Das Werk ist vollbracht

+
Die Bauarbeiten sind abgeschlossen: Die Stadt Traunstein und die angrenzende Gemeinde Surberg haben Umfahrungen erhalten. Sebald König (Mitte), der Leiter des Staatlichen Bauamtes Traunstein - die Behörde vertrat vor Ort den Bauherrn, den Bund - überreichte am gestrigen Donnerstag alle Informationen, gepackt in eine Broschüre, an Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke (rechts) und Surbergs Bürgermeister Josef Wimmer.

Traunstein - Eines der größten Verkehrsprojekte der vergangenen Jahrzehnte in der Region ist abgeschlossen: Fertig ist die Ortsumfahrung von Traunstein.

Der Bund, vertreten vor Ort vom Staatlichen Bauamt Traunstein, hat den 4,5 Kilometer langen, neuen Streckenabschnitt der Bundesstraße 304 vollendet. Am heutigen Freitag ist ein Festakt mit Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer. An einem "Tag des offenen Tunnels" von 14 bis 18 Uhr sind die Bürger willkommen. Morgen folgt dann - formlos, wie das Bauamt mitteilte - die Verkehrsfreigabe auf der "Nordumfahrung", wie sie genannt wird.

Die Bundesstraße 304 hat einen neuen Verlauf. Wer von Trostberg und Traunreut kommt und in Richtung Süden fährt, umgeht Traunstein jetzt am nördlichen und östlichen Rand. Der Durchgangsverkehr fließt nun nicht mehr durch die Innenstadt - zur großen Freude der Bürger. In den vergangenen Jahrzehnten war die Blechlawine ständig gewachsen, die Belästigung durch Lärm und Abgase empfanden immer mehr Bürger als Ärgernis. In die allgemeine Freude über die Vollendung der Baumaßnahme fällt jedoch auch ein großer Wermutstropfen: Die Ortsumfahrung hat mit rund 77 Millionen Euro viel mehr gekostet als angenommen. Die Schätzungen vor Jahr und Tag hatten sich auf 53 Millionen belaufen.

Vor 40 Jahren hatten Voruntersuchungen für eine Umfahrung begonnen. Ein Raumordnungsverfahren kam 1979 zu einem positiven Ergebnis. Weitere Jahre gingen ins Land, bis der Bund Nägel mit Köpfen machte. In einem ersten Bauabschnitt verlegte er von 1995 bis 1997 die Bundesstraße 304 auf Höhe von Aiging. Und 2007 begann schließlich der zweite, große Bauabschnitt: In gut fünf Jahren errichtete der Bund die 4,5 Kilometer lange neue Strecke, die nun im Norden und Osten an der Stadt vorbeiführt.

Die B 304 verläuft nun - von Norden nach Süden betrachtet - von Aiging zunächst über eine 380 Meter lange Brücke, die das Trauntal quert, durch einen Hochwald über den sogenannten Haufertsgraben zum Ortsteil Trenkmoos der Gemeinde Surberg. Schließlich folgt der Streckenabschnitt, der am aufwendigsten herzustellen und am teuersten war: der 725 Meter lange Ettendorfer Tunnel. Unweit seines südlichen Portals vereinigt sich die Bundesstraße 304 in einem - ebenfalls neu angelegten - Kreisverkehr mit der Bundesstraße 306, die nach Siegsdorf führt.

Zusammen mit Landrat Hermann Steinmaßl, Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke und Surbergs Bürgermeister Josef Wimmer hat Sebald König, der Leiter des Staatlichen Bauamtes Traunstein - die Behörde war vor Ort für das Projekt des Bundes verantwortlich - die Baumaßnahme gestern vorgestellt. König betonte, dass sich der Bauherr zwei Ziele - ein überregionales und ein regionales - gesetzt habe. Zum einen sei das Vorhaben in dem Bemühen gestanden, die Nord-Süd-Achse in Südostoberbayern von der A 94 München-Passau mit Neu- und Altötting an Trostberg, Traunreut und Traunstein vorbei zur A 8 München-Salzburg weiter auszubauen. Zum anderen sei beabsichtigt gewesen, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen und den Verkehr aus den Ortschaften herauszunehmen und die Anlieger zu entlasten. Durch die Verlegung der Bundesstraße 304 sei eine Umfahrung von Traunstein entstanden, durch die neu geschaffene Anbindnung der Staatsstraße 2105, die aus Richtung Waging kommt, eine Umgehung von Hufschlag und Hallabruck, von Ortsteilen der angrenzenden Gemeinde Surberg.

Der Bau der Ortsumfahrung von Traunstein sei, wie König betonte, "gespickt" gewesen mit "bautechnischen Herausforderungen". Der Ettendorfer Tunnel habe zum Beispiel zum Teil sehr dicht unter der Erdoberfläche gegraben werden müssen. Die Baumaßnahme habe bei laufendem Betrieb auf der Eisenbahnstrecke München-Salzburg mit 168 Zügen am Tag vorgenommen werden müssen.

"Bautechnische Herausforderungen"

König erinnerte in diesem Zusammenhang auch an den 16. Januar 2010: An jenem Samstag sei damals frühmorgens die Decke an einer Stelle eingestürzt. Allem Anschein nach habe sie einem 20 Tonnen schweren Felsbrocken nicht mehr stand halten können, der im Erdreich verborgen gewesen sei. Bauarbeiter hätten sich damals im Tunnel aufgehalten, passiert sei ihnen jedoch glücklicherweise nichts.

Nach Angaben des Straßenbauamtes hatten bislang pro Tag rund 26000 Fahrzeuge ihren Weg mitten durch die Stadt gesucht. Der Bauherr hofft, dass sich der Verkehr um etwa 20 Prozent beziehungsweise um ein Fünftel verringert. Oberbürgermeister Kösterke erwartet, wie er sagte, "langfristig" eine Verkehrsreduzierung in der besonders bislang in Mitleidenschaft gezogenen Stadtmitte um ein Drittel. Und auch Landrat Steinmaßl rechnet damit, dass sich die Belastungen für die Anlieger deutlich verringern -insbesondere dadurch, dass nun vor allem die Lastwagen den Weg nicht mehr durch die Stadt, sondern stattdessen an ihr vorbei nehmen werden.

pü/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Region Traunstein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser