25.000 leere Flaschen an einem Tag

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Rund 25.000 leere Flaschen werden pro Arbeitstag in Kästen sortiert. Für diese Arbeit gibt es keine Maschine, deswegen übernehmen sie die Pidinger. Im Bild: Thomas Schönleitner (l.) und Thomas Meingast (r.)

Teisendorf – Die Arbeit flutscht wie am Schnürchen. Jeder Handgriff sitzt und jeder weiß, was er zu tun hat.

Seit fünf Jahren arbeitet die Pidinger Werkstätte der Privatbrauerei Wieninger zu, seit 2008 helfen Mitarbeiter sogar direkt vor Ort aus. Leere Tragerl befüllen, Flaschen umpacken und Sonderabfüllungen etikettieren sind nur einige der Aufgaben, die die Pidinger mit Begeisterung übernehmen.

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Stefan Effertz kommt ordentlich ins Schwitzen. Normalerweise arbeitet er in der Mitterfeldener Außenstelle der Pidinger Werkstätten und fertigt derzeit kleine Reinigungsgaragen für Modellautos an. Heute stapelt er jede Menge leere Kästen auf Paletten, die anschließend aus der Halle gezogen werden müssen. Seine Kollegen sind derweil damit beschäftigt, Flaschen in unterschiedliche Tragerl umzusortieren. „Ich komme gerne her“, sagt Stefan, wischt sich den Schweiß von der Stirn und macht sich auch schon wieder an die nächste Palette.

Für den Brauerei-Tag würden sich grundsätzlich mehr Mitarbeiter anmelden, als eingesetzt werden können, freut sich Henrik Prüß, Montage-Abteilungsleiter in Piding. Dann haben er und sein Kollege Florian Huber die Qual der Wahl und müssen das Personal auswählen. „Es gibt etwa 40 Mitarbeiter, die für die Arbeit hier in Frage kommen, aber nur acht bis neun können wir jedes Mal mitnehmen“, sagt Prüß. Und die müssen vor allem körperlich belastbar sein und zupacken können. So wie Elisabeth Rehrl, die heute die einzige Frau unter lauter Männern ist. Ihr tauge die Arbeit und die Kollegen seien alle nett, sagt sie.

Zwischen sieben und neun Mitarbeiter aus den Pidinger Werkstätten helfen wöchentlich in der Brauerei Wieninger aus. Die Arbeitsjacken und Sicherheitsschuhe hat das Unternehmen ihnen gesponsert. „Hier sind wir mittendrin im echten Berufsleben“, sagt Montageleiter Henrik Prüß (2.v.r.) und Rentner Bert Mauerkirchner (l.) hilft mit dem Gabelstapler.

Gerade fährt Bert Mauerkirchner mit dem Gabelstapler einen großen Stoß leere Flaschen in die kleine Halle, wo die Pidinger arbeiten. Eigentlich ist der Bierbrauer schon in Rente, hilft aber noch aus. Wenn die Mitarbeiter von den Werkstätten kommen, dann steht auch Mauerkirchner bereit. Die leeren und noch unbeschrifteten Flaschen müssen in Kästen sortiert werden, bevor sie in die Abfüllanlage kommen. „Das kann keine Maschine so gut, wie die Mitarbeiter der Pidinger Werkstätten“, erklärt der erste Braumeister Bernhard Löw. Früher sei diese Arbeit ausgelagert worden und mit nicht unerheblichen Logistikkosten verbunden gewesen, seit drei Jahren übernehmen es die Pidinger. Vor Ort sortieren sie unter anderem bis zu 25.000 Flaschen am Tag in die Kästen.

„Wir sind hier sehr freundlich aufgenommen worden und mittlerweile haben wir das Gefühl dazuzugehören. Eigentlich ist es schon relativ normal, wenn wir kommen“, findet Montageleiter Prüß. Es ist eines der Ziele der Pidinger Werkstätten, Menschen mit Behinderung in allen gesellschaftlichen Bereichen, auch in der Arbeitswelt, mitwirken zu lassen. Mit den verschiedenen Fachbereichen werde unter dem Dach der Lebenshilfe zwar eine breite berufliche Palette angeboten, „in Piding können wir aber nicht die Angebote des ersten Arbeitsmarktes vollständig abbilden“, so Prüß. Um den Mitarbeitern trotzdem Einblicke und Eindrücke in das „echte“ Be­rufsleben zu ermöglichen, werden Arbeitseinsätze direkt bei den Partnerfirmen vor Ort durchgeführt. „Hier arbeiten wir unter realen Bedingungen und sind mittendrin.“

Pressemitteilung Pidinger Werkstätten

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