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Besondere Herausforderung für Oldiegarage

Eiswaggon wird in Mitterfelden aufwendig restauriert - THW unterstützt bei „Hochzeit“

Eiswaggon in Mitterfelden restauriert
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Nach getaner Arbeit: Eigentümer Sailer, Werkstattchef Manfred Huber-Perez Moreno mit dem Großteil der Aktiven des THW, die mitgeholfen haben.

Normalerweise führt die Oldiegarage von Manfred Huber-Perez Moreno die Restauration von luftgekühlten Porsche-Sportwagen, wie die Reparatur und Wartung anderer Fabrikate aus der Nachkriegszeit aus. Diesmal wartete auf ihn eine ganz andere Aufgabe.

Ainring – Dietrich Sailer (64) beauftragte ihn zur Restaurierung eines Eiswaggons aus dem Jahr 1910 von der Münchner Kindl Brauerei und da steckt viel Geschichte dahinter. Dieser soll im Garten der ab September neu zu bauenden Brauerei in München-Obergiesing stehen als Erinnerung, wie damals Bierfässer mit Stangeneis gekühlt transportiert wurden.

Wie kam es zu dem Ansinnen? Der Traunsteiner Dietrich Sailer aus der bekannten Bierdynastie des dortigen Hofbräuhauses, ehemals 40 Jahre Gesellschafter, lässt die Braugeschichte des Münchner Kindl wieder aufleben. Viele Traditionsbrauereien aus München sind im Laufe der Zeit verschwunden und der Chiemgauer hat sich die Namensrechte gesichert. Das Münchner-Kindl-Bräu wurde 1880 in Haidhausen gegründet und am Fuße des Rosenheimer Berges war der Kindl-Keller mit 5000 Sitzplätzen seinerzeit der größte Saal Deutschlands. Im angrenzenden Biergarten fanden unter schattenspendenden Kastanien weitere 5000 Gäste Platz. Das Areal befand sich gegenüber dem heutigen Gasteig. Die Kindl Brauerei fusionierte 1903 mit dem Unionsbräu Haidhausen und ging später im Löwenbräu auf.

Fotos von der Restauration des Eiswaggons in Mitterfelden

Eiswaggon wird in Mitterfelden restauriert
Der letzte Eiswaggon Bayerns wird derzeit in Mitterfelden aufwendig restauriert. © Andreas Pils
Eiswaggon wird in Mitterfelden restauriert
Der letzte Eiswaggon Bayerns wird derzeit in Mitterfelden aufwendig restauriert. © Andreas Pils
Eiswaggon wird in Mitterfelden restauriert
Der letzte Eiswaggon Bayerns wird derzeit in Mitterfelden aufwendig restauriert. © Andreas Pils
Eiswaggon wird in Mitterfelden restauriert
Der letzte Eiswaggon Bayerns wird derzeit in Mitterfelden aufwendig restauriert. © Andreas Pils
Eiswaggon wird in Mitterfelden restauriert
Der letzte Eiswaggon Bayerns wird derzeit in Mitterfelden aufwendig restauriert. © Andreas Pils
Eiswaggon wird in Mitterfelden restauriert
Der letzte Eiswaggon Bayerns wird derzeit in Mitterfelden aufwendig restauriert. © Andreas Pils
Eiswaggon wird in Mitterfelden restauriert
Der letzte Eiswaggon Bayerns wird derzeit in Mitterfelden aufwendig restauriert. © Andreas Pils
Eiswaggon wird in Mitterfelden restauriert
Der letzte Eiswaggon Bayerns wird derzeit in Mitterfelden aufwendig restauriert. © Andreas Pils
Eiswaggon wird in Mitterfelden restauriert
Der letzte Eiswaggon Bayerns wird derzeit in Mitterfelden aufwendig restauriert. © Andreas Pils
Eiswaggon wird in Mitterfelden restauriert
Der letzte Eiswaggon Bayerns wird derzeit in Mitterfelden aufwendig restauriert. © Andreas Pils
Eiswaggon wird in Mitterfelden restauriert
Der letzte Eiswaggon Bayerns wird derzeit in Mitterfelden aufwendig restauriert. © Andreas Pils
Eiswaggon wird in Mitterfelden restauriert
Der letzte Eiswaggon Bayerns wird derzeit in Mitterfelden aufwendig restauriert. © Andreas Pils

Seinerzeit besaß die Kindlbrauerei 17 eigene Eiswaggons und lieh sich von der Bahn weiters 17 aus, um den gekühlten Transport von Bier zu sichern. Im Gespräch erklärte Manfred Huber-Perez Moreno, dass es eine besondere Herausforderung für ihn sei und sein Leben aus Herausforderungen bestehe (unter anderem kam er ohne Beine auf die Welt). Dietrich Sailer kam auf ihn zu und sagte: „Mani, ich hab mir einen Eisenbahnwaggon gekauft, kannst du mir diesen herrichten?“

