Aufklärung für Senioren im Pfarrzentrum "St. Severin"

Polizei: "Sicher zu Hause leben"

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KHK Karl-Heinz Busch an einer Modellltür, dahinter Frauenbundmitvorsitzende Hanni Pils und vom Orga-Team Traudi Raab (rechts).

Ainring - Ein für ältere Menschen wichtiges Thema ist eine Aufklärung über Einbruchsschutz, Tricks an der Haustür, Haustürgeschäfte, Straßenräuber, Kaffeefahrten, Gewinnmitteilungen und Enkeltrick.

Die Seniorinnen und Senioren der Pfarrei "Mariä Himmelfahrt" waren in das Pfarrzentrum "St. Severin" eingeladen zu einem Vortrag mit Kriminalhauptkommissar Karl-Heinz Busch, der sehr anschaulich auf die Tricks der Gauner einging.


Der Seniorenarbeitskreis der Pfarrei "Mariä Himmelfahrt" organisierte zusammen mit dem Katholischen Frauenbund einen Nachmittag für die älteren Pfarrei-Angehörigen. Vom Vorbereitungsteam begrüßte Easter-Louise Schachtner die Teilnehmer und wünschte zunächst noch ein gutes neues Jahr. Anschließend hieß sie den Referenten von der Kriminalpolizei herzlich willkommen.

Begonnen wurde mit Kaffee und Kuchen und netten Gesprächen untereinander. Dann folgte unter dem Motto "Sicher zu Hause" ein lebendiger Vortrag mit Kriminalhauptkommissar Karl-Heinz Busch. Aufgrund der interessanten und wichtigen Aufklärung für Senioren, hätten sich die Veranstalter eine stärkere Besucherresonanz erwartet.


Der Vortragende betonte, er sei nicht da um Angst zu machen, sondern er möchte aufklären und Ratschläge geben. Busch sagte: "Sie haben sich einen richtigen Kriminaler ins Haus geholt." Gegensatz zu den "Rosenheim Cops" im Fernsehen lösen sich bei der echten Kriminalpolizei die Fälle nicht so schnell, dauern Wochen, Monate, oft auch Jahre, bis man Täter dingfest mache. Gerade in der dunklen Jahreszeit treten Einbrüche verstärkt auf.Der "gute" Einbrecher mag möglichst schnell im Haus sein und brauche dafür zwei bis drei Minuten und gehe relativ zielgerichtet vor. Zuerst schaue dieser im Schlafzimmer, dann im Bad (Schmuck) nach. Momentan gebe es auf der Bank für das Geld wenig Zinsen und die älteren Herrschaften haben auch Angst vor dem Negativzins, daher holen sich das Geld nach Hause und geben es in den Gefrierschrank, erzählte Busch. Er wies darauf hin, dass Täter im Telefonbuch nach drei- oder vierstelligen Nummern, nach alten Vornamen Ausschau hielten.

