Hochwasserschutz-Maßnahmen für Ainring

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Solche vom Mühlstätter Graben verursachte Überschwemmungen sollen bald der Vergangenheit angehören, wenn der mehrere Kilometer lange Graben von Ainring bis an die Freilassinger Grenze Hochwasser führt.

Ainring - Grünes Licht vom Gemeinderat für das 230.000-Euro-Projekt: Ein Versickerungsbecken bei Schmiding. Bisher konnte schon Starkregen Flächen und Anwesen gefährden.

Die Gemeinde Ainring will gegen Naturgewalten weitere Weichen stellen und ein Zeichen setzen. Insbesondere Alarmstimmung herrscht nach Starkregen, wenn das Wasser vom Högl rauscht, Sonnwiesgraben und Mühlstätter Graben über die Ufer treten, landwirtschaftliche Flächen überflutet und Anwesen gefährdet werden. Um der Hochwassergefahr, einhergehend damit ansteigendem Grundwasser vorzubeugen, werden laufend Maßnahmen ergriffen. Das neueste Projekt zur Gegenmaßnahme ist der Neubau eines weiteren Versickerungsbeckens am Mühlstätter Graben, diesmal bei Schmiding östlich der Kreisstraße BGL18. Dort befindet sich in der Verlängerung des Schmidinger Weihers eine landwirtschaftliche betriebene Fläche, auch als „Erdbeerfeld" genutzt.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung wies Bürgermeister Hans Eschlberger einleitend darauf hin, dass nun endlich nach umfangreichen Vorbereitungsarbeiten und erfolgtem Grunderwerb die Entwurfsplanung für das Sickerbecken am Mühlstätter Graben vorgestellt werden könnte. „Wir erwarten uns mit der Maßnahme eine spürbare Entlastung für die Anwohner im Unterlauf des Mühlstätter Grabens", betonte er. Das Sickerbecken – sogenannte „Demei-Grube" an der Kreuzung BGL18 / B304 soll durch die angedachten verkehrstechnischen Neubaumaßnahmen ersetzt und kann dann aufgelassen werden.

Zur Vorstellung der Entwurfsplanung war im Rathaussaal mit Dipl.-Ing. Bernhard Unterreitmeier vom Ingenieurbüro aquasoli kein Unbekannter der Einladung gefolgt, denn seit Jahren beschäftigt er sich mit solch Ainringer Folgelasten. Wie er erläuterte, werde in das geplante Versickerungsbecken im Bemessungsfall ein Abfluss von 0,85 Kubikmeter pro Sekunde aus dem Mühlstätter Graben entlastend ausgeleitet.

Die Ausleitung erfolgt über ein Streichwehr im Böschungsbereich des Grabens mit einer Länge von acht Meter in ein Ausleitungsbecken. Vom Ausleitungsbecken aus wird der Abfluss über eine Rohrleitung DN800 unter dem Graben, der Kreisstraße BL18 und dem parallel verlaufenden Radweg hindurch in das geplante Versickerungsbecken geleitet. Nach Hinweis von Bernhard Unterreitmeier weist das Versickerungsbecken folgende Daten auf: Grundfläche zirka 3.000 Quadratmeter und ein Gesamtvolumen bis zur Geländeoberkante von rund 5.400 Kubikmeter. Eine Beeinträchtigung des Grundwassersiegels ist nach den durchgeführten Untersuchungen nicht zu befürchten

Zu Beginn der Diskussion stellte der Bürgermeister nochmals die Wichtigkeit des Vorhabens dar. Durch diese Maßnahme werde die Hochwassergefahr für viele Bürger in Perach und Heidenpoint deutlich verringert.

Die Frage, ob die naheliegende Gasleitung das Vorhaben stoppen könne. wurde verneint. Es könne zu einer bautechnischen Abschaltung kommen, aber die Maßnahme werde nicht verhindert. Auch die Grundwasserproblematik für Perach und Heidenpoint werde aufgrund der Entfernungen nicht beeinflusst. Weitere Fragen richteten sich nach den Kosten, denkbaren Grundwasserauswirkungen auf die Kinderkrippe in Mitterfelden und einen eventuellen Pflegeplan so beantwortet.

