120 Teilnehmer aus Deutschland und 15 Nationen bei den 14. Ainringer Ostertagen

Polizei tauscht sich international über Sicherheit aus

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120 Teilnehmer aus 15 Nationen tauschten sich in der Karwoche bei den Ainringer Ostertagen über die Sicherheit in Großstädten und Ballungsräumen aus. Auch Vertreter aus Argentinien waren dabei.

Ainring - „Den Wert des Rechtsstaats habe ich erst begriffen und schätzen gelernt bei meinen Reisen ins Ausland.“ Das sagte der frühere Landtagspräsident Alois Glück in einem Vortrag bei den 14. Ainringer Ostertagen in der Karwoche im Haus der Kultur.

120 hochrangige Polizeivertreter aus dem gesamten Bundesgebiet und aus 15 europäischen Nationen sowie aus Argentinien tauschten sich bei diesem dreitägigen Kongress heuer über die „Sicherheit in Städten und Ballungsräumen“ aus. Veranstalter war wieder das Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei (BPFI) mit Unterstützung der Hanns-Seidel-Stiftung, der Bayerischen Staatskanzlei und der Bayerischen Bereitschaftspolizei.

Bei der Eröffnung der 14. Ainringer Ostertage (von links): Polizeipräsident Robert Kopp von Oberbayern Süd, Landrat Georg Grabner, Regierungsrätin und Moderatorin Melanie Adelhardt, Ainrings Bürgermeister Hans Eschlberger, Leitender Polizeidirektor Johann Peter Holzner, Regierungsrat und Moderator Christoph Kerling, Bereitschaftspolizei-Vizepräsident Detlev Tolle und stellvertretender Institutsleiter Hans Girschick vom BPFI.

Der Rechtsstaat ist das höchste Gut das wir haben“, betonte Glück. Er sei in einer Generation mit ständig wachsenden Möglichkeiten und Sicherheit groß geworden. „Die Wegstrecke, die vor uns liegt, wird anstrengend sein und unruhiger.“ Glücks Vortrag stand unter dem Titel „Veränderung internationaler Beziehungen und deren Auswirkung auf die Gesellschaft“.

Die Zeichen der Zeit zu erkennen und das Notwendige verständlich zu machen, sei eine besondere Aufgabe von Führungskräften, führte Glück aus. „Wer Erfolg anstrebt, muss den Sinn vermitteln.“Wer sich Entwicklungen verschließt, vergibt laut Glück wichtige Chancen. Er habe die Erfahrung gemacht, dass „wirkliche Veränderungen“ nur dann möglich seien, wenn der Leidensdruck groß genug sei.

Internet und die Digitalisierung mit all ihren Facetten verändere die Gesellschaft. Die Globalisierung habe eine neue Etappe erreicht. Das erfolgreiche Exportland Bayern sei gewohnt, die Welt aus der Gewinnerperspektive zu betrachten. Jetzt seien alle Teil einer „weltweiten Schicksalsgemeinschaft“, zum Beispiel beim Thema Flüchtlinge.

Der frühere Landtagspräsident Alois Glück (links) mit dem Vizepräsidenten der Bayerischen Bereitschaftpolizei, Detlev Tolle (Mitte), und dem Leitenden Polizeidirektor Johann Peter Holzner (rechts) vom Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei in Ainring.

Die armen Menschen dieser Welt wüssten durch das Internet zunehmend in welchen Verhältnissen die reichen Länder leben und würden Ungerechtigkeiten in Handelsbeziehungen erkennen. „Es gibt keine Insel der Ruhe und Sicherheit mehr in einer unruhigen Welt“, so Glück.

„Ängste prägen immer mehr das Lebensgefühl in unserem Land, das wachsende Bedürfnis nach Sicherheit konzentriert sich in erster Linie auf die innere Sicherheit“, fuhr Glück fort. „Angst darf uns nicht blockieren und lähmen. Wir können lernen mit unbekannten Situationen umzugehen.“ Im Verlauf seines Vortrags betonte er auch, wie wichtig der bewusste Umgang mit der Sprache sei und sich nicht aggressiv und abwertend zu äußern.

Zuletzt kam er auf Wertekonflikte in der Gesellschaft zu sprechen. In weiten Teilen der Bevölkerung herrsche Angst vor Identitätsverlust. „Unterschiedliche Wertvorstellungen kommen immer enger miteinander in Berührung. Wenn wir Probleme nicht konstruktiv lösen, dann kommt es zur Radikalisierung.“

Gleichgültigkeit und „Zuschauermentalität“ nannte er eine Gefahr. „Der Staat ist unsere gemeinsame Aufgabe.“ Ohne Kompromisse gebe es keine Gemeinwohllösung, die Qualität von Demokratie zeige sich im Umgang mit Minderheiten. Kontroverse Debatten seien in einer Demokratie wichtig, sollten aber stets mit Respekt geführt werden.