Bayerische Kriminalpolizei leistet Präventionsarbeit

Busch erklärte, in Bayern gebe es 33 Kriminaldienststellen und jede Dienststelle habe ein Fachberater der Präventionsarbeit leistet. Es handelt sich hier um die Schwerpunkte Einbruchsschutz im privaten Bereich und zum anderen gehe man zu Behörden, Rathäusern, Schulen, Arbeitsämter, Jobbörsen, weil hier die Leute bis zum Sachbearbeiter oder Lehrer vordringen können und Beleidigungen an der Tagesordnung seien. Der dritte Part seien Vorträge bei den Senioren.Karl-Heinz Busch kann angerufen werden und ein Termin wird in etwa fünf bis sechs Wochen ermöglicht und er kommt ins Haus. Dies ist ein kostenloser Service der Bayerischen Polizei. Bei öffentlichen Neubauten wie Landratsamt oder Schulen hoffe er, dass bei der Planung die Polizei mit einbezogen werde, dass der Architekt andere Ansichten habe. "Wir wollen, dass die Leute am Abend von der Arbeit gesund nach Hause kommen, dazu gehören heute auch eine gewisse Vorkehrung. Nach diesen Worten hielt Busch Titel überregionaler und Heimatzeitung hoch die Schlagzeilen lauteten unter anderem: "So dreist werden Rentner abgezockt", "Anruf von falschen Kriminalbeamten", "Telefonbetrüger", "Falscher Polizist zockt Seniorinnen und Senioren ab". Dazu ging er auf eine aktuelle Geschichte in Prien am Chiemsee ein, wo eine Dame um 680.000 Euro betrogen wurde. Die Betrüger geben sich als Polizei oder Finanzbeamte aus. Eine zentrale Frage sei der Einbruchsschutz, so fragte er die Teilnehmer, ob sie die Haustür zugezogen oder zugezogen und abgesperrt haben. Der "Kunde" aus Osteuropa habe keine Scheckkarte und dieser kaufe sich im Handel eine Getränkeflasche aus Hartplastik und diese schneide er sich für seine Bedürfnisse zu und könne dann leicht durch eine unversperrte Tür ins Haus eindringen. Auch gekippte Fenster seien eine willkommene Einladung für Einbrecher. Der Täter brauche nur ein Stück Gartenschlauch und kann das Fenster öffnen. Anschaulich zeigte Busch, wie das die Gauner handhaben. "Wir sind gut versichert, hören wir immer wieder", so Busch. Das Versicherungsunternehmen frage, ob die Polizei da war und es ein Aktenzeichen gebe. "Keine Einbruchspur, kein Einbruch - Kein Einbruch, kein Aktenzeichen, bei fehlendem Aktenzeichen kein Versicherungsleistung", erklärte der Polizist. Bei zehn Einbrüchen erfolgen sieben bis acht mit einem guten Schraubendreher.

Vorsicht gelte auch bei Sammlungen, oft sei der erste Schritt der Fuß in der Tür. Im Eingangsbereich sollten daher keine Wertgegenstände wie Schlüssel oder Geldbörse gelagert werden und die Person sollte nicht ins Haus gelassen werden. Dazu fragte Busch die Besucher: "Wer geht voraus, wenn sie jemanden in die Wohnung nehmen?" Antwort: "Fast immer sie als Eigentümer."

Der "Böse" macht die Tür zu und gleich wieder auf und ein Kumpel aus der Nähe kommt dann ohne Schwierigkeit rein. Der Erste bittet um ein Glas Wasser in der Küche, weil er den ganzen Tag über viel reden muss und so hat der Zweite freie Bahn. Der Appell des Kriminalhauptkommissar lautete: "Lassen sie nicht jeden in die Wohnung, ins Haus, schauens nach, Schaun sie zum Fenster raus, nutzen sie den Türspion!" Zwei Leute habe man nicht im Blick. Anhand eines Türmodells demonstrierte er zwei Arten von Türspionen und zeigte auch eine Türspaltverriegelung. In Trostberg gaben sich zwei Männer als Feuerwehrleute aus und kamen so ins Haus. Auch hier mahnte er zur Vorsicht. Busch ließ anschließend seinen Dienstausweis und Dienstmarke zur Ansicht durchgeben.

Anrufe aus Call-Center

Immer wieder geraten ältere Menschen ins Visier von Trickbetrügern. Am Telefon geben diese sich als falsche Polizisten oder Enkel aus, täuschen eine finanzielle Notlage vor. Woher kommen die Anrufe? Meist aus Call-Centern in Polen und er Türkei. Die Leute sind eventuell straffällig geworden und ins Heimatland gegangen. Sie sprechen deutsch, weil sie hier aufgewachsen sind und sie kenn den Slang. Zum Beispiel ob Franke oder Oberpfälzer, je nachdem wo ein Betrug stattfinden soll. Sie bedienen sich des Polizeichargons und sie bekommen zu Hause eine Sprecherschulung, wie ein Nachrichtensprecher. In einem Call-Center sind 200 bis 400 Leute den ganzen Tag über mit telefonieren beschäftigt. Nachteil für die Betrogenen: Die Senioren hören schlechter, sehen ein bisschen schlechter, Senioren haben ein anderes Respektverhalten zur Polizei sowie ein anderes Schamgefühl.

