Ainring hofft auf staatliche Förderung

Ainring rüstet für hundertjähriges Hochwasser

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Ainring - Die Überflutungen bei Hochwasser der letzten Jahre sollen nicht wieder vorkommen! Jetzt wird angepackt: Die Gemeinde baut Dämme, Drängeleitungen und mehr.

Der Hochwasserschutz in der Gemeinde Ainring genießt eine hohe Priorität. In der jüngsten Gemeinderatssitzung galt diesem brisanten Thema, speziell Maßnahmen zum Bauabschnitt III am Sonnwiesgraben, eine ausführliche Darstellung der Studie von Bernhard Unterreitmeier vom Ingenieurbüro „aquasoli“. Erörtert wurden die Grundzüge der Planung. Ein Sonnwiesgraben-Konzept besteht seit 2002, doch in den vergangenen zwölf Jahren hat sich der Sachstand Hydrologie geändert mit neuen Berechnungen. Mehr Rückhalteraum im oberen Sonnwiesgraben-Bereich und welche landwirtschaftliche Flächen für den Einstau tatsächlich zur Verfügung stehen, galt unter anderem das Augenmerk. Die Kosten werden auf etwa 750.000 Euro brutto veranschlagt, wobei die Gemeinde auf eine angemessene staatliche Förderung hofft. Zunächst wurde informiert, dass auf Grundlage der aktuellen Niederschlagsdaten, veröffentlicht durch den Deutschen Wetterdienst, für den Hochwasserschutz am Sonnwiesgraben neben den bereits durchgeführten Bauabschnitten nun in einem dritten Bauabschnitt das Rückhaltebecken 1 und 2 erforderlich sei. Durch die Rückhaltemaßnahme werde der Hochwasserabfluss auf Höhe der B304 auf vier Kubikmeter pro Sekunde gedämpft. Für beide Rückhaltebecken, in Fließrichtung gesehen hintereinander, werde - so der Hinweis - einStauvolumen von zirka 37.800 (1) und 23.900 (2) Kubikmeter bei einem maximalen Wasserstand am Geländetiefpunkt von 1,9 bzw. 1,6 Meter erreicht. 

Die zum Wasserrückhalt erforderlichenDammbauwerke, mit einer Böschung ausgebildet und begrünt, seien auf bestehende Wirtschaftswege angeordnet. Auf der Dammkrone solle der Wirtschaftsweg eine Breite von vier Meter bekommen. Auf weitere bauliche Maßnahmen wurde hingewiesen, wie Binnenentwässerung aus Dränageleitungen und Pumpschacht, wodurch eine temporäre Grundwasserabsenkung im Bereich eines Anwesens ermöglicht wird. Hierbei werden bestehende Dränageleitungen an einenRohrsammler, der entlang des Dammbauwerkes geführt werde, mit Vorflut in den Sonnwiesgraben angeschlossen.

Eine weiterhin landwirtschaftliche Nutzung aller für eine Vernässung vorgesehenen Areale sei zwar gewährleistet, wurde argumentiert, doch ein Grundstücksbesitzer sei mit einer Überflutung seiner Fläche nicht einverstanden. Hierzu wurde erläutert, dass ein Schutzdamm jenes Grundstück vor einem Einstau schützen soll, zudem ein Einlaufschacht mit einer Leitung bis zum Sonnwiesgraben angedacht sei. Ein Hinweis galt der Leitung DN 400 vom ehemaligen Campingplatz. Diese Leitung werde im Stauraumbereich verlegt und an das Durchleitungsbauwerk am Sonnwiesgraben angebunden. Ein Rückstau in die Leitung DN 400 Leitung durch das Hochwasserrückhaltebecken 2 sei somit ausgeschlossen.

Bürgermeister Hans Eschlberger dankte Bernhard Unterreitmeier für seine fundierten Aussagen und zeigte sich zuversichtlich, dass der Hochwasserschutz im angesprochenen Bauabschnitt III des Sonnwiesgrabens verbessert werde. Erwartungsgemäß ergiebig gestaltete sich der Diskussionsverlauf. Im Brennpunkt des Meinungsaustauschs der Gemeinderäte ging es unter anderem um die Planung der Dämme, wie diese aussehen und in welcher Reihenfolge das Wasser eingestaut werde. Ebenso wurde nachgefragt, welche Gebiete bei einen 5-, 10- oder 20-jährigen Hochwasser überschwemmt werden. Das vorgetragene Konzept sei ja auf ein 100-jähriges Hochwasser ausgelegt.

Ein besonderes Augenmerk gelten müsse der Grundwasserproblematik. Es dürfe nämlich keinesfalls der Fall eintreten, dass aufgrund der geplanten Maßnahmen Hauseigentümer Probleme mit dem Grundwasser bzw. mit Wassereintritt in ihre Keller bekommen. „Ein Gutachten wird benötigt“, antwortete Hans Eschlberger. Weil sich ein Grundbesitzer sträubt, dass seine Fläche nicht vernässt werde und die damit verbundenen Baumaßnahmen sich deshalb erheblich verteuern, galt auch dieser Problematik einer Wortmeldung. Der Bürgermeister wurde gebeten, in dieser Angelegenheit nochmals mit dem Grundstückseigentümer Kontakt aufzunehmen, ob nicht doch gegebenenfalls dessen Feld für eine notwendige Überflutung freigegeben werde. Es gäbe Signale für eine Klärung, sagte der Bürgermeister und zeigte in einem kurzem Rückblick auf, dass man schon vor zwölf Jahren beim Sonnwiesgraben den Hochwasserschutz in Angriff genommen habe. 

Die beiden ersten beiden Bauabschnitten seien durch staatlichen Fördermitteln unterstützt worden Hierauf werde auch für den dritten Bauabschnitt gehofft. Alle Mandatare erklärten sich mit den vorgestellten Grundzügen einer Planung für den „Hochwasserschutz Sonnwiesgraben Bauaubschnitt III“ grundsätzlich einverstanden. Die zur Verwirklichung notwendigen Schritte sollen eingeleitet werden. Hierzu gehören insbesondere laut Vorschlag der Gemeindeverwaltung: Fortsetzung der Abstimmung mit den Grundeigentümern – Abschluss vertraglicher Vereinbarungen. - Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt und der Unteren Naturschutzbehörde. - Beauftragung eines Baugrundgutachtens. - Fortführung sämtlicher Planungsarbeiten bis zum Stadium „Entwurfsplanung“. - Regelung der Beweissicherung. - Erstellung der notwendigen Antragsunterlagen für das wasserrechtliche Verfahren. - Vordringlich sollen die Möglichkeiten einer staatlichen Förderung des Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzeptes geklärt werden, insbesondere vor dem Hintergrund seiner gemeindeübergreifenden Bedeutung. 

Schlosser

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