Hochwasserschutz für "Bayern-Chalets"

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Die obere Retentionsfläche, zunächst noch provisorisch als Teich angelegt, wird von vorhandenen Quellen gespeist und permanent auf einer geringen Aufstauhöhe gehalten, um bei extremen Niederschlagsereignissen zugleich auch als Retentionsraum zu dienen. Wie im Bild erkennbar, wurde ein naturnaher Wasserfall über Steinstufen angelegt.

Ainring - Die "Bayern-Chalets-Ainring" sollen ein spezielles System zum Schutz vor Hochwasser erhalten. Die umfangreiche Planung wurde in der letzten Gemeinderatssitzung diskutiert.

Viel zeitlicher Aufwand erfordert für gemeindliches Bauamt, den von Antragsteller Thomas Berger beauftragten Planern und nicht zuletzt auch Gemeinderatsgremium das Projekt „Umwidmung des Ainringer Campingplatzes in ein Feriendorf", bezeichnet als „Bayern-Chalets-Ainring". Wegen Überschwemmungsgefahren nach Starkregenereignisse in dem abfallenden Gelände sind umfangreiche Vorplanungen und Maßnahmen vonnöten um materielle Schäden abzuwenden.

Hilfreich war in der jüngsten Gemeinderatssitzung eine schriftlich verfasste Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes, nachdem der geladene Sachbearbeiter Stefan Hollrieder, Sachgebietsleiter Wildbach- und Lawinenverbauung, wegen Terminüberschneidung nicht persönlich Stellung nehmen konnte um mögliche Fragen der Mandatare im Sitzungssaal zu beantworten.

Zunächst begrüßte zu dem intensiv behandelten Tagesordnungspunkt 1. Bürgermeister Hans Eschlberger die Planer Hans Romstätter und Bernhard Unterreitmeier. Das Thema müsse trotz zustimmender Beschlussfassung in vorangegangenen Sitzung des Bauausschusses nach einem Reklamationsantrag nochmals im Gemeinderat behandelt werden, klärte Eschlberger auf. Zentrales Thema sei die Wasserproblematik. Die Sitzungseinladung sei an das Wasserwirtschaftsamt ergangen. Stattdessen liege eine schriftliche Stellungnahme vor, die von Bauamtsleiter Thomas Fuchs nachfolgend vorgetragen wurde.

Wie aus dem Schreiben zu entnehmen, sei das vom Büro aquasoli von Dipl.-Ing. Unterreitmeier ausgearbeitete Konzept sehr detailliert und bestätige den richtigen Weg zur Bewältigung der Hochwasserproblematik. Zum letzten Abstimmungstermin habe Bernhard Unterreitmeier eine Gesprächsnotiz vom 23. Juni angefertigt. die vollinhaltlich passe. Es komme zu keiner Beeinträchtigung von Unterliegern.

Für das anfallende wild abfließende Hangwasser werde ein HQ 100 Schutz erreicht. Das Wasser fließe nicht mehr über die Kreisstraße ab. Das bestehende Entwässerungsrohrsystem - nicht das sogenannte „Streitrohr" - sei verrohrt im Unterhalt des Drainverbandes. Diese Leitung sei auch in dementsprechenden Plänen eindeutig aufgeführt und stimme in der Lage ganz genau. Ab dem offenen Gerinne liege dieses als Gewässer 3. Ordnung im Unterhalt der Gemeinde. Bezüglich der Leitungen, die von Süden her auf das Bebauungsplangebiet treffen und durch dieses laufen, sei die Zuständigkeit nicht eindeutig feststellbar. „Wichtig ist, dass diese Rohre funktionieren und dementsprechend unterhalten werden", verdeutlichte Stefan Hollrieder in der schriftlichen Mitteilung.

Weiter heißt es, auf dem Baugelände würden selbst anfallende Oberflächenwasser gesammelt und nach den entsprechenden Regelwerken in Rückhaltebecken geleitet. Vorliegend werde deutlich mehr zurückgehalten als die Regelwerke fordern. Bis ein „Überlaufen" stattfinde, werde ein 50-jähriges Regenereignis erreicht. Das sei zehn Mal mehr als rechtlich gefordert.