Grundbedürfnis Sicherheit - Ein hochaktuelles Thema

Während der drei Kongresstage beschäftigten sich die verschiedensten Fachleute mit dem Thema „Sicherheit in Städten und Ballungsräumen“. Ainrings Bürgermeister Hans Eschlberger sprach in seinem Eröffnungsgrußwort davon, wie wichtig es sei, sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Landrat Georg Grabner sprach vom „hochaktuellen Thema Sicherheit“, welches ein Grundbedürfnis der Menschen und „entscheidend für die Demokratie“ sei. Kriminalität mache nicht vor Grenzen Halt, deshalb sei die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Polizeien so wichtig. Das BPFI nannte er ein „Markenzeichen der bayerischen inneren Sicherheit“.

Detlev Tolle, seit einer Woche der neue Vizepräsident der Bayerischen Bereitschaftspolizei, sprach in seiner Eröffnungsrede von einem zusammenwachsenden Europa, in dem es notwendig sei, aktuelle polizeiliche Themen in einem solchen Forum zu diskutieren.

"Urbane Sicherheit" - Deutlich höhere Straftatenzahl in Städten ab 500.000 Einwohner

Drei Tage tauschten sich die Teilnehmer zu den verschiedensten Aspekten zum Tagungsthema aus. Dr. Holger Floeting vom Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin etwa sprach über „Urbane Sicherheit“. Städte ab 500.000 Einwohner weisen ihm zufolge eine deutlich höhere Häufigkeitszahl bei Straftaten aus, bei Gemeinden unter 20.000 Einwohnern sei sie dagegen relativ niedrig.

Schutz und Sicherheit würden in Deutschland in erster Linie durch die Polizei gewährleistet. Um Sicherheit und Ordnung in Städten zu schaffen, wirken laut Dr. Floeting aber weitere Akteure mit, etwa Stadtverwaltung, Feuerwehr oder der Katastrophenschutz. Auch Verbände, Vereine oder die Wohnungswirtschaft seien mit Fragen der Sicherheit und Ordnung in Städten befasst. Das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung werde auch von Verfallserscheinungen an Häusern, von Vandalismus, Abfall oder Alkoholismus auf öffentlichen Plätzen beeinflusst.

Weitere Themen und Aspekte der 14. Ainringer Ostertage waren Vorträge zur Sicherheitsentwicklung in Wien, die Kriminalität in Partyzonen, die Drogenszene in Zürich früher und jetzt, der Bevölkerungsschutz und Schutz kritischer Infrastrukturen sowie die Kriminalitätslage in der lateinamerikanischen Metropole Buenos Aires.

Sicherheit beginnt bei der Erstellung eines Flächennutzungsplan

Ebenso hörten die Teilnehmer Referate über die Strategie der ungarischen Polizei in der Kriminalitätsbekämpfung und über die Kriminalprävention für ein sicheres Wohnumfeld. Hier äußerte die Referentin, dass Sicherheit manchmal schon beim Flächennutzungsplan beginne, nämlich bei Belangen aus städtebaulicher Sicht, etwa der Breite von Gehwegen und bei Beleuchtung.

So genannte „Angsträume“ entstünden aber auch zum Beispiel durch Schmierereien im öffentlichen Raum, Müllablagerungen, Ruhestörungen, antisoziales Verhalten, bestätigte der Polizeipräsident von Unterfranken, Gerhard Kallert, der das „Handlungskonzept Zuwanderung“ der Bayerischen Polizei vorstellte.

Der Münchener Polzeipressesprecher Marcus da Gloria Martins (Mitte) sprach über die Social-Media-Erfahrungen bei der Polizei, insbesondere beim Amoklauf vergangenes Jahr im Olympiaeinkaufszentrum München, bei der ein Mann neun Menschen erschoss. Hier auf dem Bild ist da Gloria Martins mit den Kollegen von der Salzburger Landespolzeidirektion zu sehen, nämlich Pressesprecher Michael Rauscher (rechts) und Oberst Mario-Bernd Rieder (links).

Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Amokeinsatz beim Olympiaeinkaufzentrum in München zeigten auch, dass die Polizei im Bereich Social Media aktiv tätig sein muss, was auch der Sprecher des Polizeipräsidiums München, Polizeioberrat Marcus da Gloria Martins, und Vizepräsident Werner Feiler bestätigten.

Die Rückmeldungen der Teilnehmer der 14. Ainringer Ostertage sei hervorragend gewesen, resümiert Institutsleiter, Leitender Polizeidirektor Johann Peter Holzner. „Es wurden persönliche Netzwerke geknüpft, Konzepte ausgetauscht und die Bayerische Polizei hat sich sehr gut präsentiert.“

Pressemitteillung Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei (BPFI)

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