Ein Feriendorf für Ainring

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Freude bei der Familie Berger (linke Bildhälfte) und Handwerker: Für das erste Musterchalet im künftigen Feriendorf „Bayern-Chalets-Ainring“ konnte bereits die Hebefeier begangen werden.

Ainring - Der "Singende Wirt" von Ainring, Thomas Berger, gibt seinen Ainringer Campingplatz auf und errichtet statt dessen ein Feriendorf, bezeichnet als "Bayern-Chalets-Ainring":

Zwei solcher Muster-Chalets bedurften trotz nötiger Verfahrensschritte einer gewissen Eile, denn Berger möchte mit Darstellung dieser beiden Anschauungsobjekte seine Werbekampagne zu einer fluktuierenden touristischen Nutzung starten. Zwischenzeitlich wurden die Planungen vertieft und detaillierter ausgearbeitet. Auf dem neuesten Stand gebracht, wurden die Pläne von den beauftragten Planern erneut vorgestellt, damit das Aufstellungsverfahren fortgesetzt werden kann. Kurz nach der jüngsten Bauausschusssitzung hat bereits die Hebefeier eines ersten Chalets stattgefunden.

Insgesamt sollen rund 25 Chalets, Pavillon als Seminargebäude, Badehaus mit Pool sowie fünf öffentliche Saunagebäude entstehen. Das Bebauungsplanareal liegt etwa 500 Meter nordwestlich des Ortskerns vom Dorf Ainring, östlich des Weilers „Moos“, unmittelbar angrenzend an die dort verlaufende Kreisstraße BGL 10. Solch eine Umwidmung mit Änderung des Flächennutzungsplanes, Neuaufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes mit Billigung der Planentwürfe und Beschlüsse zu einer frühzeitigen Bürger- und Behördenbeteiligung beansprucht zwangsläufig bürokratischen Aufwand, Zeit und Geduld, wohl mehr als es dem umtriebigen Thomas Berger lieb ist. Akribische Überlegungen seitens des Planungsbüros Zeller & Romstätter erforderten vorweg vielfach bereits Behördengänge, wie in der Ausschusssitzung von Hans Romstätter und Bernhard Unterreitmeier vom Büro AquaSoli hingewiesen. Vor allem wegen der in diesem abfallendem Gelände ausgehenden Hochwassergefahr vom Högl abfließendes Wasser bei Starkregen mussten intensiv durchdachte Entscheidungen in enger Zusammenarbeit mit AquaSoli für umfangreiche Maßnahmen getroffen werden. So sieht die Konzeption zu dieser Thematik zwei große Rückhaltebecken vor. Diese Teiche werden außerdem von vorhandenen Quellen unterirdisch gespeist und somit die Wasserfläche permanent auf einer geringen Aufstauhöhe gehalten. Bei extremen Niederschlagsereignissen dienen die Teiche zugleich auch als Retentionsräume. Für den äußersten Notfall wird das am unteren Ende der Hanglage im nordöstlichen Grundstücksbereich befindliche Restaurant mit Dammbalken und leistungsstarken Pumpen ausgestattet.

Der Aushub des oberen Rückhaltebeckens ist vollzogen und gehört zum Hochwasserschutzkonzept auf dem ehemaligen Campingplatz.

Die Erschließung für das geplante Chaletdorf ist durch die gemeindlichen bzw. öffentlichen infrastrukturellen Einrichtungen gesichert, wobei noch entsprechende Sparten zur Erweiterung der jeweiligen Anlagen zu schaffen sind. Die Verkehrsanbindung für das gesamte Areal erfolgt ausschließlich über die von Nordosten bestehende Zufahrt an die Kreisstraße BGL 10. Weitere Zufahrten oder Zugänge zur Kreisstraße sind nach den Ausführungen der Planer und aus der Verwaltung nicht geplant und werden auch nicht zugelassen. Die Ausschussmitglieder nahmen zur Kenntnis, dass die Schmutz- und Abwässer in den Gemeindekanal eingeleitet werden. Die Trink- und Brauchwasser- sowie die Energieversorgung ist durch Anschluss an die Anlagen der öffentlichen bzw. örtlichen Versorgungsträger sichergestellt. Um dem Brandschutz Rechnung zu tragen, wird zu Feuerlöschzwecken innerhalb des Chaletdorfes ein Hydrant installiert. Bürgermeister Hans Eschlberger fasste vor der Diskussion zusammen, dass mit dem geplanten Chaletdorf eine touristische Erholungseinrichtung geschaffen und somit der Fremdenverkehr in der Gemeinde Ainring weiterentwickelt werde. Die Anlagen würden in landschaftsgebundener Bauweise errichtet und in das Gelände eingebunden. Die vorliegende Bauleitplanung sei aus orts- und landschaftsplanerischen Gesichtspunkten als vertretbar und verträglich zu bewerten.

Sven Kluba erkundigte sich, ob im Zusammenhang mit den nahgelegenen Anlagen des Eisstockclubs Ainring ein Immissionsschutzproblem vorliege. Dazu sagte Hans Romstätter, dass nach ersten Ergebnissen des Immissionsschutzgutachtens ab 20 Uhr Überschreitungen vorliegen könnten. Dieses Problem müsse gelöst werden. Auf die Nachfrage von Gerhard Kern, woher die „20-Uhr-Grenze“ herkomme, denn ihm sei bislang ein solches allgemeines Stocksportende erst ab 22 Uhr bekannt. Diese erste Erkenntnis resultiere aus einer Gutachterakte, antwortete Romstätter. Edith Höglauer nahm Bezug auf die Ausführungen im Sachvortrag betreffend eines Wunsches, dass ab der Kreisstraße ein Graben geöffnet werden soll. Sie ersuchte um Auskunft, wo der Graben verlaufe, da sich dieser vermutlich auf Fremdgrund befinde. Bernhard Unterreitmeier präzisierte, dass das Wasserwirtschaftsamt geäußert habe, dass dieses statt der bestehenden Verrohrung lieber einen offenen Graben hätte. Sein erarbeitetes Konzept funktioniere aber auch ohne offenen Graben.

