Teilnehmer aus ganz Deutschland

50. Meisterklassentreffen: "Do bin i dahoam"

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Besucher aus ganz Deutschland mit Bürgermeister Hans Eschlberger und Hans Höglauer und Dr. Wolfram Noreisch (letzte Reihe rechts)

Ainring - Georg "Schorsch" Thesz aus Mitterfelden organisierte das 50. Treffen das Klassenjahrgangs 1969/70, die am 13. Februar 1970 in der Robert-Mayer-Schule in Stuttgart ihre Meisterprüfung im Heizungs- und Lüftungsbau ablegten.

Der Klassenjahrgang 1969/1970 von der Stuttgarter Meisterschule war mit Partnerinnen angereist. Quer durch die Republik erfolgte die Anfahrt, wobei ein Teilnehmer aus Husum in Schleswig-Holstein die meisten Kilometer zurück legen musste. 

Gut ein halbes Jahr nach ihrer Prüfung fand das erste Klassenjahrgangstreffen in Husum statt. "Jeder musste es einmal machen und wenn alle durch waren, begann das von Neuem. Die Treffen hatten als Inhalt einen Tag zum Kennenlernen der jeweiligen Heimat des Veranstalters mit Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten, Museen und dergleichen. Im Laufe der Jahrzehnte war man in Deutschland unterwegs und unternahm auch Abstecher ins Elsass, Südtirol und Österreich an 50 verschiedenen Orten mit mehr als 400 Sehenswürdigkeiten."Alte und neue Handwerkskunst wurde von uns genauso bewundert, wie die Natur", sagt Thesz.

Eingeleitet wurde die Zusammenkunft mit einem Abendessen und am nächsten Tag erfolgte eine Stadtführung in Bad Reichenhall und hernach fuhr die Reisegruppe bei herrlichen Spätsommerwetter mit der ältesten Großkabinenseilbahn der Welt, auf den Predigtstuhl.

Bürgermeister Eschlberger stellte Ainring vor

Tags darauf ging es in die Heimatgemeinde von Georg Thesz. Im Dorfpark Ainring begrüßte 1. Bürgermeister Hans Eschlberger die Handwerksmeister mit ihren Gattinnen zum 50. Klassentreffen aus ganz Deutschland und verteilte zunächst an alle Prospekte. Unter anderem sagte er zur Gemeinde Ainring, dass es die Drittgrößte im Landkreis BGL sei und aus 57 Ortsteilen bestehe und es 70 Vereine gebe. "Wir sind ein Luftkurort, wir sind keine große Tourismusgemeinde, aber bei lässt es sich gut leben und arbeiten. Auch zum Erholen ist Ainring immer einen Besuch wert, zum Beispiel Konzerte oder Theateraufführungen auf dieser Freilichtbühne." Auf dem Auhögl sei bereits vor 6000 Jahren gesiedelt worden. "Wir haben keltische Wurzeln mit römischen Beimischungen und bajuwarischen Prägungen", erzählte er.

Der Rathauschef ging auf die über 1200-jährirge Geschichte von Ainring ein und informierte, das man 1000 Jahre zum Fürsterzbistum Salzburg gehört habe und nun seit 205 Jahre bayrisch sei.

Mit Stolz verkündete er das älteste Stahlwerk der Welt auf gemeindlichen Boden zu haben und dort werde Stab- und Spannstahl hergestellt.

Die 1537 gegründete Annahütte sei mit 550 Beschäftigen der größte Arbeitgeber der Gemeinde. Die Produkte befinden sich in jedem namhaften europäischen Auto und in der Bauwirtschaft, wenn etwa in Südostasien ein 800 Meter hohes Gebäude errichtet werde, ist Stahl aus Ainring. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen 2000 Vertriebene aus dem Sudetenland in die Ortsgebiete. Es waren Unternehmer und Handwerker dabei, wovon die Gemeinde noch heute profitiere.

