400 Brautkleider übersiedeln ins Möbelhaus

„Annis Brautmoden“ jetzt in Ainring – Konkurrenz aus China mit Kleid im Schuhkarton

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Kundinnen von heute sind sehr ehrlich und vergleichen Kleider und Preise auch im Internet, im Bild Anni Klinger mit Tochter Bettina, eine echte Braut lässt sich vor der Hochzeit nicht fotografieren.

Freilassing/Ainring -  Im April ist Anni Klinger mit ihren Brautmoden von der Münchener Straße in Freilassing rund vier Kilometer weiter gezogen, nach Ainring. Ihre rund 400 Brautkleider präsentiert sie nun in einem Küchenmöbelhaus direkt an der B304.

„Es war eine Kostenfrage, soll ich beim Personal oder an den Mietkosten sparen“, verrät Klinger gegenüber BGLand24, letztendlich entschied sie sich für den Umzug, „Schaufenster braucht meine Kundschaft nicht mehr“.

Nach der Industriestraße und der Münchener Straße in Nachbarschaft zur Tankstelle hat „Annis Brautmoden“ nun in Ainring seine dritte Heimat gefunden. Den Grund für den Umzug erklärt Klinger so: „Meine Mitbewerber werden immer mehr, auch weil es im Fernsehen so viele Sendungen rund ums Heiraten gibt“. 

„Annis Brautmoden“ jetzt in Ainring

Früher hatte es in ihrem Einzugsgebiet drei Brautausstatter gegeben, nun seien es zwölf, und weitere stünden in den Startlöchern. In Rosenheim gebe es sogar schon Mitbewerber, der den Einzelhandel ausschaltet und „Brautkleider made in China im Schuhkarton nach Hause schickt“. Mit dem Vorbild der Fernsehsendungen würden viele Brautpaare heute nicht nur ein Kleid und einen Anzug sondern gleich ein Event buchen wollen.

Die Kundinnen von heute: ehrlich und knallhart

Ähnlich wie beim übrigen Einzelhandel hat auch der Brautkleid-Verkäuferin damit zu kämpfen, dass viele Kundinnen bei ihr in erster Linie die Beratung suchen und dann im Internet Preise vergleichen. „Es gibt mehr Termine für die Beratung und das Anprobieren, manche wollen auch nur ihre genaue Größe wissen und verraten sich mit der Frage ‚Ist das die gleiche Größe wie im Internet?`“. Die Kundinnen seien heutzutage eben sehr ehrlich, „sie sagen dir knallhart, wir haben noch fünf Termine und erst dann entscheiden wir‘“, aber das sei in Ordnung.

„Brautkleid und Küchen, eine ideale Symbiose“

Das für die nachkommende Internet-Generation Schaufenster nicht mehr wichtig sind war mit ein Grund für den Umzug nach Ainring, „die haben ihr Schaufenster mit dem Handy schon dabei“. Der neue, 200 m² große Schauraum samt eigener Schneiderei in einem Küchenmöbelhaus bezeichnet Klinger als „ideale Symbiose, denn meine Kunden sind junge Paare, die sich wahrscheinlich auch eine neue Wohnung einrichten und dann auch eine Küche brauchen“. 

Die Mietkosten hat Klinger um ein Drittel gesenkt, dazu Gratis-Parkplätze und eine ideale Lage direkt neben der B304, „eine Stadtlage für Laufkundschaft brauche ich ja nicht“. Eigentlich wollte Klinger mit einem Elektrogeschäft nahe der Rupertuskirche in Freilassing tauschen, also wenige hundert Meter entfernt vom alten Geschäft, „aber da hätte ich wieder keine Parkplätze für meine Kunden gehabt“.

Ihr Einzugsgebiet reicht bis weit nach Salzburg und Oberösterreich hinein, 70 Prozent der Kundinnen sind nach ihrer Aussage Österreicherinnen. Der Preis der Brautkleider spiele natürlich eine Rolle, aber auch die Kompetenz der Schneiderei, denn Brautkleider würden in der Regel nicht von der Stange gekauft.

Anni Klinger ist übrigens auch Vorsitzende des Wirtschaftsforums Freilassing und bleibt es auch, auch wenn sie jetzt kein Geschäft mehr in Freilassing hat, „in der Satzung steht nur, man muss Mitglied des Vereins sein um Vorsitzende sein zu können“, erklärt Klinger schmunzelnd.

Michael Hudelist

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