Urteilsspruch nach wüster Schlägerei

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Chiemgau/Rosenheim - Eine wüste Schlägerei lieferten sich zwei junge Männer während der Fußball-Weltmeisterschaft letztes Jahr mit Nachbarn. Jetzt wurden die beiden Angeklagten verurteilt.

Die Feierei zweier Fußballfans während der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr endete mit einer Schlägerei. Eines der Opfer war eine 68-jährige Volksmusik-Sängerin aus einer Chiemsee-Gemeinde. Jetzt wurden die beiden Angeklagten vom Jugendschöffengericht verurteilt.

Für Deutschlands Fußballfans war es ein erfreulicher Abend. Die deutsche Mannschaft hatte bei der Weltmeisterschaft in Südafrika am 27. Juni 2010 die englische Mannschaft im Achtelfinale 4:1 bezwungen.

Die zwei Angeklagten, beide Kollegen einer Inventurfirma, hatten diesen Erfolg im östlichen Landkreis gefeiert. Während der Jüngere der beiden sich danach in die Wohnung des Kollegen zurückzog, feierte der 22-Jährige bei einer Grillparty weiter. 2,7 Promille Alkohol im Blut hatte die Polizei später bei ihm gemessen.

Als er nach Hause kam, bedrohte er zunächst einen Nachbarn, der in seiner Angst die 68-jährige Hauseigentümerin zu Hilfe rief. Auf die Streiterei aufmerksam geworden, kam der 35-jährige Sohn der Eigentümerin hinzu. Er wollte schlichten, doch die Situation geriet außer Kontrolle.

Die beiden Angeklagten stürzten sich schlagend und tretend auf den 35-Jährigen und schleuderten die 68-Jährige gegen eine Wand, wobei sich diese ein Halswirbelsäulenschleuder-(HWS-)Trauma und Absplitterungen am linken Handgelenksknochen zuzog.

Der Jüngere der Angeklagten trat in dem Getümmel seinen eigenen Kumpel mit dem Schuh gegen den Kopf. Dieser trug einen offenen Nasenbeinbruch und eine Gehirnerschütterung davon.

Der damals volltrunkene Täter gestand die Vorwürfe nun vor Gericht unumwunden ein, wenn er sich auch an Einzelheiten nicht mehr erinnern konnte. Auch der Jüngere gab zu, dass er damals völlig ausgerastet sei - was er im Nachhinein sehr bedauerte.

Die 68-Jährige berichtete, dass sie seither bei ihren Volksmusik-Auftritten große Probleme habe, den Gitarrenhals richtig zu greifen. Überhaupt leide sie sehr unter den Nachwirkungen der Attacken.

Auch alle anderen Zeugen bestätigten, dass die Angeklagten sich in blindwütiger Raserei befunden hätten.

Der Vorsitzende Richter am Jugendschöffengericht, Herbert Schäfer, machte deutlich, dass er persönlich erschreckt sei von der Brutalität der Angriffe gegen die ältere Frau. Zum zweiten zeigte er sich enttäuscht von dem jungen Angeklagten, der nicht zum ersten Mal vor ihm stand. Lediglich die Tatsache, dass sich beide Männer gegenseitig verletzt hätten, gebe dem Ganzen einen "tröstlichen Anstrich".

Auf die Frage des Richters, ob sich die Angeklagten bei den Opfern entschuldigt hätten, verneinten diese. "Wir hatten noch keine Gelegenheit dazu". Das löste beim Richter Kopfschütteln aus. "Als ob die Post bei uns abgeschafft worden wäre."

Da beide Angeklagten einschlägig mit Geld- und Jugendarreststrafen vorbelastet waren, kam für die Staatsanwältin nur noch eine Gefängnisstrafe in Betracht. Für den Erwachsenen forderte sie elf Monate, für den noch jugendlich geltenden Täter eine Jugendstrafe von 20 Monaten. Weil beide aber seither nicht mehr straffällig geworden waren, wollte sie - unter strengen Auflagen - die Strafen ein letztes Mal zur Bewährung ausgesetzt sehen.

Rechtsanwältin Gabriele Sachse stimmte der Staatsanwältin im Grundsatz zu, vertrat aber die Meinung, dass für ihren Mandenten eine Jugendstrafe von zwölf Monaten ausreichend sei. Der erwachsene Täter erklärte, dass er jede Strafe akzeptieren wolle, die über ihn verhängt würde.

Das Gericht folgte im Wesentlichen den Vorgaben der Staatsanwältin. Gegen den Volljährigen erging das Urteil von elf Monaten Gefängnis, gegen den Heranwachsenden von 14 Monate Jugendgefängnis. Beide Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt, allerdings mit der Maßgabe, sich der Überwachung durch einen Bewährungshelfer zu unterziehen.

au/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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