Beispiele von zwei Ferienhöfen

Whirlpool neben dem Kuhstall? Vermieter im Landkreis Traunstein setzen auf hohen Komfort

Der Schwimmteich lockt am Staller Ferienhof viele Gäste. Sie übernachten in dem sanierten Bundwerkstadel (links), der auf das Jahr 1842 zurück geht.
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Der Schwimmteich lockt am Staller Ferienhof viele Gäste. Sie übernachten in dem sanierten Bundwerkstadel (links), der auf das Jahr 1842 zurück geht.

Ferien auf dem Bauernhof kann auch ganz luxuriös sein: Das beweisen der Seeoner Staller Ferienhof und der Daxlberg Hof in Siegsdorf. Warum Menschen lieber in eine oberbayerische Ferienwohnung statt ins All Inclusive-Resort fahren.

Chiemgau – „Urlaub dahoam“ war das Credo des Corona-Sommers. Nicht erst durch die Reisebeschränkungen hat sich ein Trend herauskristallisiert. Immer mehr Urlauber wollen in luxuriösen Ferienwohnungen übernachten. Und zwar auf dem Bauernhof.


Der Seeoner Staller Ferienhof ist auch ohne Pandemie in der Hauptsaison schon weit im Voraus ausgebucht. Thomas Schroll (39) erbte den Bauernhof und baute ihn zu ganz bewusst zu einem luxuriösen Feriendomizil aus. Der alte Bundwerkstadel aus dem Jahr 1842 beherbergt sechs Ferienwohnungen, teils mit Whirlpool. Verbaut ist hofeigenes Holz aus der Entstehungszeit des Stadels.

Online-Marketing unverzichtbar


Die Gäste von Dorothea und Thomas Schroll finden den Hof in erster Linie im Netz. „Onlinemarketing ist für uns das wichtigste, um Gäste zu bekommen“, sagt Schroll.

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Dass Gäste explizit nach den Begriffen „5-Sterne-Ferienwohnung“ und „Luxusurlaub“ suchen, ist auch die Erfahrung von Gabi Buchöster (56), die in Siegsdorf mit ihrem Mann den Daxlberger Hof führt. „Wir haben viele Stammgäste“, sagt die Vermieterin. Schon früh haben Buchösters auf Qualität und Komfort gesetzt. Im vergangenen Winter haben sie sogar eine eigene Eventküche zum Brotbacken gebaut. Daneben können die Gäste auch mit der Hausherrin auf Kräuterspaziergänge und Almwanderungen gehen. Die Kinder können mit zur Heuernte, Stockbrot am Lagerfeuer backen und bei der Versorgung der Tiere im Stall mithelfen.

Wie Nachhaltigkeit und Luxus verknüpft werden können, zeigt der Staller Ferienhof schon bei den Bettdecken. Die sind mit Alpakawolle gefüllt – und zwar von den eigenen Alpakas, die die Schrolls auf dem Hof halten.

All-Inclusive oder Bauernhof?

Diese Kombination lassen sich die Gäste etwas kosten, für den Preis wäre auch ein All-Inclusive Urlaub in einem Hotel möglich. Die Preise scheinen die Urlauber jedoch nicht abzuschrecken. Von Ostern bis zum Ende der Herbstferien seien die Wohnungen komplett ausgebucht, die Ferienzeiten mit Stammgästen bereits reserviert, sagt Schroll. Es sei dennoch nicht geplant, zu expandieren: „Der Charme liegt bei uns in der Größe, sagen unsere Gäste.“ Auch der Daxlberger Hof ist für die kommende Sommersaison in den Ferienzeiten weitgehend reserviert.

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Wegen des Lockdowns liegt die Gastfreundschaft im Moment auf Eis. „Derzeit setzen wir neue Bau-Projekte um, die während des regulären Betriebs auch einfach zu laut wären“, sagt Schroll. Gabi Buchöster nimmt die Situation relativ gelassen. Nachdem sie im Vorjahr schon umgebaut hatten, mache sie jetzt mit ihrem Mann eben auch „Urlaub dahoam“. In die Zukunft blickt sie positiv: „Ich bin mir sicher, dass die Nachfrage nach solchen Angeboten immer höher wird. Die Verbundenheit mit der Natur spielt für viele Menschen eine sehr große Rolle.“

Spirale nach oben

Bestätigen kann das auch Stephan Semmelmayr, Leiter des Chiemgau Tourismus e.V.. „Wir haben eine regelrechte Spirale nach oben erlebt, hin zu immer mehr Qualität und guten Angeboten für Familien“, sagt der Tourismuschef. „Wir haben bereits auch einige luxuriöse Anwesen wie den Staller Ferienhof. Das ist ein Glücksfall für uns, denn das ermöglicht uns, im Marketing eine lukrative Gästeschicht anzusprechen.“

Krisen führen zu Sehnsucht nach Natur

Als Gegengewicht zu all der Schnelllebigkeit wollen Familien ihren Kindern Natur und Ursprünglichkeit nahebringen, so Semmelmayr. Der Trend verstärke sich, je mehr Krisen wie Terror, Klimawandel und Corona sich entwickeln. Die Zeiten der klassischen Pension oder des einfachen Zimmers auf dem Bauernhof seien dennoch nicht vorbei, so der Tourismus-Experte. „Aber man muss sagen, dass es bei der Buchung deutliche Favoriten gibt. Und dazu gehören eindeutig die Bauernhöfe im 4-5-Sterne-Niveau.“

Bauernhof statt Steuerkanzlei

Dass Schroll mal Vermieter wird, war nicht vorhersehbar. Nach seinem Studium arbeitete er in einer Steuerkanzlei. In seinem jetzigen Job müsse man schon ein bisschen perfektionistisch sein, sagt er. Ganz ähnlich wie in der Steuerberatung: „Die vermisse ich aber überhaupt nicht.“

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