Signal für Mehrzweckanbau in Thundorf

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"Grünes Licht" für einen  Mehrzweckanbau an der Grundschule Thundorf: Nach einer stundenlangen Diskussion im Gemeinderat vor zahlreichen Zuhörern im Rathaussaal wurden in einem mehrheitlichen Grundsatzbeschluss die notwendigen ersten Verfahrensschritte getroffen. Die Schulleitung wird in den weiteren Beratungen für planerische Details mit einbezogen. Im Bild rechts an dem Schulgebäude soll der Anbau erfolgen. Der westseitige Bolzplatz bleibt erhalten.

Ainring - Der Gemeinderat Ainring hat über einen möglichen Mehrzweckanbau am Grundschulgebäude in Thundorf beraten. Für den Bau zeichnet sich Zustimmung ab.

Einen Zuhöreransturm im Rathaussaal gab es in der Gemeinderatssitzung vom Dienstag dieser Woche. Ein Großteil der interessierten Besucher kam aus den Ortsbereichen Thundorf, Straß und Umgebung. Maßgebend für die öffentliche Erwartungshaltung war der Tagesordnungspunkt „Grundsatzbeschluss zur möglichen Errichtung eines Mehrzweckanbaus am Grundschulgebäude in Thundorf“. Wie zu erwarten, herrschte in der Sitzungsrunde ein reger Meinungsaustausch mit einem „Pro und Contra“ für eine solche millionenteure Maßnahme und jährliche Nachfolgekosten.

Zustimmung für die Mehrzweckgebäude

Um es vorweg zu nehmen: Im Finanzausschuss noch abgelehnt, signalisierte das Gesamtgremium des Gemeinderates mehrheitliche Zustimmung zum Projekt. Beifallskundgebungen aus dem Zuhörerkreis ernteten jene CSU-Räte, die sich vehement für einen Anbau, der auch andere Nutzungen ermöglichen würde, einsetzen. Für die mahnenden Gegner, insbesondere aus dem Lager der ÜPW, war es zwangsläufig schwieriger, ihre triftigen Gründe zu vermitteln, ohne in Ungnade zu fallen. Umso mehr verdient vor allem die Standhaftigkeit von Rätin Resi Heudecker aus der ÜPW in der Ratsrunde Anerkennung, dass sie auf Basis ihrer schulischen Erfahrung als Lehrerin auf Probleme hinwies, von dem Vorhaben abriet und ihre Meinung auch mit aller Deutlichkeit öffentlich bekundete.

Viel Lob für die Grundschule

Zunächst erläuterte 1. Bürgermeister Hans Eschlberger, die Gemeinde habe in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, um den Grundschulstandort Thundorf zu erhalten. „Die Gemeinde hat sehr viel Geld in den Gebäudeunterhalt investiert“, betonte Eschlberger und führte weiter aus: „Wir haben erkannt, dass die überschaubare Größe dieser Schule für unsere motivierten Lehrer und Eltern, vor allem aber für die Kinder beste Lernbedingungen ermöglicht. Viele Schülergenerationen konnten davon profitieren und auch heute ist das schulische Leben an der Grundschule Thundorf sehr lobens- und anerkennenswert.“

Als wesentlichen Pluspunkt der Schule stellte das Gemeindeoberhaupt das Umfeld in Form einer gewachsenen Dorfgemeinschaft mit einem regen Vereinsleben heraus. Auch das Kirchenleben strahle positiv auf die Schule aus, dadurch entstehe insgesamt eine sehr positive Lernatmosphäre für die Kinder. Rektorin Renate Ehrenlechner habe mit ihrem Lehrerteam gute Arbeit geleistet, die Thundorfer Schule unter dem Dach der „Grundschule Ainring“ zu integrieren und die Zusammenarbeit der Schulstandorte Thundorf, Feldkirchen und Mitterfelden zu verbessern. „Aus meiner Sicht ist das auch bestens gelungen, wofür ich mich ausdrücklich bei der Rektorin und ihrem Lehrerteam, aber auch bei den Eltern herzlich bedanke“, so Hans Eschlberger. Er halte es für erstrebenswert, den Schulstandort in Thundorf nicht nur zu erhalten, sondern angemessen zu verbessern. Dafür bestünde nunmehr die Gelegenheit, dass ein Mehrzweckanbau das schulische Leben in Thundorf nachhaltig bereichern könne, ebenso aber auch das gesellschaftliche und kirchliche Leben.

Der Bürgermeister teilte mit, dass er am Tag dieser Sitzung mit Schulleiterin Renate Ehrenlechner gesprochen habe, die ihm ausdrücklich bestätigt habe, dass sie sich und ihr Lehrerteam über einen Mehrzweckanbau mit vielgestaltigen Nutzungsmöglichkeiten freuen würden.

