Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Aber: 80 Prozent sind Booster

Ansturm auf BGL-Impfzentrum – auch wegen Impfpflicht in Österreich 

Dr. Nino Djahangiri als stellvertretender Leiter des Impfzentrums wünscht sich schnelle, europäische Maßnahmen, derzeit sei ständig ein Land vorneweg und andere hinterher.
+
Dr. Nino Djahangiri als stellvertretender Leiter des Impfzentrums wünscht sich schnelle, europäische Maßnahmen, derzeit sei ständig ein Land vorneweg und andere hinterher.

„Die Menschen machen bei der Bekämpfung der Pandemie immer Kompromisse, das Virus macht keine“, so begründet Dr. Nino Djahangiri als stellvertretender, medizinischer Leiter des Impfzentrums BGL die nach wie vor niedrige Impfquote im Berchtesgadener Land.

Ainring - Zwar würden jetzt wieder viel mehr Impfwillige kommen, aber es seien zu 80 Prozent Personen die sich boostern lassen, also eine Auffrischungsimpfung abholen. Aber auch die Ankündigung im Nachbarland Österreich, ab 1. Februar 2022 eine Impflicht einzuführen hat zu einem Anstieg der Stiche auch in BGL geführt, „das haben wir am vergangenen Wochenende ganz klar festgestellt“. Dass sich jetzt wieder mehr impfen lassen werde die vierte Welle allerdings nicht mehr brechen, „Kontaktbeschränkungen werden uns wieder in der schönsten Zeit des Jahres treffen, in der wir eigentlich Familie und Freunde treffen wollen“. 

Die alles entscheidende Frage, warum die Impfquote auch im Berchtesgadener Land so niedrig ist kann auch Djahangiri nicht beantworten. „Es gab den ganzen Sommer über genug Möglichkeiten, auch niederschwellig, also ohne Anmeldung und Terminvergabe, aber trotzdem haben wir einen Teil der Leute nicht erreicht“.

Viele hätten im Sommer gewartet in der Hoffnung, ohne Impfung das Ende der Pandemie zu erreichen, „aber selbst jetzt sind noch viele unentschlossen oder warten auf einen Todimpfstoff“, so Djahangiri, „aber die Zulassung kann noch Monate dauern, und eigentlich zählt jeder Tag“. Manche würden auch auf Medikamente setzen, „aber alles was da bisher zugelassen ist wird nicht den entscheidenden Erfolg bei der Bekämpfung der Pandemie bringen“, ist sich der Impfarzt sicher. 

Impfpflicht als einziger Ausweg? 

War das ständige Versprechen der Politiker, auf keinen Fall eine Impfpflicht einzuführen ein Fehler? „Im Nachhinein ist man bekanntlich immer schlauer, man hat sich darauf verlassen dass man mit Informationen und niederschwelligen Angeboten 80 bis 85 Prozent der Bevölkerung erreicht, aber ab dem Sommer haben wir einen deutlichen Rückgang gesehen, die Angebote wurden einfach schlechter angenommen“.

Dazu seien niedrigen Infektionszahlen gekommen und Rufe nach Erleichterungen und Aufheben von Maßnahmen. Auch im Berchtesgadener Land sei im Sommer die Zahl der Impfungen zum Beispiel in den mobilen Teams zum Teil nur zweistellig gewesen, zum Glück habe der Landkreis aber entschieden das Impfzentrum in Ainring nicht zu schließen. Von den derzeit 900 Impfungen pro Tag sind rund 80 Prozent Auffrischungsimpfungen, der Anteil der Erstimpfungen sei nach wie vor gering, das ist auch in anderen Impfzentren so. 

Impflicht in Österreich bringt nur Österreichern was

Während im Sommer eine Impfpflicht noch mehrheitlich abgelehnt wurde befürworten  jetzt rund 70 Prozent der Bevölkerung eine allgemeine Corona-Impfflicht, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des ZDF-Politbarometers. Djahangiri ist überzeugt, dass schon die derzeitige Diskussion über eine mögliche Impflicht den Druck erhöht und mehr Personen zum Impfen bringt nach dem Motto ‚Dann mach ich’s lieber noch freiwillig‘.

Generell wünscht er sich eine einheitliche, europäische Linie, denn bei nationalen Entscheidungen gebe es immer Staaten, die eben nicht Entscheidungsfreudig oder im Wahlkampf unpopuläre Maßnahmen scheuten. Immer seien einige Länder vorne weg und andere hinterher, „dass Österreich jetzt eine Impfpflicht einführen will ist schön, bringt aber nur den Österreichern was“. Es hätte schon im Sommer viele Studien aus Israel gegeben die die Gefährlichkeit der Delta-Variante ganz klar beschrieben hätten, die Politik sei einfach zu zögerlich gewesen, jetzt, in der derzeitigen Situation mit den sehr hohen Infektionszahlen würden einfach nur mehr Kontaktbeschränkungen und eine Maskenpflicht helfen. 

Impfung kein 100-Prozent-Schutz

Dass man mit einer Impfung zu 100 Prozent immunisiert, also geschützt sei, sei ein Irrglaube gewesen, der vor allem in den Medien verbreitet wurde, „aber spätestens seit dem Auftreten der Delta-Variante im Sommer und den Studien aus Israel hätte man gesehen, dass sich eben auch zweimal Geimpfte wieder infizieren können. „Israel hat daraufhin schon Ende Juli, Anfang August mit den Auffrischungsimpfungen begonnen“. Auch wenn sich der Impfarzt über den derzeit erneuten Andrang freut ist er skeptisch, „denn was wir jetzt impfen wird die 4. Welle nicht mehr aufhalten, wir brauchen Maßnahmen die die Kontakte reduzieren“, das Wort Lockdown will auch der Impfarzt nicht wirklich in den Mund nehmen. 

Wann können Kinder geimpft werden?

Nach der Zulassung von Impfstoffen für Kinder durch die Europäische Arzneimittelbehörde hat in Österreich das Nationale Impfgremium noch am gleichen Tag die Corona-Impfungen für Kinder ab 5 Jahren empfohlen, in Salzburg wird am Montag eine spezielle Impfstraße für Kinder im Marionettentheater eröffnet.

In Deutschland will die Ständige Impfkommission – STIKO – hingegen noch weitere Daten abwarten und noch keine Empfehlung abgeben, „die STIKO in Deutschland ist eben stark Evidenzbasiert und wartet auf abgeschlossene Studien“. Auch hier wünscht sich Djahangiri eine europäische Lösung, „wir haben einfach nicht die Zeit dass jedes Land unterschiedlich lange prüft“. Dass viele Eltern ihre Kinder schon off-label haben impfen lassen findet er aber auch in Ordnung. Derzeit sei ein Drittel der Dosis für Erwachsene vorgesehen, aber die Hersteller würden naturgemäß eigene Kinder-Impfstoffe vermarkten wollen. Im Impfzentrum in Ainring habe man an einem Wochenende ein Impfangebot für 12-18-Jährige gemacht, „da sind Eltern mit ihren Kindern aus ganz Bayern angereist“. 

In stark belasteten, oberösterreichischen Bezirken mit einer niedrigen Impfquote heißt es oft, das liege auch daran, dass Österreicher, die in Bayern arbeiten auch dort von Betriebsärzten geimpft werden. Tatsächlich werden diese dann in der deutschen Impfstatistik geführt, allerdings sind auch viele Bayern in Österreich geimpft worden, dort auch ohne ein Sozialversicherungsverhältnis. 

hud

Kommentare