Vorwürfe gegen Bernhard Unterreitmeier schmetterte das Wasserwirtschaftsamt Traunstein, ab, denn diese seien „aus der Luft gegriffen". Das Konzept sei Stefan Hollrieder bekannt und er habe dieses damals schon befürwortet. Bei der Baugenehmigung zu den zwei Musterchalets wäre die Endfassung des Konzepts nicht vorhanden gewesen, habe sich seither jedoch in eine positive Richtung verändert. „Herr Unterreitmeier arbeitet in sehr hoher Qualität. Die vorliegende Ausarbeitung ist insoweit bemerkenswert", so wörtlich Hollrieder im Telefonat mit Ainrings Bauamtsleiter Thomas Fuchs.

Fachliche Zweifel seien ausgeräumt, doch nun liege die Reklamation auf dem Tisch, mit man sich beschäftigen müsse, gab Bürgermeister Hans Eschlberger im weiteren Sitzungsverlauf zu verstehen.

In ihren detaillierten Ausführungen zeigten Hans Romstätter vom Planungsbüro Zeller & Romstätter sowie Dipl.-Ing. Bernhard Unterreitmeier vom Büro „aquasoli" nochmals die jeweiligen Konzeptionen aus ihren für dieses Millionenprojekt vernetzten Fachgebieten auf. Eingearbeitet war aktuell unter anderem aus Sicht Romstätters der zufriedenstellend gelöste Immissionsschutz zur oberhalb des Chaletdorfes befindlichen Eisstockanlage samt Vereinsheim des EC Ainring.

Zur Erinnerung: Thomas Berger beabsichtigt die Errichtung von etwa 25 behindertengerecht ausgestattete ein- und zweigeschossige Chalets, manche für bis zu sechs Personen, mit insgesamt zirka 180 Betten, ein Pavillon als Seminargebäude, ein Badehaus mit Pool, fünf öffentliche Saunahäuser und ein Personalgebäude. Zum Hochwasserschutz sind Rückhaltebecken vorgesehen. Um all dies zu verwirklichen – ein Aushub für den oberen Retentionsraum, bereits als kleiner See von Quellen gespeist, sowohl unterirdisch wie in einem naturnahen Wasserfall über Steinstufen und zwei Musterchalets kurz vor der Vollendung – hat Thomas Berger bereits vorab veranlassen können. Der bisherige Campingbetrieb wird gänzlich aufgegeben, denn das Chaletdorf soll ausschließlich einer fluktuierenden touristischen Nutzung dienen, wobei Berger versichert, dass in den Chalets eine dauerhafte Wohnnutzung ausgeschlossen werden soll.

„Die Absicherung der Touristennutzung des nach Südwesten hin ansteigenden Chaletdorfes muss durch private Dienstbarkeiten und zusätzlich durch Festlegungen im noch abzuschließenden Durchführungsvertrag zu dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan gesichert sein. Ausgenommen sind lediglich im am nördlichsten Tiefpunkt befindlichen Restaurant eine Wohnung und im Personalgebäude acht kleinere Appartements, welche ausschließlich von Betriebsangehörigen dauerhaft genutzt werden können", so die Mitteilung an die Sitzungsrunde.

Zusammenfassend gab die Verwaltung bekannt: „Nachdem mit dem geplanten Chaletdorf eine touristische Erholungseinrichtung geschaffen und somit der Fremdenverkehr in der Gemeinde Ainring weiterentwickelt wird, die baulichen Anlagen in landschaftsgebundener Bauweise errichtet und in das Gebäude eingebunden, großzügige Grünordnungsmaßnahmen mit entsprechenden Pflanzgeboten zur Randeingrünung und zur inneren Gebietsdurchgrünung zur Aufwertung des Landschaftsbildes geboten werden, der naturschutzfachlichen Eingriffregelung in der Bauleitplanung in vollem Umfang Rechnung getragen wird und auch die Erschließung in ausreichendem Maße gesichert ist, ist die vorliegende Bauleitplanung aus orts- und landschaftsplanerischen Gesichtspunkten als vertretbar und verträglich zu bewerten."

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