Die Vorbereitungen laufen

Das vorgesehene Projekt nahm auch verwaltungstechnisch seinen Vorlauf, den Eschlberger erläuterte. So sei bereits in zwei vorangegangenen Haushaltsberatungen ein möglicher Mehrzweckanbau an die Grundschule Thundorf Thema im Gemeinderat gewesen sei. Mit Beschluss vom 26. März 2013 seien Finanzplanungsmittel für den Finanzplan 2014 und 2015 in Höhe von insgesamt 350.000 Euro beschlussmäßig vorgesehen. Im Verwaltungs- und Finanzausschuss vom August war man überein gekommen, dass ein Mehrzweckanbau vorrangig schulischen Zwecken dienen, ebenso aber auch das Vereins- und Kirchenleben in Thundorf davon profitieren solle. Daraufhin sei die schulaufsichtliche Genehmigung bei der Regierung von Oberbayern beantragt und zwischenzeitlich mit Bescheid erteilt worden. „Aussagen zur Höhe einer zu erwartenden staatlichen Zuwendung waren damit noch nicht verbunden. Deshalb wurde vor zwei Wochen ein konkreter Zuwendungsantrag aus FAG-Mitteln gestellt“, beendete der Bürgermeister seinen Vortrag.

In der Septembersitzung hatte Jörg Mader für die CSU-Fraktion den Antrag gestellt, das Thema erneut auf die Tagesordnung zu setzen mit dem Ziel, einen Grundsatzbeschluss zu fassen. So ergriff in der folgenden Aussprache Mader das Wort und entschuldigte sich zunächst, dass er seinen besagten Antrag nicht schriftlich weitergegeben habe und es deshalb zu Irritationen bei den Kollegen und in der Öffentlichkeit gekommen sei. Mader erinnerte an seinen Antrag, (ursprünglich vor längerer Zeit eingebracht von Franz Eder), wonach eine Diskussion mit einem Grundsatzbeschluss erstrebenswert sei, damit ein Dialog mit der Schule und „zweitrangig“ anderen Nutzern beginnen könne. Diese Ergebnisse sollten in die Planung einfließen um dann darüber einen Beschluss zu fassen.

Wichtig sei der CSU die positive Entwicklung der gesamten Gemeinde und aller Ortsteile. Bezogen auf Thundorf seien in den letzten Jahren viele Maßnahmen umgesetzt worden. Mader zählte die Verbesserung der Internetverbindung auf, den noch nicht ganz fertiggestellten Bau des Radweges von Ainring nach Thundorf und das nächstjährige Entstehen eines Baugebietes mit 22 neuen traumhaften Grundstücken. Neue Baugrundstücke gebe es auch in Straß, eventuell bald auch in Adelstetten und ebenso in Thundorf selbst könnten vielleicht neue Baugrundstücke ausgewiesen werden. Damit wolle man auch die Vereine und den Schulstandort langfristig stärken.

Die Schaffung einer Grundschule Ainring mit drei Standorten sei nicht leicht gefallen, wohl jedoch der einzig gangbare Weg, um den Schulstandort Thundorf kurz- und mittelfristig eine Überlebenschance zu geben. Jetzt sei es die Pflicht der Gemeinde als Sachaufwandsträger auch dafür zu sorgen, dass der eigenständige Charakter nicht verloren gehe. „Jedes Ja bedeutet heute ein Lebenszeichen, jedes Nein heute einen kleinen Todesstoß“, so der CSU-Fraktionsvorsitzende.

Anbau schon länger gefordert

Wie Mader weiter argumentierte, habe der damalige Rektor Horst Schneider bereits das Fehlen einer Mehrzweckräumlichkeit beklagt. Wenn alle Schüler zusammenkommen, müssten sie sich im Treppenhaus treffen. Dabei sollte jede Schule einen Raum haben, in dem sich alle Schüler treffen können, wie dies an allen anderen Schulen der Fall sei. Mit dem aktuellen Beschluss sollte der offizielle Startschuss für einen Dialog gesetzt werden, damit der Bedarf und die Nutzung exakt abgeschätzt und geplant werden könne. Bislang gebe es nur Zurufe und Gerüchte von allen Seiten und aus allen Richtungen. Die Wirtschaftlichkeit und Sinnhaftigkeit stehe im Vordergrund, deshalb solle ein Nutzungskonzept erstellt werden. Jörg Mader erbat die Mandatare um Zustimmung, damit der Gemeinderat der Verwaltung hiermit offiziell den Auftrag geben könne, dieses Thema mit allen Interessengruppen an einem großen runden Tisch zu besprechen.

Im Rahmen eines ausgiebigen, durchaus sachlichen Meinungsaustausches an dem nahezu alle Räte teilnahmen und der Bürgermeister mehrfach mit Erklärungen in die Debatte eingriff, fasste ÜPW-Fraktionssprecher Martin Strobl in der Meinungsbildung seiner Fraktion jene Sachargumente auf, die gegen einen Mehrzweckanbau an der Grundschule Thundorf sprechen. Was die finanziellen Aspekte betreffe, erfolge eine Belastung des gemeindlichen Haushaltes für die Investition in Höhe von mindestens einer Million Euro und nachfolgend ein langfristiger Gebäudeunterhalt von etwa 20.000 Euro ohne kalkulatorischem Zins und Abschreibung. Hinzu komme eine Steigerung der Personalkosten, da der gemeindliche Hausmeister nicht mehr alle Gebäude betreuen könne. Der personelle Aufwand müsse jährlich mit zirka 35.000 Euro veranschlagt werden.

