Verantwortung im Katastrophenfall

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Jakob Goess (links) und Hans-Peter Harrer gehören beide zur Gruppe der Einsatzleiter Rettungsdienst – kurz ELRD-, die mit weiteren acht Kollegen rund um die Uhr zur Verfügung stehen, um größere Einsätze im Ernstfall zu koordinieren.

Traunstein - Schon seit 20 Jahren helfen die "Einsatzleiter Rettungsdienst", kurz ELRD in besonderen Notfällen. Sie helfen meist dann, wenn es mehrere Verletzte gibt.

ELRD – diese vier Buchstaben stehen seit 20 Jahren hinter dem Mann mit der neongelben Weste und sie bedeuten viel Verantwortung. Der „Einsatzleiter Rettungsdienst“- kurz ELRD- steht im Mittelpunkt wenn ein besonderer Notfall mit mehreren Verletzen passiert, wie etwa eine Massenkarambolage auf der Autobahn, ein Großbrand oder ein Unfall in einem Industriebetrieb. Neun Mitarbeiter des Traunsteiner Kreisverbandes des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) teilen sich den ELRD-Bereitschaftsdienst rund um die Uhr.

„An ein großes schwarzes Loch“ erinnert sich Jakob Goess, einer der beiden BRK-Rettungsdienstleiter, wenn er an die Zeit vor 20 Jahren zurückdenkt. „Es gab vor Ort keine organisierte Koordination der Rettungsdienste bei größeren Einsätzen.“ So beschloss 1991 eine kleine Gruppe von BRK-Rettungsdienstmitarbeitern eine neue Organisationsstruktur im Traunsteiner Landkreis zu etablieren. Seit dieser Zeit schulen sich die „ELRD“ regelmäßig in Führungslehrgängen und legen alle fünf Jahre eine Prüfung ab.

Voraussetzung ist die Qualifikation als Rettungsassistent und eine Einsatzerfahrung von mindestens fünf Jahren. „Außerdem muss der Einsatzleiter Rettungsdienst mit der regionalen Organisationsstruktur vertraut sein, um im Ernstfall alle Möglichkeiten ausschöpfen zu können“, ergänzt Jakob Goess, selbst seit 19 Jahren Mitglied der ELRD-Gruppe. Auch die Einsatzfazeuge der ELRD haben ihre Geschichte: Anfangs eilten die ELRD zum Unfallort mit einem alten VW- Bus, den sie vom Landkreis für eine Mark erworben hatten. Ihn ersetzte später ein alter Krankenwagen und heute sind alle ELRD mit ihren Privatfahrzeugen unterwegs, die mit Blaulicht ausgestattet sind.

Mehr als 2000 Einsätze

Der ELRD, der gut an seiner neongelben Jacke zu erkennen ist, tritt in Aktion, wenn bei einem Unglück mehr als drei Verletzte oder akut erkrankte Personen zu versorgen sind und mehr als drei Rettungsmittel, wie etwa Rettungstransportwägen, zur Einsatzstelle gerufen werden, um die Einsatzkräfte zu koordinieren. Hier gilt es die Anfahrtswege für die Fahrzeuge zu regeln, die Krankenhausaufnahme für die Verletzten zu organisieren und den Gesamteinsatz mit anderen Einsatzleitern, wie etwa von Feuerwehr und Polizei, abzustimmen.

Die ELRD-Einsätze sind in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen: Waren es die ersten Jahre drei bis vier pro Jahr, zählt die Statistik etwa für das vergangene Jahr über 140 Alarmierungen. „Insgesamt waren es in diesen 20 Jahren über 2000 Einsätze für den Einsatzleiter Rettungsdienst“, resümiert Jakob Goess. Dazu zählten heuer der Brand eines Einfamilienhauses im Ruhpoldinger Ortsteil Brand sowie die Großbrände von Bauernhöfen in Wang bei Nußdorf und in Wonneberg. In erster Linie handelt es sich aber um Einsätze bei Verkehrsunfällen mit mehreren Verletzten.

Hat ein Unglücksfall größere Ausmaße, wie etwa mehr als zehn Verletzte, steht der „Organisatorische Leiter Rettungsdienst“ - kurz OrgL - als Teil der Sanitätseinsatzleitung zur Verfügung. Seine Alarmierung – hier stehen sechs BRK-Mitarbeiter und zehn Notärzte und in ständiger Bereitschaft - ist sehr selten, da Katastrophen mit größeren Auswirkungen glücklicherweise nicht oft passieren. Beispiele für den OrgL waren ein Brand in einem Industriebetrieb in Trostberg, die Bruchlandung eines Heißluftballons in Übersee und Schleching sowie ein Gefahrengutunfall in einem Nußdorfer Betrieb. Die OrgL Gruppe steht aber auch regelmäßig dem Landratsamt als Fachberater für die Planung von Großveranstaltungen, wie etwa der Biathlon-Weltmeisterschaft 2012 in Ruhpolding, zur Verfügung und ist wesentlicher Bestandteil der Führungsstruktur des Katastrophenschutzes im Landkreis Traunstein.

Wunsch nach finanzieller Anerkennung

Im Moment teilen sich nur neun BRK-Rettungsdienstmitarbeiter die ELRD- und die OrgL-Bereitschaft rund um die Uhr an 365 Tagen. „Nachwuchs für unsere Gruppe zu finden ist ein schwieriges Thema“, so Goess. „denn der Bewerber muss viel Zeit in die Aus- und Fortbildung stecken und über ein hohes Maß an Führungskompetenz verfügen. Viele Kollegen schrecken auch vor der hohen Belastung durch die Bereitschaftszeiten zurück.“ Er würde sich zusammen mit der ELRD- und OrgL-Gruppe eine finanzielle Anerkennung wünschen, denn bisher sind sowohl die vielen Bereitschaftsdienste als auch die Einsätze ehrenamtlich. „Hier eine Vergütung in irgendeiner Form, die nicht zu Lasten des Traunsteiner BRK-Kreisverbandes geht, zu finden wäre für uns und für viele andere eine gute Motivation und Anerkennung.“

BRK/CS

Quelle: chiemgau24.de

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