Großer Ansturm bei Bockerlbahn-Premiere

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Zur Eröffnungsfeier auf neuer Feldbahn-Trasse konnte zugleich mit den beliebten historischen Bockerlbahnfahrten wieder begonnen werden. Die Premierefahrt wurde unter Lokführer Gerhard Thiel mit den Ehrengästen vollzogen.

Ainring/Mühlreit - Die Eröffnungsfeier der neuen Feldbahn-Trasse war ein voller Erfolg: Mit rund tausend Besuchern wurden die Bockerlbahnfahrten wieder aufgenommen.

Pure Freude über das immens große öffentliche Interesse mit rund 1000 Besuchern herrschte beim Verein „Freunde Ainringer Moos", als in Verbindung mit dem 10-jährigen Vereinsjubiläum zugleich zur Eröffnungsfeier mit kirchlichem Segen der neuen Feldbahn-Trasse eingeladen wurde. Sonniges Herbstwetter wie im Bilderbuch begünstigte am vergangenen Samstag die Veranstaltung beim ehemaligen Torfwerk in Mühlreit.

Nach mehrjähriger Zwangspause wegen umfangreicher Maßnahmen der vorgesehenen Verlegung der Bundesstraße 304 im Bereich Mühlreit gab`s nun zur offiziellen Eröffnung zu den ersten diesjährigen Fahrten mit den historischen Bockerlbahnen einen regelrechten Ansturm von Familien mit ihren Kindern. Etwa 2,5 km führte die gemütliche Fahrt hinein ins Ainringer Moos zu den ehemaligen Torfabbauflächen, wo das Panorama herrliche Einblicke in das heimische herbstliche Naturidyll bot. Dann zuckelte man wieder zurück, manche auch den Rückweg zu Fuß.

Das Rahmenprogramm beim früheren Torfwerk wurde bereichert mit fein abgestimmter Blasmusik fescher Ainringer Musikerinnen, die sich die „glorreichen Vier" nennen. Danach hörte man stimmgewaltigen Männergesang 15 ehemaliger Reichenhaller Gebirgsjager unter Gitarrenbegleitung von Heinz Karczewski. „Wir Jager lassens schallen" hieß das Motto für 16 meist allseits bekannte Lieder, einladend zum spontanen Mitsingen. Außerdem konnten alle Besucher die Einladung zu hervorragender Verköstigung auf freiwilliger Spendenbasis annehmen. Bei der Getränke- und Essensausgabe am Grill wurde der gastgebende Jubiläumsverein von vier Schülern der Hotelfachschule Bad Reichenhall unterstützt. Zahlreiche aufgestellte Tisch- und Bankgarnituren im Freien boten hierzu genügend Platz um alles so richtig gemütlich und genüsslich zu genießen.

Für die Ansprachen übernahm das Mikrofon zunächst 1. Vorsitzender Max Gaisreiter. Er entbot ein herzliches Willkommen, darunter namentlich unter anderem am Unterführungsbau involvierten Firmenchef Max Aicher mit Gattin Evelyn, Forstverwaltung mit Thomas Köcher, die Biosphärenregion BGL mit Dr. Peter Loreth, Partnervereine aus Bürmoos, Rottau und Fuizler Nickelheim. Besonders begrüßt wurden auch Ehrengäste aus Kirche und Gemeinde sowie Ehrenvorsitzender Josef Winkler. Dass der Verein seine gemeinsamen Ziele konsequent verfolge und bislang auch erreicht habe, verdanke man der idealen Besetzung der ehrenamtlich tätigen Vorstandschaft in den einzelnen Funktionen sowie der Vereinsmitglieder, sagte Gaisreiter. Unterstützt werde man von Sponsoren und dass nun nach dreijähriger Bauzeit zur Verlegung der B 304 jetzt der Feldbahnbetrieb für Besucherfahrten wieder aufgenommen werden könne, verdanke man auch der baubeteiligten Firmen Max Aicher Gruppe und Gleisbaufirma Bittrich aus München, lobte der Vorsitzende.

Hans-Georg Riefer skizzierte anschließend in einer Chronologie seit Vereinsgründung am 11. August die Initiativen auf mit unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden, die sich bisher auf 20.371 Stunden summieren, wobei die Aktionen Gleisabbau und Gleisneubau einschließlich Schwellentransport absolute Schwerstarbeit bedeuteten. Jährlich begleitende Mähaktionen im Rahmen der Landschaftspflege, die Neophytenbekämpfung, Vereinspflege mit Partnervereinen für gemeinsame Projekte wurden aufgezählt. Dazu gehört der Moorerlebnisweg (Gemeinde Ainring und Bürmoos) mit Schautafeln im Rahmen einer Fördermaßnahme usw. Autor Dr. Johannes Kerschl hat in der Ainringer Moos Chronik mit mehreren hundert Seiten Umfang alles niedergeschrieben, inbegriffen die Naturgeschichte von der Jungsteinzeit, zum industriellen Torfabbau bis zu den aktuellen Begebenheiten seit Vereinsgründung. Ein eigenes umfangreiches Kapitel bildet die Pflanzen- und Tierwelt im Ainringer Moos sowie Dichtung und Wahrheit zu legendären „Moosgeschichten". Hans-Georg Riefer fasste zusammen, die oberste Prämisse des Vereins mit seinen 201 Mitgliedern sei der Erhalt der Kulturlandschaft.

Kurz und bündig, jedoch beeindruckend gestaltete Pfarrer Hans-Hermann Holm-elin die Andacht mit dem Segen sowohl für die neue Feldbahn-Trasse samt Betrieb sowie für das Erholungsgebiet mit dem Refugium für die Vogelwelt. Den Segen Gottes erbitten sei ein religiöses Zeichen und Ausdruck der Dankbarkeit.

