Grüne weiter gegen sechsspurigen A8-Ausbau

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Teisendorf - Das Bündnis 90/Die Grünen setzt sich nach wie vor für die vierspurige Variante plus Standspur zwischen München und Salzburg ein. Denn Staus würden dadurch nicht verschwinden.

Kein sechsspuriger Ausbau der A8 - dafür vierspurig plus Standspur: Das war die einmütige Meinung aller Anwesenden anläßlich der jüngsten Ortsversammlung der Teisendorfer Ökopartei. Um den aktuellen Stand in der Angelegenheit zu erfahren, hatten die Orts-Grünen die Sprecherin der Bürgerinitiative „A8 - Bürger setzen Grenzen“, Marlis Neuhierl-Huber aus Siegsdorf, als Referentin eingeladen.

Künftig müsse die Landschaft der Autobahn angepasst werden

Nach Einschätzung der Referentin „pressiert“ es der Autobahndirektion Südbayern in ihrem Bemühen, den sechsspurigen Ausbau durchzusetzen. Sie schließe das aus dem Umstand, dass die Autobahndirektion zurzeit gleich für zwei Ausbauabschnitte, nämlich die Bereiche Rosenheim bis Achenmühle und Achenmühle bis Bernauer Berg, das Planfeststellungsverfahren beantragt habe. Das sei ungewöhnlich und lasse darauf schließen, dass man noch vor der im Jahr 2015 anstehenden Überprüfung des aktuellen Bundesverkehrswegeplanes Fakten schaffen wolle. Marlis Neuhierl-Huber geht davon aus, dass ein Zurückstufung in der Dringlichkeit für das Ausbauprojekt A8 sehr wahrscheinlich ist. Die Referentin bemängelte, dass von der Autobahndirektion bis zum heutigen Tage noch kein echter Kostenvergleich für die von den Grünen, dem Bund Naturschutz und der Bürgerinitiative vorgeschlagene Alternativlösung zum sechsspurigen Ausbau vorgelegt worden sei.

Zudem werde der sechsspurige Ausbau von der Autobahndirektion nach der höchsten Entwurfsklasse für den Autobahnbau betrieben. Das bedeute, dass wesentlich größere Kurvenradien als im derzeitigen Bestand gebaut werden müssten. Gleiches gelte für Kuppen und Senken. Während die bestehende Trasse weitgehend „in die Landschaft integriert“ gebaut worden sei, solle künftig „die Landschaft der Autobahn angepasst“ werden. Ein solcher Maximalausbau sei aber angesichts der Verkehrszahlen völlig überflüssig.

"Die wenigen Tage, an denen es Stau gäbe, rechtfertigten keinen sechsspurigen Ausbau"

Zu welch überdimensionalem Flächenverbrauch dieser überzogene Ausbau führe, lasse sich an den aktuellen Planunterlagen für den Bauabschnitt Rosenheim bis Achenmühle ablesen. Rund 70 Hektar Fläche würden zusätzlich „verbaut“. Zudem falle rund eine Million Kubikmeter Abraum an. Der zum Teil in bis zu zehn Meter hohe Lärmschutzwälle verbaut werde, weil man ansonsten nicht wisse, wohin mit diesem Abraummaterial. Marlis Neuhierl-Huber rief die Bürger dazu auf, im laufenden Verfahren Einwendungen einzubringen. Nähere Informationen hierzu könne man auf der Homepage der Bürgerinitiative finden.

Grünen-Ortsvorstandsmitglied Gisela Bechmann pflichtete den Ausführungen der Referentin voll und ganz bei. In Verbindung mit einem Tempolimit sei der Bau eines Standstreifens entlang der bestehenden Autobahntrasse angesichts der Verkehrszahlen völlig ausreichend. Die wenigen Tage, an denen es Stau gebe, rechtfertigten keinen sechsspurigen Ausbau. Bei einem Ausbau in der derzeit vorgelegten Dimension sei damit zu rechnen, dass künftig wesentlich schneller als derzeit gefahren werden würde. Bei einer höheren Geschwindigkeit komme es aber immer wieder zum sogenannten „Stau aus dem Nichts“, wenn wesentlich schneller fahrende Verkerhsteilnehmer auf langsamere Fahrzeuge träfen.

"Der Landwirtschaft werden durch den Ausbau enorme Mengen Grund entzogen"

Zudem sei auf absehbare Zeit rund um den Chiemsee kein sechsspuriger Ausbau geplant. Dort sei also durch eine dann vorhandene Engstelle ohnehin mit vermehrtem Staugeschehen zu rechnen. Kreisrat Albert Aschauer wies darauf hin, dass auch auf dem Gemeindegebiet Teisendorf bei einem sechsspurigen Ausbau mit einem ähnlich hohen Flächenverbrauch wie beim Abschnitt Rosenheim bis Achenmühle zu rechnen sei, also mit rund 70 Hektar. Bei einem sechsspurigen Ausbau würden also der Landwirtschaft enorme Mengen an Grund und Boden entzogen. Die 70 Hektar entsprächen drei bis fünf Vollerwerbsbetrieben. Dort, wo die Autobahn durch Teisendorf führe, gebe es aber überwiegend Nebenerwerbsbetriebe. Da es bei Nebenerwerbsbetrieben aber keinen Anspruch auf Ersatzgrund bei Straßenbaumaßnahmen gebe, könne dieser Grundverlust für viele dieser Nebenerwerbsbetriebe existenzgefährdend sein.

Pressemitteilung Bündnis 90/Die Grünen, Ortsverband Teisendorf

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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