Nachdem Eschlbeger verkündete, dass die Gemeinde wirtschaftlich gut da stehe und im Kernhaushalt schuldenfrei sei, zollten die Zuhörer spontan Applaus.Seit 12 Jahren werde ein Biomasse-Heizkraftwerk betrieben, welches 3500 Einwohner der Gemeinde mit klimafreundlicher Fernwärme versorgt. Dadurch werden jährlich zwei Millionen Liter Heizöl eingespart. Mit der Abwasserentsorgung arbeite man mit Salzburg und insbesonders mit Wals-Siezenheim zusammen. Mittels eines Drückers gelangt das Abwasser unter dem Fluss Saalach auf die österreichische Seite zur Klärung in Siggerwiesen. Auch zu den Gebäuden im Dorfpark gab es Erklärungen ebenso zum neuen Franziskusweg.

In Eigenschaft als Vorsitzender des Heimat- und Tourismusvereins lud Hans Eschlberger die Gäste für das nächste Jahr zum 50-jähigen Bestehen des Ainring Bauerntheaters ein.

Für die Einweisung dankte Thesz dem Bürgermeister und erläutere, dass ohne dessen Mitwirken es keinen Verein gebe, der sich um das Moos und ehemalige Torfwerk kümmere. Mit dem Kauf von Gleisen und Lokomotiven habe dieser den Grundstein gelegt.

Besuch der Kugelmühle

Anschließend spazierten die Besucher entlang des Mühlstätter Grabens zur Kugelmühle. Dr. Wolfram Noreisch vom Ainringer Kulturverein informierte die interessierten Zuhörer.

Da wo vor 60 Millionen Jahren Meer war, mit Absatz, dem Sand, entstand durch den Gletscher unter großem Druck der Sandstein. Schon früher gab es hier eine Kugelmühle um Ballaststoffe für Schiffe oder Murmeln für Kinder aus Marmor herzustellen, dies war ein Wirtschaftsfaktor. Es wurde ein Gumpen angelegt und mit Deichseln (wie ehemals bei der Soleleitung) wird das Wasser zur Kugelmühle geleitet. Der sogenannte Schleifer besteht aus Högler Sandstein und darauf ist der bewegliche Teile der Läufer mit Taufeln aus Tannenholz. Damit der Vorgang in der Mühle verkürzt wird, kommen behauene Marmorsteine in den Schleifer. Unterberger Marmor benötigt acht Stunden und marmorierte Stein brauchen 12 bis 14 Stunden. Bei einem Konglomeratstein, wie er von der Eiszeit stammt, dauerte es unter Umständen zwei Tage.

Hernach fuhren die Gäste mit dem Auto auf den Ulrichhögl. Pfarrverbandsratsvorsitzender Andreas Pils stellte den Pfarrverband Ainring vor und nahm auch Bezug zum Rupertiwinkel und zur ehemaligen Zugehörigkeit zum Fürsterzbistum Salzburg. Hans Höglauer informierte über die Kirche "St. Ulrich". Anschließend wurde die Andacht von Organist Hans Stehböck auf der Höglauer-Orgel musikalisch eröffnete. Namentlich wurde an die Verstorben erinnerte und jeweils eine Kerze entzündet. Für die verstorbenen Lehrer brannte eine Kerze. Mehrere Fürbitten wurden von den ehemaligen Meisterschülern vorgetragen. Nach dem Vaterunser spielte der Organist zum Abschluss ein Präludium von J.C.F. Fischer. Zum Mittagessen kehrte die Gesellschaft in das nahe gelegenem Wirtshaus ein.

Am Nachmittag besuchten die Gäste das Torfwerk und fuhren mit der Bockerlbahn in das Ainringer Moos. Anhand eines Filmes konnten sie sich bei Kaffee und Kuchen über die frühere Arbeit informieren. Organisator Georg Thesz konnte den Kameraden und den Partnerinnen einen schönen Einblick in seine Heimat geben.

Andreas Pils

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