Thema Asyl zentral in Weihnachtsansprache

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Wir überraschten bei einer Stippvisite Ersten Bürgermeister Hans Eschlberger in seinem Rathaus-Amtszimmer beim Erstellen seines Manuskripts für die Weihnachtsansprache.

Ainring - Bürgermeister Hans Eschlberger zieht Bilanz unter das Jahr: Er richtet den Blick vor allem auf die Flüchtlinge und dankt gleichzeitig Vereinen und Ehrenamtlichen.

Erster Bürgermeister Hans Eschlberger hat anlässlich der Gemeinderats-Jahresschlusssitzung, der zu einem Ehrungsanlass auch alle in diesem Jahr ausgeschiedenen Mandatare mit Ehefrauen beiwohnten, den Zustrom von Flüchtlinge aufgrund weltpolitischer Krisenherde in den Mittelpunkt seiner Weihnachtsansprache gestellt. In der Gemeinde Ainring leben derzeit Asylbewerberfamilien mit kleinen Kindern aus Syrien, Afghanistan und Eritrea, derzeit 41 Menschen, die aus einem spontan gebildeten Helferkreis aus der Gemeindebevölkerung unterstützt werden.

Seine Ansprache eröffnete das Gemeindeoberhaupt mit einem Rückblick über das lokalpolitische Geschehen in dem zu Ende gehenden Jahr, denn es würden geschichtsträchtige Zahlen, Daten und Fakten heuer besonders hervorstechen: Der Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren, der Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren, aber auch der Fall der Mauer vor 25 Jahren. Diese Ereignisse hätten auch in der Gemeinde Spuren hinterlassen, erinnerte Eschlberger, beispielhaft die vielen Vertriebenen, die nach dem zweiten Weltkrieg in die Gemeinde Ainring gekommen seien. Einer dieser Flüchtlinge, der nach dem schmerzlichen Verlust der Heimat und traumatischer Flucht in Ainring eine neue Heimat gefunden habe, sei Kunstprofessor Georg gewesen, von dem das weihnachtliche Motiv stammte, das im Rathaussaal auf Leinwand gezeigt wurde.

Flucht - ein gegenwärtiges Thema

Hier und jetzt, anno 2014, sei man erneut mit dem Thema Flucht konfrontiert. Beinahe täglich höre man Meldungen, lese und sehe erschütternde Berichte über neue Flüchtlingswellen und überfüllte Aufnahmeeinrichtungen. Dazu schockierende Bilder von Frauen und Kindern, die hilflos im Mittelmeer treiben oder von Terroristen, die die ansässige Bevölkerung mordend in ihren Dörfer überfallen haben oder wie Vieh rücksichtslos über kahle Berghänge treiben.

Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg gebe es auf der Welt über 50 Millionen Flüchtlinge, sechs Millionen mehr als ein Jahr zuvor. 46 Prozent darunter seien Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Diese alarmierende Tatsache sei das Ergebnis nicht enden wollender Kriege und fehlgeschlagener Bemühungen, Konflikte zu lösen oder zu verhindern. Bürgermeister Hans Eschlberger: „Millionen von Menschen leiden und sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Diese Hilfe zu leisten ist nicht nur Aufgabe der internationalen Staatengemeinschaft. Auch wir als Gemeinde und damit kleinste politische Einheit sind gefordert." Wie er informierte, leben im Landkreis Berchtesgadener Land 432 Flüchtlinge, 41 - und wohl absehbar wird diese Zahl nach oben korrigiert - in der Gemeinde Ainring. Sie kommen überwiegend aus Syrien, Afghanistan und Eritrea. Es seien vor allem Familien mit kleinen Kindern, die in Hammerau und in Mitterfelden leer stehende Wohnungen beziehen konnten.