Man verhehlte nicht, dass die Baukosten relativ hoch seien zumal auf staatliche Fördermittel keine Aussicht bestehe. Auswirkungen auf die Kinderkrippe müssten unter Umständen näher untersucht werden. Wegen der doch ziemlich weiten Entfernung sei ein Gefahrenpotential eher unwahrscheinlich, äüßerte Tiefbauamtsleiter Thomas Läpple. Zur Pflege des Beckens wies er hin, dass regelmäßig entschlammt werde, außerdem alle zwei bis drei Jahre eine komplette Ausräumung erfolge, um die Sickerfähigkeit zu erhalten.

Im Hinblick auf die Kosten wurde aus den Reihen der Räte argumentiert, dass der Aushub und Abtransport des Materials außerordentlich teuer sei. Es wurde in diesem Zusammenhang vorgeschlagen, dass beispielsweise der Kies umsonst an abfuhrbereite Landwirte abgegeben werden könnte. Somit könnten unter Umständen Kosten gespart werden. Dazu teilte der Planer mit, das laut eines Bodengutachtens der Kiesertrag bescheiden sei und auch Thomas Läpple fügte an: „Da drin ist wesentlich mehr Humus als Kies, macht euch keine Hoffnung, dass es halb so teuer wird."

Interesse und Sorge zugleich bestand daran, ob die Dammkrone des Versickerungsbeckens genauso hoch sei wie die Straße. „Das Wasser wird immer im Becken oder im Graben bleiben", lautete die Antwort. Als eine weitere Vorsorge, damit trotzdem nicht wieder Wasser in den Mühlstätter Graben zurückläuft wurde angeregt, das Becken noch tiefer anzulegen. Dazu sagte der Planer, die Leistungsfähigkeit liege in der Kubatur und die Funktion werde durch die Versickerung hergestellt.

Eine eventuelle Förderung der Maßnahme musste verneint werden. Dies warf den Aspekt des Kosten-Nutzen-Verhältnisses auf. Die Anregung die Kreisstraße zu verlegen, ergäbe einen natürlichen Damm, wurde ebenso in die Diskussion eingebracht. Dem wurde von ÜPW-Fraktionssprecher Martin Strobl entgegengehalten, dass es wichtig sei, das Wasser von Perach fernzuhalten und das Projekt so schnell wie möglich zu verwirklichen. Trotz des Kostenfaktors von brutto rund 230.000 Euro würden Volkswerte dauerhaft geschützt. „Jede vertändelte Tag ist schade", meinte er.

Dieser Meinung schlossen sich auch andere Räte an, man sollte sich auch in die Lage des Bürgermeisters versetzen, wenn er zur Situationsverbesserung untätig bliebe und nicht in die Offensive gehen würde. Wiederkehrende witterungsbedingte Extremfälle seien die Regel., alles andere sei trügerisch.

CSU-Fraktionssprecher Jörg Mader beurteilte die Planung als top, doch man müsse auch die Kreuzung der B304 im Auge behalten. Ihm wäre es als vernünftige Lösung lieber gewesen, Hochwasserschutz und gewünschten Kreisverkehr zu vernetzen. Statt dessen werde jetzt viel Geld „vergraben". Hans Eschlberger machte auf die Gefahren durch Hochwasser aufmerksam und richtete in seinem Schlussappell die Bitte an die Mandatare die Plangenehmigung auf den Weg zu bringen. Folgend könne der Wasserrechtsantrag gestellt werden um im Sommer mit der Bauausführung zu beginnen. Damit wäre heuer im Herbst die Fertigstellung gewährleistet.

Mit Ausnahme von Jörg Mader nahmen die Räte die Entwurfsplanung zustimmend zur Kenntnis und genehmigten den vorliegenden Plan in der von Bernhard Unterreitmeier vorgestellten Fassung. Alle notwendigen Maßnahmen zur schnellstmöglichen Realisierung des Vorhabens werden jetzt umgehend eingeleitet.

schl

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