Hinsichtlich Nutzung des Mehrzweckanbaus durch die Schule bestehe keine vordringliche schulische Nutzung für den Turnunterricht, die Schule bräuchte dann eher eine Turnhalle und Außensportplatz. Schulische Veranstaltungen nur für die Grundschule Thundorf bezogen, seien eher selten, da für alle Standorte die zentralen Veranstaltungen in Mitterfelden stattfänden. Martin Strobl erinnerte, dass früher in Thundorf 120 Schulkinder unterrichtet worden seien und es keinen Bedarf für einen Mehrzweckraum gegeben habe, jetzt seien es 66 Kinder in allen vier Klassen, davon 56 Kinder aus dem gemeindlichen Umfeld, die zum Schulhaus befördert würden. Aufgrund der Entwicklung der Schülerzahlen könne angenommen werden, dass zur Erhaltung des Schulstandortes jeweils eine gemeinsame 1./2. und 3./4. Klasse geschaffen werde. Dadurch werde ein Raum frei. Aufmerksam machte Strobl auf die Tatsache, dass die Grundschule Ainring – also alle drei Standorte – nach dem Förderbescheid noch einen offenen Raumbedarf von zirka 270 Quadratmeter habe, doch durch diesen Mehrzweckraum in Thundorf werde der Grundschule Ainring jegliche förderfähige Entwicklungsmöglichkeit genommen.

Brauchen die Vereine den Raum?

Zur Nutzung durch Thundorfer Vereine informierte der ÜPW-Fraktionsvorsitzende dass der Thundorfer Trachtenverein einen eigenen Proberaum habe und bisher keinen Bedarf angemeldet habe. Die Theatergruppe probe in Straß und möchte dort auch bleiben. Die Musikkapelle Thundorf bräuchte zwar einen größeren Raum, zweckmäßig sei dieser jedoch nur, wenn auch die Instrumente und Noten dort belassen werden können Eine überwiegend kirchliche Nutzung beziehe sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf Kirchenchor, katholischen Mütterverein und gegebenenfalls Pfarrgemeinderat. Dazu müsse festgestellt werden, so Strobl, dass die Gemeinde nicht zuständig sei, dass kirchliche Vereine und Organisationen Räumlichkeiten erhalten.

Abschließend führte Martin Strobl zum gesellschaftlichen Aspekt aus, im Haus der Kultur in Ainring könnten dortige Räumlichkeiten noch besser genutzt werden. Auch die CSU dränge schließlich auf eine stärkere Auslastung. Der Weg von Thundorf nach Ainring betrage einfach vier Kilometer, sei also eine zumutbare Wegstrecke.

Speziell zum Vorwurf der nicht genügenden Auslastung des Veranstaltungssaales im Haus der Kultur widersprach der Bürgermeister. „Das Haus ist mehr als ausgelastet, fast schon überbelegt“. Im Verlauf der Diskussion wurde mehrfach hingewiesen, dass sich in absehbarer Zeit die Entwicklung die Grundschule Ainring nicht mehr auf drei sondern nur auf den Standort Mitterfelden konzentrieren werde. Um solchen Zukunftsvisionen entgegenzusteuern, solle jede Gemeinde im Landkreis ihre Möglichkeiten nützen, auch kleinere Schulstandorte zu stärken. Mit einem Mehrzweckanbau könne nicht zuletzt gegenüber der großen Politik besser argumentiert werden.

Kritisiert wurde aus den Reihen der ÜPW, dass Jörg Mader das Wort „Todesstoß“ bei einem „Nein“ zum Anbau gebrauchte. Dies sei eine demokratische Brüskierung jener Räte, die bei der Beschlussfassung ihr „Nein“ sichtbar durch das Handheben bekunden. Mit dem Schlusssatz des Bürgermeisters „Bildung und Gemeinschaftsleben sind bei uns in der Gemeinde bestens vereint“, schritt er zur Abstimmung. Mit 15 Befürwortern bei sieben Gegenstimmen fasste das Gemeinderatsgremium den Grundsatzbeschluss an der Grundschule in Thundorf einen Mehrzweckanbau zu errichten. Die Verwaltung hat nun den Auftrag, die hierfür notwendigen Vorbereitungen hinsichtlich Planung, Finanzierung und öffentliche Förderung zu treffen sowie die haushaltsrechtlichen Grundlagen zu schaffen. Planerische Details zum Bauvorhaben werden nach Abstimmung mit der Schulleitung den Gremien zur weiteren Beratung vorgelegt.

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