Reise durch verschiedenste Regionen der Gesangswelt

Gospelchor begeistert Publikum

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Der Gospelchor Modern Church (im Bild) ist nicht nur ein Publikumsmagnet und -garant sondern prädestiniert, dass der Auftritt für Besucher wie auch für die Chormitglieder selbst stets ein kulturelles Erlebnis der besonderen Art ist. Dank gilt dem Kulturverein Ainring unter der Leitung von Ulrike Sievers, dass in der diesjährigen Programmgestaltung ein solch beeindruckender Abend im Haus der Kultur in Ainring so nachhaltig gesanglich und musikalisch perfekt gestaltet wurde

Ainring - Der Gospelchor "Modern Church" und der Kulturverein Ainring hatten zu einer Reise durch verschiedenste Regionen der Gesangswelt eingeladen. Das Publikum war begeistert.

200 Besucher wollten sich das Konzert im Haus der Kultur nicht entgehen lassen und gingen mit dem Chor „on tour“.

Sowohl die Gäste, als auch die Chormitglieder selbst waren voller freudiger Erwartung, als die Gesangsgruppe zu den Klängen von „Amen“ durch den voll besetzten Veranstaltungsraum einzog und das Medley mit „We shall overcome“ auf der Bühne dann vervollständigte. Ulrike Sievers, Vorsitzende des Kulturvereines Ainring, freute sich, so viele Besucher zu der Veranstaltung aus der Konzertreihe „AinKlang“ begrüßen zu dürfen und wünschte allen einen unterhaltsamen Abend.

Nicht umsonst stand das Konzert unter dem Motto „kreuz & quer“. Chorleiter Thomas Müller hatte für die musikalische Reise eine sehr abwechslungsreiche und anspruchsvolle „Reiseroute“ zusammengestellt. Ganz individuell kamen verschiedene Instrumente zum Einsatz. Chorchef Müller selbst begleitete viele der Lieder auf seine eigene unnachahmliche Art mit dem Piano. „Drummerboy“ Christian Stehböck war extra für das Konzert zum Chor gestoßen und zelebrierte förmlich die Schlag- und Rhythmusinstrumente. Seinem Cajòn, einer „Holzkiste“ peruanischen Ursprungs, entlockte er dabei barfüßig ein beeindruckendes Klangvolumen. Ute Schidlowski kam bei vielen Stücken neben dem Singen auch die Dirigentenrolle zu. Gekonnt steuerte sie zusammen mit Chorchef Müller damit das „Chorschiff“ über so manche musikalische Untiefe. „Come praise the lord“ baut textlich auf den Psalm 134 auf, einen sogenannten Reise- oder Wallfahrtspsalm. Damit machte sich der Chor dann auch so richtig auf den Weg. Vom klassischen Gospel, über Filmmusik, bis hin zur Rockballade wurde einiges geboten. Als „Topspots“ der Reise hatte Müller sich etwas Besonderes einfallen lassen und mehrere Stücke ausgewählt, die von Kleingruppen in verschiedenen Zusammensetzungen interpretiert wurden.

