A8-Ausbau: "Streit wird nicht aufhören"

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Die Pläne der Autobahndirektion für den Bestandsausbau der A8: links die im Vergleich wesentlich größere "Anschlussstelle Bad Reichenhall", rechts die neue "Anschlussstelle Schwarzbach" - zur größeren Ansicht bitte hier klicken.
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Anger/Piding - Das "Nein" der Autobahndirektion zur Pidinger Nordumfahrung hat die Gemüter nicht beruhigt: In Piding spricht man von der "schlechtesten Lösung", in Anger freut man sich dagegen.

"Mit dieser Entscheidung wird keiner richtig glücklich sein, auch nicht die Nordumfahrungsgegner" - so das Fazit von Pidings Bürgermeister Hannes Holzner: "Der Streit wird nicht aufhören." Seine Gemeinde steht beim A8-Ausbau im Berchtesgadener Land besonders im Fokus. Am vergangenen Mittwoch fällte die Autobahndirektion ihr Urteil: Die Nordumfahrung wurde abgelehnt, die A8 soll in Zukunft sechsspurig durch Piding verlaufen.

Die "billigste und schlechteste Variante"

In der Grenzgemeinde sorgte die Entscheidung der Autobahndirektion teils für Enttäuschung. Der Gemeinderat sprach sich wiederholt für eine Nordumfahrung der Ortschaft aus. Mit dem Ausbau der A8 wollte man die Chance ergreifen, die Autobahn gleich ganz aus dem Ortsbild verschwinden zu lassen. "Das ist die billigste und schlechteste Variante", so Holzner im Gespräch mit BGLand24.de. Vorgesehen ist, die A8 auf der bisherigen Trasse auf insgesamt sechs Spuren zu erweitern. 

Auch eine Einhausung ist nicht vorgesehen

Pidings Bürgermeister Hannes Holzner

Auch eine sogenannte Einhausung, die der Autobahn einen "Deckel" verpassen würde, ist von den Planern nicht vorgesehen. Damit könnten Lärm und Staub von den Anwohnern ferngehalten werden. Aber Holzner hat Bedenken: "Mit dem aufgeschütteten Damm, auf dem die Fahrbahn verlaufen soll, und einer Einhausung würde sich die Autobahn dann zehn bis 15 Meter über die Ortschaft erheben - ich weiß nicht, ob das eine Verbesserung wäre."

Einer Art Wiedervereinigung der beiden Pidinger Ortsteile, von der manche geträumt haben, wäre mit der Einhausung eine noch deutlichere Absage erteilt: "Die Trennung der Ortsteile wäre durch diesen Schlauch dann noch größer und deutlicher", meint Holzner. Die kommenden Baustellen um den Ausbau bereiten Holzner dagegen jetzt schon Kopfzerbrechen: "Das zieht sich bei uns immer hin... Wenn ich mir zum Beispiel nur die Brücke bei Bergen anschaue. In Österreich geht sowas ruck zuck, wie etwa vor Kurzem die Arbeiten bei Grödig." Schließlich soll auch die Anschlussstelle wesentlich größer werden, als die jetzige - "das kann man sich jetzt noch gar nicht vorstellen".

"Piding bekommt kein Zugeständnis"

Zwar haben die Kommunen noch die Möglichkeit, die Entscheidung anzufechten, aber Josef Seebacher von der Autobahndirektion geht nicht davon aus, dass "neue Erkenntnisse" kommen werden. Auch der Pidinger Bürgermeister bezweifelt, dass ein weiterer Einspruch seinerseits zu etwas führen würde: "Die Stellungnahme wäre wohl eh null und nichtig, wenn sie nicht berücksichtig wird. Die Gegner der Nordumfahrung und Anger haben jetzt wahrscheinlich was, worüber sie sich freuen können - aber Piding bekommt kein Zugeständnis."

In Anger ist man dagegen zufrieden

Mit dieser Vermutung hat Hannes Holzner Recht. In der westlichen Nachbargemeinde ist man mit der Entscheidung der Autobahndirektion tatsächlich zufrieden: "Ja, wir freuen uns, dass die Nordumfahrung vom Tisch ist", so Albert Mauerer vom Baumamt in Anger gegenüber BGLand24.de. Denn mit der neuen Trasse des Autobahnverlaufs wäre auf dem Grund der Gemeinde auch eine neue Anschlussstelle bei Jechling gebaut worden. Aber auch in Anger ist man nicht rundherum begeistert: Man hätte die A8 auch in Zukunft lieber vier-, als sechsspurig. Die gewünschte Einhausung ist außerdem auch bei Anger nicht geplant: "Das schaut zwar nicht schön aus, aber der Lärmschutz wäre wichtiger."

Am 4. Dezember wird der Gemeinderat in Anger noch einmal Stellung nehmen - und auch die betroffenen Pidinger werden heuer noch die Autobahndirektion in die Gemeinde bitten, um der Bevölkerung ihre Pläne zu erklären. Man darf erwarten, dass den Planern aus München ordentlicher Gegenwind ins Gesicht blasen wird.

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