Obelisk wird seit fünf Wochen restauriert

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Traunstein - Ein Team von Restauratoren, Metallbauern und Kunsthistorikern arbeitet in Regensburg seit fünf Wochen an der Restaurierung des Traunsteiner Obelisken.

Das Denkmal wurde 1837 in der Maxhütte in Bergen gegossen und in Traunstein zum Gedenken an die Gefallenen der Napoleonischen Kriege aufgestellt. Mit der Aufgabe, den Obelisk für die Nachwelt zu erhalten, hat der Förderverein Alt-Traunstein einen der wenigen Fachbetriebe in Deutschland beauftragt, die auf den Erhalt und die Wiederherstellung von Metallobjekten spezialisiert sind. Über den Stand der Arbeiten informierten sich Vorsitzender Richard Kraft und zweiter Vorsitzender Maxi Burghartswieser bei einem Besuch in Regensburg. „Wir sind sicher, dass der Obelisk in guten Händen ist, und wir mit der Firma Haber & Brandner den richtigen Betrieb ausgewählt haben“, lautete das Fazit nach dem Rundgang durch die Werkstatt, in der 40 Mitarbeiter Statuen, Kriegerdenkmäler und Grabfiguren restaurieren.

Die Referenzen von Haber & Brandner lesen sich wie eine Liste der bedeutendsten nationalen Kulturdenkmäler. So hat der Fachbetrieb mit seinen Werkstätten in Regensburg und Berlin unter anderem an der Restaurierung von Schloss Herrenchiemsee, des Neuen Museums in Berlin und des Kölner Doms mitgewirkt. „Jedes Denkmal ist anders und erfordert eine ganz eigene Vorgehensweise“, erläuterte der Kunsthistoriker Maximilian Heimler. Er leitet in Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege die Arbeiten am Traunsteiner Obelisken, der als eines der ältesten Kriegerdenkmäler in Bayern gilt und deshalb unter Denkmalschutz steht. Seit der letzten Restaurierung, die vor 25 Jahren ebenfalls auf Initiative des Fördervereins Alt-Traunstein erfolgte, haben Wind und Wetter dem Denkmal stark zugesetzt. Die Schäden sind sogar mit bloßem Auge sichtbar: An vielen Stellen durchziehen tiefe Risse das Metall und auch die Ornamente befinden sich in einem kritischen Zustand. „Ein falscher Handgriff genügt und Eisen zerbricht in tausend Stücke. Hier ist von unseren Mitarbeitern wirklich Fingerspitzengefühl gefordert“, verdeutlichte Heimler den Besuchern aus Traunstein die Schwierigkeiten der Restaurierung. Insgesamt seien die Schäden – und damit der Arbeitsaufwand – größer als angenommen.

Erste Probleme gab es schon beim Abbau im Stadtpark, da der Sockel innen nicht wie erwartet eine Metallkonstruktion enthielt, sondern fast vollständig mit Ziegelsteinen ausgemauert war. Nur mit Hilfe des städtischen Bauhofs konnte der zwei Tonnen schwere Unterbau von der Bodenplatte gestemmt und zum Transport auf einen Anhänger verladen werden. In Regensburg waren noch einmal drei Tage Arbeit nötig, um die Seitenwände vom Mauerwerk zu entfernen. Inzwischen ist der Obelisk in seine Einzelteile zerlegt. Die Außenwände und Ornamente, die noch aus dem 19. Jahrhundert erhalten sind, werden für den Wiederaufbau verwendet Für die standsichere Aufstellung muss die Innenkonstruktion des Denkmals weitgehend erneuert werden. „Im Inneren haben wir so gut wie nichts Originales mehr gefunden“, berichtete Heimler. Allerdings habe der Obelisk nach dem Abbau auch einige Geheimnisse Preis gegeben. Aus dem Prägestempel, der nach dem Entfernen der Beschichtungen auf der Rückseite der Eisengussplatten sichtbar wurde, lässt sich ablesen, dass der Obelisk in der Maxhütte in Bergen gegossen wurde.

Aus der Oberflächenstruktur, in der Abdrücke von Sandkörnern sichtbar sind, können die Restauratoren auch rekonstruieren, wie der Obelisk im 19. Jahrhundert hergestellt wurde: Nach den Wünschen des Auftraggebers, dem „Verein der beabschiedeten Soldaten der königlichen bayerischen Stadt Traunstein“, fertigte ein Schreiner für jedes Gussteil zunächst eine Vorlage aus Holz. Im nächsten Arbeitsschritt wurde die Vorlage in Sand gedrückt, um eine Gegenform zu erzeugen, die dann mit flüssigem Eisen ausgegossen wurde. Nach dem Aushärten bemerkten die Arbeiter der Maxhütte, dass sie in der Sockelinschrift einen Buchstaben vergessen hatten. Wer genauer hinsieht, kann den ursprünglichen Text, der vor der Enthüllung des Denkmals korrigiert wurde, noch heute erkennen. Über all diese Details werden die Restauratoren eine ausführliche Dokumentation erstellen.

Im Moment widmen sie ihre Aufmerksamkeit aber ganz den über 150 Jahre alten Ornamenten, auf denen Schwerter, Gewehre und Fahnen dargestellt sind. Die Goldfarbe wurde bereits entfernt und eine neue Zink-Grundierung aufgebracht, um das Metall vor Rost zu schützen. Mit Pinsel und Spachtel arbeitet seit dieser Woche eine Restauratorin daran, kleine Unebenheiten im Metall auszugleichen. Wenn die Ornamente wieder neu vergoldet sind, werden sie zusammen mit Sockel und Spitze zurück nach Traunstein gebracht und der Obelisk im Stadtpark aufgebaut. Richard Kraft und Maxi Burghartswieser sind zuversichtlich, dass der Förderverein den Zeitplan einhalten kann und der Obelisk zum Volkstrauertag im November wieder auf seinem Platz vor der Kriegergedächtniskirche steht, um an die Gefallenen des Russlandfeldzuges von 1812 zu erinnern. Für den Feldzug stellten die mit Napoleon verbündeten Bayern ein 30.000 Mann starkes Kontingent, in dem auch Soldaten aus Traunstein dienten. Fast keiner der Teilnehmer kehrte zurück in die Heimat.

Mit der Restaurierung des Obelisken verwirklicht der Förderverein Alt-Traunstein ein weiteres Projekt unter seinem Motto „Eine Zukunft für Traunsteins Vergangenheit“.

Wer ihn dabei unterstützen möchte, kann auf das Konto 9340 bei der Kreissparkasse Traunstein (BLZ 710 520 50) eine Spende überweisen. Zuschüsse für den Erhalt des Obelisken geben auch die Stadt Traunstein, der Bezirk Oberbayern, das Landesamt für Denkmalpflege und die Bayerische Landesstiftung.

Pressemitteilung Stadt Traunstein

Quelle: chiemgau24.de

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