Bezug auf die vor der Sitzung durchgeführte Ortsbesichtigung nahm Sepp Ramstetter. Er wies darauf hin, dass beim oberen Becken eine bestehende Leitung DN40 gefunden worden sei. Er fragte nach der rechtlichen Zulässigkeit. Dazu erklärte Unterreitmeier, dass es eine schriftliche Genehmigung, wie auch nördlich des Grundstückes, wohl nicht geben werde. In diesem Zusammenhang bedauerte Bruno Thurnhausstatter, dass Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes trotz Einladung bei dieser Sitzung nicht anwesend sein könnten.Er erinnerte an den ersten Beschluss des Gemeinderates, wonach zuerst das Wasserrecht geklärt sein müsse und erst dann könne der Antragsteller bauen. „Solange das Wasserrecht vorher nicht geklärt ist, kann ich nicht zustimmen“, betonte er. Bernhard Unterreitmeier stellte klar, eine offizielle Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes könne erst erfolgen mit dem ersten Verfahrensschritt der Bauleitplanung. „Wir im Bauausschuss können die verfahrensrechtlichen Vorgaben nicht ändern“, argumentierte Franz Sommerauer. Eine schriftliche Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes vorab wäre wünschenswert gewesen. Er stellte die Frage der Folge für den Fall, dass die Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes beim ersten Verfahrensschritt wider Erwarten schlecht ausgehe. Daraufhin erklärte Bürgermeister Hans Eschlberger, dass die gemeindlichen Gremien „Herr des Verfahrens“ seien und im Rahmen der Planungshoheit Planungsrecht geschaffen werden könne oder auch nicht. Sommerauer stellte nochmals klar, dass sich im Zuge der gesamten Maßnahme die Situation nicht verschlechtern dürfe. Sofern die Gemeinde den nächsten Verfahrensschritt einleite und eine negative Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes vorliege, könnte die Gemeinde mit dem eingeleiteten Bauleitverfahren wieder aufhören. Sepp Ramstetter nahm nochmals Bezug auf den Wunsch, das bestehende Entwässerungsrohr zu öffnen und einen offenen Graben anzulegen, Er sprach sich dagegen aus, weil dieses dem Nachbarn wegen Bewirtschaftungserschwernissen nicht zuzumuten sei. Um Klarstellung bat Bruno Thunrhausstatter zu den im Bau befindlichen zwei Musterchalets. Seines Wissens sei erst eine ablehnende Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes vorhanden gewesen. Dipl.-Ing. Hans Romstätter bestätigte die Aussage Thurnhausstatters, weil das Wasserwirtschaftsamt erst mit Vorlage des Bebauungsplanes Stellung nehmen werde. Eine Genehmigung der beiden Musterchalets sei jedoch möglich gewesen, weil das obere Becken momentan nur einen Aushub darstelle und derzeit keine wasserrechtlichen Belange berühre. In diese Thematik vertiefte sich auch Sven Kluba, sah aber letztlich die Vorgaben des Gemeinderates als erfüllt. Zum wiederholten Male kam im weiteren Verlauf der Diskussion das bestehende Rohr durch die Kreisstraße zur Sprache, nochmals aufgegriffen von Bruno Thurnhausstatter. Er verwies auf einen anhängigen Rechtsstreit, dabei sei aber das streitgegenständliche Rohr ein Teil des Konzeptes. Solange gerichtlich über diese Frage nicht entschieden sei, wäre es ungut ein Bauleitplanverfahren zu starten. „Solange das Rohr vorhanden ist, kann es genutzt werden“, betonte Unterreitmeier, erläuterte nochmals sein Konzept, das auch ohne besagtes Rohr funktioniere. Thomas Berger habe mittels Dammbalken einen zusätzlichen Objektschutz an der Gaststätte. Er habe das Hochwasserthema im Griff und brauche das umstrittene Rohr nicht unbedingt. Stefan Eberl stellte die Frage zu dem beim Bau des oberen Erdbeckens vorgefundenen Rohr DN40. Laut Sachvortrag sei ihm klar gemacht worden, dass die wegfallende Kubatur im unteren Bereich des Grundstückes auf dem Baugrundstück durch den Bau des oberen Rückhaltebeckens ausgeglichen werden müsse. Diese vorgefundene Rohr sei jedoch eine zusätzliche Belastung. Bisher sei das Rohr durch das Antragsgrundstück durchgelaufen und jetzt belaste diese Wassermenge zusätzlich das obere Becken. Hierzu stellte Unterreitmeier klar, dass es grundsätzlich besser sei, wenn der Durchfluss durch das vorhandene Becken gedämpft werde. Die Leitung könnte aber, wenn sich die vorgesehenen Hochwasserschutzmaßnahmen im Endzustand befinden werden, wieder verschlossen werden.

Nach dieser umfangreichen Thematik konnte Bürgermeister Hans Eschlberger zur Abstimmung aufrufen. Bei sechs Befürwortern und drei Gegenstimmen lautete der Beschluss, die vorgelegten Planungsentwürfe zu billigen. Zugleich wurde die Verwaltung beauftragt, das formelle Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes für die Umwidmung des Campingplatzes in ein Feriendorf durchzuführen. Parallel hierzu und mit gleichem Stimmenergebnis wird auch das Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplanes durchgeführt Nächster Schritt in dieser umfangreichen Bauangelegenheit ist nun die frühzeitige Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung.

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