Der Rathauschef betonte, er stelle das Thema ganz bewusst in den Mittelpunkt seiner Weihnachtsansprache – und zwar nicht nur, „weil uns die Weihnachtsgeschichte und die häufig inszenierte Herbergssuche unsere Sinne schärfen will für Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit und für Frieden". Er thematisiere das Flüchtlingsschicksal auch wegen der speziellen Erfahrungen, die er in den letzten Tagen und Wochen in der Ainringer Gemeinde machen durfte. „Ich stellte mit Freude fest: Die Flüchtlinge werden bei uns mit offenen Herzen aufgenommen", betonte Eschlberger. In Windeseile habe sich ein Helferkreis gebildet, Über 40 Bürgerinnen und Bürger hätten spontan ihre Unterstützung zugesagt und leisten diese auch. Das sei nicht selbstverständlich. „Ich bin sehr stolz auf unsere weltoffene, tolerante und hilfsbereite Gemeinde", stellte Hans Eschlberger mit besonderer stimmlicher Betonung heraus.

Vereinsleben als Stütze für die Gemeinde

Es wäre dies nach seiner Überzeugung die Bestätigung, Hilfsbereitschaft zeichne die Gemeinde Ainring ganz besonders aus, und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Eschlberger stellte die Frage in den Raum: „Was wäre unsere Gemeinde ohne die vielen Menschen, die sich in unseren Vereinen, den Kirchen sowie den sozialen und karitativen Einrichtungen für andere engagieren, Mitmenschlichkeit und Solidarität zeigen und echte Werte vermitteln?. Was wäre unsere Gemeinde ohne jene Mitbürger, die bereits sind, Verantwortung zu übernehmen, beispielsweise in unserem neu gewählten Gemeinderat? Ich danke allen ehrenamtlichen Verantwortungsträgern, aber auch den Lehrern, Erziehern, Eltern und Übungsleitern für die werte-vermittelnde und fürsorgliche Arbeit in den Vereinen, Schulen, Kindergärten und Krippen. Ich danke allen, die im persönlichen Miteinander das Leben in unserer Gemeinde positiv mitgestaltet haben. Alles, was wir als politische Gemeinde in den vergangenen zwölf Monaten erreichen, planen und vollenden konnten, war Ergebnis gemeinsamer Arbeit."

Der Bürgermeister sprach für jeden konstruktiven Einsatz und seinen Stellvertretern Gerhard Kern und Rosemarie Bernauer für die vertrauensvolle Zusammenarbeit den Dank aus, miteinbeziehend auch alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde für ihre bürgerfreundliche, kompetente und zuverlässige Arbeit. Hans Eschlberger nutzte auch dieses Jahr wiederum die Gelegenheit, die Anerkennung auszusprechen an die Adressen der Unternehmer und deren Mitarbeitern, die innovativ und fleißig wirtschaftliche Grundlagen und Arbeitsplätze sichern. Um all den geleisteten Einsatz, beruflich und ehrenamtlich, auch im neuen Gemeinderat, bat der Bürgermeister auch in Zukunft. Es werde – wie er betonte – sicher auch 2015 nicht an Aufgaben und Herausforderungen fehlen.

Abschließend stellte Eschlberger fest, die Gemeinde Ainring und die örtliche Gemeinschaft sei jeden Einsatz wert. Er wünschte der Sitzungsrunde und den Bürgerinnen und Bürgern gesegnete Weihnachten, ein friedvolles und in jeder Hinsicht gesundes Jahr 2015.

Zweiter Bürgermeister Gerhard Kern stellte fest, ein turbulentes Jahr neige sich nun und man könne bilanzziehend feststellen, dass alle Herausforderungen gut gemeistert worden seien. Mit der Einstellung des neuen Geschäftsleiters Martin Nüß sei eine gute Entscheidung getroffen worden. Namens des Gemeinderates und der Verwaltung dankte Gerhard Kern dem 1. Bürgermeister Hans Eschlberger für Einsatz und Engagement und wünschte viel Kraft für das nächste Jahr. Kern hob auch die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit 3. Bürgermeisterin Rosemarie Bernauer hervor. Mit einem etwas mahnenden Blick in die Runde der Mandatare meinte Gerhard Kern: „Ich persönlich würde mich über ein noch besseres Miteinander im Gemeinderat freuen."

schl

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