Proteste und Fragezeichen um den A8-Ausbau

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Das aufgestellte Gerüst der Ausbaugegner soll die Ausmaße einer breiteren Autobahn in der Landschaft verdeutlichen.
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Piding - Bestandsausbau oder Nordumfahrung? Die Gegner des A8-Ausbaus machten nun mobil - doch über die Pläne der Autobahndirektion sind sie genauso im Unklaren wie der Bürgermeister:

"Das Schicksal, die Zukunft Pidings liegt derzeit in der Hand der Autobahndirektion Süd", meint Rüdiger Lerach vom Verein "Autobahnfreier Högl" - welche Variante zum A8-Ausbau die Autobahndirektion auch vorschlagen wird, Lerachs Interessengemeinschaft will sich gegen beide Versionen stemmen. Doch sowohl Gegner als auch Befürworter in Piding müssen sich mit den genauen Plänen der Autobahndirektion noch immer in Geduld üben.

Die beiden möglichen Varianten 

Von Rosenheim bis zur österreichischen Grenze soll die A8 Stück für Stück auf insgesamt sechs Fahrstreifen verbreitert werden. Für das letzte Teilstück von Jechling bei Aufham bis zur Grenze stehen zwei Varianten zur Debatte: Entweder ein Ausbau der bestehenden Trasse, die die beiden Pidinger Ortsteile trennt oder ein kompletter Neubau am Rande des Högls, die sogenannte Nordumfahrung, der am gesamten Ortsgebiet vorbeiführen, aber auch die Flächen von Anger und Bad Reichenhall berühren würde.

Fotomontage der Nordumfahrung von Osten betrachtet. Rechts im Bild der Högl, in der linken Bildhälfte die beiden Orteilte von Piding. Anhand des "grünen Bandes" dazwischen ist der Verlauf der bisherigen Trasse zu erkennen.  Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

Vor allem die Nordumfahrung ist den Ausbaugegnern ein Dorn im Auge. Um die Dimensionen des Ausbaus anschaulich zu machen, steht nun ein riesiges Gerüst auf der möglichen Trasse - im Maßstab 1:1 um die gesamte Breite der Autobahn greifbar zu machen. Befürchtet wird ein größerer Flächenverbrauch und das Ende landwirtschaftlicher Vollerwerbsbetriebe.

Viele Anwohner der bestehenden Route der A8 befürworten dagegen die Nordvariante: Lärm und Schmutz würden durch den Bestandsausbau noch näher an sie heranrücken. "Auch der Fußballplatz wird dann dran glauben müssen", so Pidings Bürgermeister Hannes Holzner gegenüber BGLand24.de.

"In den Endzügen des Vergleichs"

Bereits im Januar 2009 stellte die Autobahndirektion Süd mehrere mögliche Varianten vor, der Gemeinderat sprach sich anschließend für eine Nordumfahrung inklusive "Einhausung" aus. "Doch seit 2010 herrscht Stillstand, die Autobahndirektion hüllt sich in Schweigen", so Bürgermeister Holzner im Gespräch.

Bald aber könnte etwas Licht ins Dunkel kommen: Am 5. November will die Autobahndirektion beide Varianten bewerten und sich für eine Möglichkeit aussprechen. "Wir sind momentan in den Endzügen des Vergleichs", so Josef Seebacher von der Autobahndirektion Südbayern. Auch ihm ist noch nichts Genaueres zu entlocken, aber Seebacher stellt fest: "Es sprechen einige Gründe gegen die Nordumfahrung, der Naturschutz ist in unseren Planungen ein entscheidendes Kriterium. Außerdem gibt die Landwirtschaft die Flächen momentan ungern her - das war vor ein paar Jahren noch anders."

Bürgermeister Holzner: "Mindestens 18 Jahre bis zur neuen A8"

An ein richtiges Zusammenwachsen der beiden Ortsteile ist aber nach Bürgermeister Holzner auch bei einer Nordumfahrung nicht zu denken, wenn die Autobahn aus dem Ortsbild verbannt wäre. In diesem Fall würden die freiwerdenden Flächen für den Hochwasserschutz verwendet. Welche Variante die Autobahndirektion auch immer favorisieren wird, Hannes Holzner klingt etwas verzweifelt, wenn er sagt: "Ich gehe nicht davon aus, dass mit dem Bau in den nächsten zehn Jahren begonnen wird. Und dann muss man nochmal mit einer Bauzeit von etwa acht Jahren rechnen." Der A8-Ausbau und die Gemeinde Piding - es könnte noch ein langes Kapitel werden. 

xe

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