„A coole G‘schicht“

Er musste erst einmal schlucken, wenn man über ein 40-Tonnen-Teil aus 1910 hört. „Ich habe mich hineingelesen und gedacht ‚a coole G‘schicht‘: Eisen, Holz, das hört sich gut an, das mach ich. Kein Motor, dafür aber Speichenräder aus Vollguss. Mich fasziniert die Technik, dass so ein Ding über 100 Jahre quasi nirgendwo großartig durchgerostet war.“ Sailer erläuterte, dass es früher für die Bremser auf den Waggons ein schlimmer Job, ja ein tödlicher Beruf war, denn im Winter sind sie teilweise erfroren und runtergefallen. Erst später hat man ihnen ein Häuschen gebaut, welches sich auf jedem dritten Waggon befand.

Um 1910 erhielten die Waggons unten auf der Seite Stangen, so konnten sich die Bremser von einem zum anderen Waggon hanteln und per Hand die Einbremsung vornehmen. Knorr entwickelte Ende der 1920er Jahre die Druckluftbremse für Güterzüge, danach wurden 30.000 Bremser ausgestellt. „Es war kein Zirkus, weil diese Tätigkeit wollte keiner verrichten“, so Dietrich Sailer. Die Eiswaggons wurden zunächst mit Holzfässern beladen. Eine Steigleiter hinten auf dem Waggon ermöglichte es den Arbeitern auf das Dach zu gelangen und die Eisstangen wurden durch Klappen nach innen geworfen. Fangkörbe verhinderten, dass die Fässer beschädigt werden. Die Farbe Weiß wählte man beim Anstrich wegen der Sonnenstrahlen.

Über 700 Arbeitsstunden

Der letzte Eiswaggon Bayerns wurde mittels Tieflader nach Mitterfelden befördert und mit einem Kranwagen auf die vorbereitete Fläche neben der Oldiegarage gehievt. Sandstrahlung, Grundierung und Vorlackierung sind innerhalb von zwei Jahren erfolgt. Die Achsen mit den Speichenrädern waren ebenfalls in Bearbeitung. Für den Transport von der Garage zum Waggonstandort musste die Werkstatt extra Transportwägen für die Speicherachsen bauen. Seit der Anlieferung des Eiswaggons bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden über 700 Stunden für die Arbeiten aufgebracht.

THW unterstützt bei „Hochzeit“

Die sogenannte Hochzeit – der Einbau der Achsen mit den Speichenrädern – brauchte Fremdhilfe. Das THW war mit Gabelstapler, Lkw mit Kran und zusätzlich mehreren Holzbohlen und Holzkeilen angerückt. Mit viel Manpower konnte das Vorhaben unter der Leitung von Harald Wieberger umgesetzt werden, dazu waren langwierige Arbeitsschritte und Präzision gefragt. Alle waren schließlich froh, als die die Achsen mit den Speichenrädern eingepasst und verschraubt waren.

Waggon-Eigentümer Dietrich Sailer würdigte anschließend die Unterstützung und dankte sehr herzlich, er lud die THWler zu einem Essen in der Oldiegarage ein. Bei der Zusammenkunft gab er einen Überblick und erläuterte, dass er in München an der Tegernseer Landstraße ein Grundstück erworben habe, welches die US-Streitkräfte der McGraw-Kaserne als Tankstelle nutzten. Ab 1. September werde mit dem Bau begonnen.

Waggon soll Blickfang werden

Sein Sohn Luis habe erst vor Kurzem sein BWL-Studium beendet und beginnt ab dem Zeitpunkt des Baubeginns eine Braumeister-Ausbildung. Dessen Bruder Leo wird im Unternehmen den juristischen Beistand geben und die Eröffnung der Brauerei ist für 2023 vorgesehen. Im dem zu errichtenden Backsteinbau sollen eine Gaststätte und ein Brauerei-Museum eingerichtet werden. Der einzige Eiswaggons Bayerns soll auf dem Gelände als Blickfang stehen.

Sailer erzählte, es werde nur untergäriges Bier gebraut in den Sorten, Hell, Dunkel und Bock und in Holzfässer gefüllt. In der Landeshauptstadt wolle man das Bier im Holzfassl ganz traditionell zu den lokalen Wirtshäusern per Pferdefuhrwerk bringen. Am Schluss lud Dietrich Sailer die THW-Mannschaft in zwei Jahren nach München ein.

Andreas Pils

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