Adresse in Todesanzeigen

"Woher wissen die Verbrecher, wo sie einbrechen können?" Bei Todesanzeige steht oft auch die Adresse zum Beispiel eines Verblichenen. Der Täter braucht eine trauernde Witwe und zwei Wochen später flattert bei ihr ein Brief ins Haus, adressiert an den Toten. Von einer Rechtsanwaltskanzlei wird die Begleichung einer offenen Telefonrechnung für den Gebrauch einer Sexhotline gefordert. Meist werden zwischen 350 und knapp unter 1000 Euro gefordert. Im Schreiben ist ein Zahlungsziel angegeben, bei Nichteinhaltung werde das Inkassobüro eingeschaltet zur Weitergabe an die Schufa. Auf dem beigefügten Überweisungsträger ist der Betrag und ein Aktenzeichen vermerkt. Wegen dem Schamgefühl wird der Betrag überweisen und wirft auf den Toten ein schlechtes Licht in der Erinnerung, obwohl dieser gar nichts gemacht hat. Karl-Heinz Busch rät bei der Traueranzeige nicht die eigene Anschrift, sondern die des Bestattungsunternehmen zu verwenden.

Senioren seien auch im Internet eingeloggt und öfter komme nach Monaten eine Rechnung unter 75 Euro, und keiner könne sich mehr erinnern, was man bestellt habe. Auch hier überweise man den Betrag, weil man einen Schufa-Eintrag vermeiden will. Busch hat im vergangenen Jahr über 50 Vorträge gehalten und meinte es sei schade wenn sich Leute aus dem öffentlichen Raum zurückziehen, dass seien dann die einfaschten Opfer. Einen Fall aus Bad Reichenhall schilderte er, wo eine Frau einen Anruf von der "Kriminalpolizei" erhielt, wo ihr gesagt wurde, dass es bei der Bank korrupte Mitarbeiter gebe, die bei größeren Beträgen Falschgeld darunter mischen. Die Täter gehen hoch professionell mit Handy und Festnetzt vor, gerad im letzten Augenblick wurde die Dame misstrauisch und wandte sich an die richtige Polizei. In der Regel gehen die Betrüger wie folgt vor: Den Telefonierer, nennt die Polizei Keiler, der ist der Professionelle, hoch sprachbegabt, überzeugend auftretend. Der Zweite übernimmt im Call-Center die Koordination und hat die Verbindung zum Keiler und muss weitersagen, was passiert. Zuletzt gibt es den Abholer, der je nach Gefahrenlage rund 20 Prozent des Geldes erhält.

Misstrauen sollte man bei Preisausschreiben mit persönlichen Daten haben. Er warnte vor Ping-Anrufen aus Libyen, die ein Null mehr haben als die Vorwahl von Dortmund. Es wird teuer, beim Rückruf. Er empfahl eine SOS-Dose für zu Hause mit nötigen Anschriften, Medikamenteneinnahme und anderen Angaben. Karl-Heinz Busch zeigte, wie Geldbörsen aus Taschen gestohlen werden und auch Handtaschen den Frauen entrissen werden. Bei Haustürgeschäften sei darauf zu achten, dass das Abschlussdatum notiert wird. Fehlt ein solches können die Verkäufer ein Datum aufschreiben, damit kein Widerruf mehr möglich ist. Viele weitere Beispiel brachte der Kriminalhauptkommissar anschaulich rüber und Traudi Raab vom veranstalteten Team überreichte ihm zum Dank ein Präsent.

Andreas Pils

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