Eröffnung mit den historischen Bockerlbahnen

Zum zehnjährigen Jubiläum „Freunde Ainringer Moos" entbot Bürgermeister Hans Eschlberger seine Glückwünsche im Namen des Gemeinderates sowie der Bürgerschaft. Was vor einem Jahrzehnt nur wenige für möglich gehalten hätten, sei heute Wirklichkeit. Die Ainringer Moorfreunde hätten es geschafft, ein Stück Heimat für die Nachwelt zu erhalten. Das Ziel sei erreicht worden mit großem Fleiß, unerschütterlichem Durchhaltevermögen, vor allem aber durch Zusammenhalt und Kameradschaft und nicht zuletzt durch Begeisterung für eine gemeinsame Idee. Hierfür gelte Dank und Anerkennung.

Die Schöpfung bewahren, das Ainringer Moos als Teil der heimatlichen Landschaft in den Mittelpunkt stellen und die menschliche Arbeitsleistung vorangegangener Generationen vor dem Vergessen bewahren – all dies seien triftige Gründe gewesen, einen Verein zu gründen und lebendig zu erhalten. Das Herzstück sei die Feldbahn, die als Museumsbahn mit erfahrenen und sachkundigen Lokführern schon Tausenden Besuchern ein unvergessliches Naturerlebnis ermöglicht hätte.

Der Bürgermeister drückte seine Freude aus, dass die Bahn trotz Verlegung der Bundesstraße erhalten bleibe und jetzt sogar eine neue Anbindung bekommen habe. Mit dem Unterführungsbauwerk sei auch eine sichere Radwegunterführung möglich gewesen. Ausdrücklicher Dank gelte dem Staatlichen Bauamt in Traunstein als Vertreter des Baulastträgers, dem Bund und dem Freistaat Bayern als Grundeigentümer, vertreten durch die Staatlichen Forstbetriebe, für die hervorragende Unterstützung. Durch vertrauensvolle Zusammenarbeit mit vielen Beteiligten hätten es die Moorfreunde geschafft, dass die Feldbahn als technisches Denkmal nicht im Lokschuppen der Geschichte verschwunden sei, sondern als Attraktion für Gäste aus Nah und fern am Heimatort erhalten bleibe. „Ich erinnere nur ungern daran, dass 2002 Feldbahnenthusiasten von weit her am Werk waren und sämtliche Einzelteile der Ainringer Feldbahn in alle Himmelsrichtungen verscherbelt oder verschrottet werden sollten", so der Bürgermeister.

Durch den Einsatz der Moorfreunde und der Gemeinde sei es gelungen, ein Stück Heimat auch für künftige Generationen zu erhalten. Und dies alles in freundschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Torferneuerungsverein Bürmoos und mit anderen Idealisten im Salzburger Land bzw. in Südtirol und im Chiemgau.

Hans Eschlberger zeigte die Leistungen des Vereins auf, wie die geschichtliche Aufarbeitung und Darstellung des früheren Torfabbaus als Zeugnis vergangener Arbeitskultur, verbunden mit Schwerstarbeit über viele Generationen hinweg. Der Verein setze sich für Umweltbildung, Heimatkunde und Industriegeschichte ein. Beispielhaft sei die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten und anderen Institutionen. Dabei erinnerte Eschlberger an eine mustergültige Projektwoche 2010 in Zusammenarbeit mit Grundschule und der LMU München, außerdem an den ehrenamtlichen Einsatz der Moorfreunde bei der Integration arbeitsloser Jugendlicher zusammen mit der Caritas. Weiters erwähnte der Bürgermeister die aktive Unterstützung seitens der Moorfreunde bei der Renaturierung der ehemaligen Abbauflächen. „Es war eine Heidenarbeit erst einmal kilometerweise alte Gleisanlagen abzubauen, bevor dann die neuen Trassen aufgebaut werden konnten. Unsere Mooserer können somit eine stolze Leistungsbilanz aufweisen", betonte das Gemeindeoberhaupt.

Gemeinsam stehe man jetzt vor der Herausforderung, das Erreichte und Geschaffene weiterzuentwickeln. Die Vision Torfmuseum stehe im Raum. Gemeinsam könnte auch diese Idee mit Leben erfüllt werden. Zum Schluss seiner Ausführungen sprach Hans Eschlberger ein herzliches Vergelts Gott aus, die den Verein in den letzten zehn Jahren durch Idee, Arbeit und Geld unterstützt haben, allen voran der Gründungsvorsitzende Georg Thesz und der amtierende Bahnchef Max Gaisreiter sowie besonders auch allen, die in der Vorstandschaft Verantwortung übernommen haben.

Der Bürgermeister, selbst Gründungsmitglied, wünschte dem Verein weiterhin steigende Mitgliederzahlen und aktive Idealisten „und uns allen viel Freude und Erfolg bei der Arbeit für unsere schöne Heimat mit ihrer besonderen Geschichte, Natur und Kultur". In diesem Sinne galt den Freunden Aiunringer Moos e.V. ein „Glück auf".

Die Premierefahrt mit der Feldbahn unter Lokführer Gerhard Thiel war dann allen anwesenden Ehrengästen vorbehalten, danach fortlaufend weitere Fahrten, die auch wegen des Andrangs manchmal Wartezeiten erforderten. Im Laufe des Nachmittags chauffierten die Loks mit ständig vollbesetzten offenen Wagen auf denen die rückenversetzten Bänken installiert sind, die Führer Ludwig Wetzelsberger, Robert Winterer, Hans-Georg Riefer, Schorsch Thesz, Max Gaisreiter, Ernst Steinbrecher sowie Christian Anner.

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