscheidenden Schritt näher gekommen zu sein. 

Impfstraße Messe_PIX_(1).jpg

Michael Hudelist

Kommentare