Chormitglied Franz Sommerauer führte das Publikum durch das Programm des Abends. Mal humorvoll, mal besinnlich wusste er zu vielen Liedern Hintergründiges und Informatives zu erzählen. „The rose“, ein Song aus dem gleichnamigen Film und erstmals von Bette Midler präsentiert, setzte bereits einen gefühlvollen Höhepunkt. Viele Stars der Musikszene hatten das Lied im Repertoire, von Joan Baez bis zur Kelly Family und von Peter Maffay bis Helene Fischer. Das Ladytrio Kerstin Heininger, Regina Miller und Ute Schidlowski, die zudem das Lied mit der Gitarre begleitete, standen mit ihrer einfühlsamen Version an diesem Abend den Stars in keiner Weise nach. Einen starken Kontrast dazu setzten die drei Solistinnen im Anschluss mit dem ausgesprochen pfiffig vorgetragenen Song „Java jive“, einem Paradestück aus dem Bereich des sogenannten Doo wop. Diese Musikrichtung wurde, ebenso wie „Java jive“, von der schwarzen Gesangsgruppe „The Ink spots“ Anfang der 40ger Jahre kreiert und steht für den intensiven Gebrauch von Nonsens-Silben wie z.B. Diddle-de-dum, Duu-wah oder eben Doo-wop. Mit „Shine your light“ von Torre W. Aas ließ danach der Gesamtchor für jeden Menschen ein Licht leuchten. Die Sängerinnen und Sänger bereicherten dabei das gedankliche Bild mit einem kleinen Flammenreigen aus Feuerzeugen. Ein Solopart kam hier wiederum der vielseitigen Ute Schidlowski zu, gefolgt von Robert Baumgartner, der vielen Besuchern noch aus seiner diabolischen Rolle als Bruder Ignatius beim letztjährigen Theatersommer bekannt war. Der Film „Sister act“ mit Woopy Goldberg hat den durchaus bereits bekannten Song „I will follow him“ noch mehr in die breite Öffentlichkeit gebracht. So durfte der Gospelklassiker auch in diesem Programm nicht fehlen. Agathe Enzinger gab mit ihrer glockenreinen Stimme dem Lied eine ganz besondere Note. In einem geschichtlichen Rückblick zum Thema ging Sommerauer auf die untrennbare Verbindung des Gospels mit der Sklaverei in Nordamerika, mit Rassentrennung und Apartheid, aber auch mit Freiheitsstreben und schwarzer Bürgerrechtsbewegung ein. „I have a dream“, so begann die berühmte Rede des schwarzen Baptistenpredigers Martin Luther King am 28. August 1963 in Washington vor 250.000 Menschen. Als „Marsch auf Washington“ ging der vorangegangene Zug der Massen zum Lincoln Memorial in die Geschichte ein. Die Menschen sangen dabei „We shall overcome“, einen ebenfalls sehr bekannten Gospelsong, mit dem Modern Church den Konzertabend auch eröffnet hat. Neueren Datums dagegen ist das Stück „Lead me to the rock“, das durch die schwungvollen Soloeinlagen von Kerstin Heininger und Gertrud Prechtl noch deutlich aufgewertet wurde.

Mit „That`s what friends are for“ stand nun ein weiterer Höhepunkt des Abends auf dem Programm. In einem „Solo zu viert“ zeichneten Ute Schidlowski, Regina Miller, Peter Kleylein und Martin Reiter die Szene aus dem Filmklassiker „Dschungelbuch“ sehr eindrucksvoll und lebendig nach, in der die Geierbande das zerknirschte Menschenkind Mogli wieder aufheiterte. Das Rätsel um die sprachliche Heimat vom anschließenden „Cantus iteratus“ konnte auch vom Publikum nicht gelöst werden. Wie auch, handelt es sich beim Text doch ausschließlich um reine „Lautmalerei“.

Kostbare Erinnerungen, „Precious memries“, wünschte der Chor mit dem nächsten Programmpunkt dem Publikum und das diese nie verklingen mögen. Peter Kleylein steuerte mit seiner E-Gitarre faszinierende Töne dazu bei. Eine besondere Herausforderung für etwa die Hälfte des Chores als Teilgruppe, aber auch für sich selbst als Chorleiter, hatte sich Thomas Müller mit „Ain`t judgin no man“ ausgedacht, das in vielen Extraproben eingeübt und beim Konzert dann a-capella sehr dynamisch vorgetragen wurde. Mit „Tears in heaven“ schlug der Chor dann Töne an, die berührten. Der britische Blues- und Rockgitarrist Eric Clapton mit dem Spitznamen Slowhand schrieb die Ballade nach dem tragischen Unfalltod seines vierjährigen Sohnes 1991 und es gelang ihm über den Song, mit der schmerzlichen Verlust besser fertig zu werden.

Bevor mit „Hear our praises“ der letzte Programmpunkt angestimmt wurde, bedankte sich Sommerauer beim Kulturverein Ainring für die gute Zusammenarbeit, bei Ute Schidlowski für ihr unvergleichliches Dirigat, bei „Special Guest“ Christian Stehböck für die geniale Unterstützung und natürlich bei Chorchef Thomas Müller für seine Geduld, seine Hartnäckigkeit und auch seine Nachsicht bei der Probenarbeit. „Letztendlich gebührt der Dank aber auch den Personen, ohne die dieses Konzert nicht stattfinden hätte können. Nämlich Ihnen liebes Publikum“, verabschiedete sich Sommerauer im Namen des gesamten Chores. Mit lang anhaltendem Beifall forderten die Besucher noch Zugaben, auf die Thomas Müller mit seinen Leuten aber nicht ganz unvorbereitet war. Mit „I go to the rock“ und dem A-capella-Song „Wie kann es sein“ von der deutschen Männergruppe Wise Gyse bog die musikalische Reise auf die letzte Etappe ein und nachdem jedes Chormitglied von Ulrike Sievers noch mit einer Rose bedacht worden war, verabschiedete sich Modern Church mit dem Segenslied „Möge die Straße uns zusammenführen“ endgültig von einem tollen Publikum.

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