Fahne in Kirche „St. Ulrich“ aus dem 19. Jahrhundert

Ainringer Pfarrei lässt aus Paris stammende Marienfahne erstmals restaurieren

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Ainring - In der Filialkirche St. Ulrich des Pfarrverbands Ainring, bis 1957 Mutterkirche von Ainring, steht seit jeher neben der Kirchenfahne auch die „Jungfrauenfahne“. Diese ist auf der Vorderseite mit einer Abbildung der Hl. Maria sowie zahlreichen Verzierungen bestickt und wird von den jungen Frauen des Ortes bei der Fronleichnamsprozession zur Ehre der Heiligen mitgetragen. Die heute kostbare Fahne wurde wohl um 1832 in Paris genäht.

Die Fahne, deren Ursprung nur vage aus Erzählungen bekannt ist, war im Laufe der Jahre spröde geworden. So hatte der Stoff auf der Rückseite bereits eingerissene Bahnen und auch auf der Vorderseite zeigten sich viele verschlissene Stellen. Sie befand sich in einem Zustand, der die Teilnahme an der Prozession bei stärkerem Wind nicht mehr erlaubt hätte, ohne zu riskieren, eine zerfetzte Fahne zurück zu bringen. Nach einer Kreuzwegprozession auf den Ulrichshögl wurde einigen Teilnehmern der schlechte Zustand der Fahne bewusst und sie haben sich sofort bereit erklärt, für eine Renovierung Geld zu spenden. 


Diese spontane und bereitwillige Unterstützung ermutigte die Kirchenverwaltung die Restaurierung in Angriff zu nehmen. So wurde die Fahne nach längeren Überlegungen im August 2019 nach Thyrnau in die Zisterzienserabtei St. Josef verbracht. 

Das Kloster Thyrnau im Passauer Land, unterhält eine berühmte Paramentenwerkstatt, die schon für Papst Benedikt XVI. Messgewänder gefertigt hat. Bereits bei der ersten Begutachtung stellte sich heraus, dass es sich um eine sehr alte und kostbare Fahne handelt, welche unbedingt erhalten werden sollte. „So eine Fahne haben wir noch nie in der Hand gehabt“ meinte die Äbtissin Dr. Mechthild Bernart Ocist, welche auch die Paramentenwerkstatt leitet. Dass damit auch die Renovierungskosten wesentlich höher ausfallen würden als ursprünglich geplant, ist die Kehrseite der Medaille. 


Trägerstoff sehr porös

Da allerdings weitere Spenden eingegangen waren und die Renovierung auch vom Leiter des Pfarrverbands Ainring, Pfarrer Wernher Bien, befürwortet wurde, hat sich die Kirchenverwaltung nach zähem Ringen entschlossen, die Renovierung zu beginnen. Josef Huber von der Kirchenverwaltung Ainring erklärt: „Bereits zu Beginn der Renovierungsarbeiten, den vorsichtigen Reinigungsversuchen, musste man feststellen, dass der aus Seide bestehende Trägerstoff so porös war, dass er nicht einmal die Reinigung überstanden hat. 

Also entschied man sich die Motive der Fahne auf einen neuen Trägerstoff zu übertragen und die Fahne mit den alten Motiven wiederaufzubauen. Dies ist nur dadurch möglich, weil die Motive auf der Vorderseite mit Goldfaden um einen filzartigen Träger genäht sind und somit die Reinigung unbeschadet und jeweils als Ganzes überstanden haben.

Sticktechnik aus der Barockzeit

Aufhorchen ließ die Aussage der Äbtissin des Klosters Thyrnau, wonach diese Sticktechnik in der Barockzeit verwendet wurde. Für eine weitere Überraschung sorgte die während eines Telefonats mit Äbtissin Dr. Mechthild Bernart eingeworfene Frage, ob es denn bewusst wäre, dass die Fahne aus Paris stamme. 

Beim Auflösen der Fahne hätte man im Inneren einen Aufnäher mit einer Pariser Adresse gefunden. Dass sich in einer kleinen Kirche am Ulrichshögl eine goldbestickte Fahne aus Paris befindet stellt sicherlich eine kleine Sensation dar und lässt Raum für Spekulationen. Ein Schlüssel könnte das Marienmotiv auf der Fahne sein, welches sich vermutlich an die Marienerscheinung der Vinzentiner Schwester Catherine Labouré anlehnt. Labouré war 1830 in der Kapelle des Mutterhauses der Vinzentinerinnen in Paris die Mutter Gottes erschienen. 

Das Motiv

Das Motiv wurde vom Pariser Goldschmied Adrien Vachette 1832 nach ihren Anweisungen auf die sog. „Wundertätige Medaille“ geprägt. Untermauert wird diese Vermutung durch die „Strahlen“, die aus den Händen Mariens nach unten verlaufen. Dies ist so auf der Medaille von 1832 und auf der Marienfahne vom Ulrichshögl zu sehen und dürfte typisch für die Erscheinung der Schwester Catherine Labouré sein.

 Josef Huber recherchierte und fand heraus, dass die Adresse mit der vermeintlichen Näherei der Fahne, den Place Saint Sulpice 10 noch gebe und am "Kirchplatz" des Gotteshauses St. Sulpice in Paris liege, der zweitgrößten Kirche der Seine- Metropole. Das Mutterhaus der Vinzentinerinnen liegt nur 10 Minuten zu Fuß entfernt. Da Nonnen des Vinzentinerordens, auch in unserer Gegend in Krankenhäusern, Heimen und Klöstern tätig sind und waren, könnt man den Bogen nach Paris spannen.

Wie KV-Mitglied Josef Huber mitteilt, belaufen sich die Renovierungskosten auf rund 8000 bis 10000 Euro ist aber vom tatsächlichen Aufwand abhängig. Für Spenden ist die Bankverbindung verfügbar: Empfänger: Kath. Kirchenstiftung Ainring IBAN: DE 30 7109 0000 0002 5118 94, Verwendungszweck: „Spende Marienfahne Ulrichshögl“. Bei einer Überweisung bis 200 Euro gilt der Überweisungsbeleg als Spendenbescheinigung.

Andreas Pils

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