Landesaustellung: Schüler stellen Projekt vor

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Das P-Seminar des Chiemgau-Gymnasiums mit Kunstminister Dr. Wolfgang Heubisch.

Traunstein - Anlässlich der Bayerischen Landesaustellung stellten die Schüler des Chiemgau-Gymnasiums jetzt auf der Pressekonferenz des Hauses der Bayerischen Geschichte ihr Projekt vor.

Arbeitsgruppen verschiedener Schulen befassen sich im Rahmen der Ausstellung mit Aspekten des wohl bekanntesten bayerischen Königs.

Unterstützt werden sie dabei vom Haus der Bayerischen Geschichte in Augsburg, das die Landesausstellung organisiert und betreut. Die Schüler des ChG haben sich im Rahmen dieser Zusammenarbeit die Aufgabe gestellt, nicht nur die Zeit Ludwigs II. zu beleuchten, sondern die gesamte Geschichte der 113-jährigen bayerischen Königsherrschaft und deren Auswirkungen auf Traunstein zu untersuchen und dazu eine multimediale Ausstellung zu erarbeiten. Eröffnung der Ausstellung im Traunsteiner Heimathaus wird im November sein.

Im Anschluss an die Vorstellung der Projekte nahm sich Kunstminister Heubisch noch Zeit für ein Interview mit Jessika Krasnici und Jakob Hadulla.

Sie haben die verschiedenen Schüler-Projekte gesehen, die gerade vorgestellt wurden. Welches hat ihr besonderes Interesse geweckt? – Warum?

Besonders spannend, fand ich, war das Projekt – das ist ja Ihres in Traunstein – bei dem man den Interessierten einmal erklärt, was sich alles hinter den Denkmälern der Stadt verbirgt. Viele Leute wissen ja gar nicht, wenn sie durch die Stadt gehen, warum man bestimmte Denkmäler errichtet hat. Das ist ein Projekt, das mich wirklich überzeugt hat. Auch sehr gut gefallen hat mir das Kunstprojekt, bei dem man mit einem Schwan versucht, die gespaltene Persönlichkeit Ludwig II. darzustellen. Natürlich ist auch das Internet-Projekt gut, und ich persönlich finde auch das Angebot der Jugendherberge gut, bei dem man einfach mal zwei Tage auf der Herreninsel ist und sie erkunden kann. Im Grunde genommen sprühen alle Schülerbeiträge vor Ideen, und man sieht: Wenn man die Schüler loslässt, dann passiert etwas.

Sie als Kunstminister haben zugestimmt, dass die diesjährige Landesausstellung das Leben Ludwig II. näher beleuchten soll. Warum ist es wichtig, sich auch heute noch mit dieser Persönlichkeit zu befassen?

Dr. Wolfgang Heubisch im Interview mit Schülern des Chiemgau-Gymnasiums

Man ist ja immer leicht dabei, Ludwig II. als „Spinner“ abzutun, und ich glaube, damit wird man ihm nicht gerecht. Er hatte seine Visionen, er hatte seine Vorstellungen von Kunst und Kultur, und vor allem, was ja auch wichtig ist: er war sehr wohl für Neues offen, er war also nicht nur der Zurückgezogene. Vielleicht war sein Hauptproblem, dass er Bismarck nicht widerstehen konnte im Sinne einer militärischen und politischen Macht. Auch jetzt im modernen Bayern ist es wichtig, dass man z.B. durch die Schlösser Anhaltspunkte dafür hat, dass die Welt nicht nur aus Technik, sondern auch aus Ideen, Gedanken und Begeisterung besteht.

Und ganz unwichtig sind die Wittelsbacher ja auch heutzutage nicht für Bayerns Wissenschaft, Kunst und Kultur. Franz Herzog von Bayern, das momentane Oberhaupt des Hauses, ist ja immerhin Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Präsident des Fördervereins der Alten Pinakothek und sitzt in den Kuratorien bayerischer Hochschulen, um nur einiger seiner Ämter zu nennen.

Da zeigt sich genau das, was ich gerade gesagt habe: Das Haus Wittelsbach hat sich immer zur Kunst in Bayern bekannt; übrigens auch zur modernen Kunst. Herzog Franz ist sowohl ein begeisterter Sammler moderner Kunst als auch ein Förderer der Wissenschaft und der Forschung. Auch da spielt er im Hochschulverein eine sehr wichtige Rolle, er will die neuen Entwicklungen in Bayern nach vorne bringen.

Sie als Wissenschaftsminister haben doch bestimmt einen sehr dichten Terminplan. Nicht dass wir uns darüber nicht freuen würden, aber warum nehmen Sie sich die Zeit für einen Termin, bei denen „nur“ Schüler ihre Projekte vorstellen?

Das ist ganz einfach: Die Schüler von heute sind die Studenten von morgen. Letztendlich sind Begeisterungsfähigkeit, Überzeugungskraft und die Fähigkeit zur Problemlösung wichtig, und diese Dinge müssen Sie in der Schule lernen, um sie dann auf der Hochschule in einem bestimmten Fach zu perfektionieren. Ich bekomme also nur dann sehr gute Studenten, wenn ich sehr gute Schüler habe. Und um diese Begeisterung, dieses Interesse zu schaffen, ist ein solches Projekt sehr wichtig.

Herr Minister, nun eine Frage, die uns unmittelbar betrifft: In Baden-Württemberg wird nun überlegt, die Studiengebühren abzuschaffen. Warum nicht auch in Bayern?

Ich glaube, dass die Studienbeiträge sehr wohl sozial sind. Zum einen gibt es eine Menge von Ausnahmefällen, bei denen Studierende von den Beiträgen befreit werden. Zum zweiten ist es für eine Familie, deren Kinder nicht studieren wollen, nicht einsehbar, dass sie mit ihrer Einkommenssteuer diejenigen finanzieren, die später, nach dem Studium, viel mehr Geld verdienen; das halten wir für sozial nicht gerecht. Und dann kommt noch etwas hinzu: Was nichts kostet, ist nichts wert. Ich glaube, diesen Betrag sollte man schon bereit sein, zu investieren. Und für diejenigen, die das Geld nicht aufbringen können, gibt es neben den Ausnahmeregelungen auch Darlehen mit sehr geringem Zinssatz, die über bis zu 25 Jahre zurückgezahlt werden können.

Herr Minister, zum Schluss etwas mehr oder weniger Persönliches: Sie haben vor dem Studium eine Banklehre gemacht. Können Sie auch einem heutigen Abiturienten empfehlen, nach der Schule erst einmal etwas Praktisches zu machen?

Es ist sicherlich auch heutzutage nicht falsch, nach einer langen Zeit des Lernens und der Theorie in die Praxis einzusteigen. Sie sollten aber auch an die Möglichkeit eines dualen Studiums denken, die sich Ihnen als künftige Abiturienten bietet. Zu dieser Kombination aus Studium und Lehre gibt es vielfältige Angebote, vor allem von den Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Aber zu wissen, wie es wirklich in der Welt zugeht, indem man eine Lehre macht, das ist auch heute noch ein gültiger Satz.

Gilt das auch für die G9-Abiturienten, die mit einem sofortigen Studienbeginn der Konkurrenz durch die Doppeljahrgänge der nächsten entgehen könnten?

Im Endeffekt muss jeder selbst entscheiden, was für ihn richtig ist. Aber grundsätzlich gilt das natürlich auch für die G9-Abiturienten.

Video aus Archiv

Pressemitteilung StR Volker Bräu / Chiemgau-Gymnasium

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Region Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser