Heilig Abend in der Rettungswache

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Ihr Christbaum für den Heiligabend ist bereits geschmückt: Florian Zeltsperger, Andreas Brüchert und Helmut Frank (von links) halten sich am Heiligabend in der Traunsteiner Rotkreuz-Rettungswache bereit, um bei Notfällen innerhalb weniger Minuten zum Einsatzort eilen zu können.

Traunstein - Nicht jeder kann den Heiligen Abend geruhsam mit der Familie feiern. Drei Rettungssanitäter schieben an diesem Tag Nachtschicht:

Auf dem Tisch in der geräumigen Küche steht ein Racletteofen mit Pfännchen und verschiedenen Zutaten, wie Kartoffeln und Käse. Aus dem Radio erklingt weihnachtliche Musik und in der Ecke steht ein kleiner Christbaum. Vier Männer nehmen am gedeckten Tisch Platz und wollen gemeinsamen ein bisschen Weihnachten feiern – wenn die Piepser ruhig bleiben. Alle tragen ihre Einsatzkleidung, um bei einer Alarmierung sofort zum Rettungswagen eilen zu können. So oder ähnlich läuft der Heilig Abend in den sieben Rettungswachen des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) im Landkreis ab.

Für alle drei Männer des Roten Kreuzes ist der Nachtdienst am Heiligen Abend in der Traunsteiner BRK-Rettungswache nichts Neues: Andreas Brüchert, Helmut Frank und Florian Zeltsperger übernehmen ab sechs Uhr den Dienst von ihren Kollegen. Für die nächsten zwölf Stunden halten sie sich bereit, bei Alarmierung durch die Integrierte Leitstelle, wo alle Notrufe über die 112 eingehen, binnen weniger Minuten mit dem Rettungswagen und bei Bedarf mit dem Notarzt auszurücken. Andreas Brüchert und Helmut Frank sind junge Familienväter. „Meine Frau hat schon ein bisschen mit den Zähnen geknirscht“, verrät der 34jährige Brüchert, der sich zum Nachtdienst am Heiligen Abend freiwillig gemeldet hat. Bevor der blonde Rettungsassistent zur Rotkreuz-Rettungswache auf dem Traunsteiner Kasernengelände fährt, wird er am frühen Nachmittag mit seiner kleinen Familie – die Tochter ist acht Monate alt – ein bisschen Weihnachten feiern.

Einsätze mit Fingerspitzengefühl

Wie der Dienst am Heilig Abend abläuft, kann er nicht einschätzen. „Das ist sehr verschieden“, meint er, „es kann ganz ruhig sein und wir können ausgiebig essen oder die ganze Nacht besteht aus Einsätzen, sodass an Essen und Schlaf nicht zu denken ist.“ Von den Einsätzen her ist der Dienst am Heilig Abend für ihn Routine, doch es ist Fingerspitzengefühl gefragt. „Für viele ist dieses Datum ja ein hoher Feiertag und wenn wir im Notfall dann jemanden aus einer Familienfeier rausholen müssen, um ihn ins Krankenhaus zu bringen, versuchen wir, möglichst behutsam vorzugehen.“ Mit seinen beiden Kollegen und dem Notarzt, der mit den Rotkreuzlern den Heilig Abend in der Rettungswache verbringt, hat er sich für ein Raclette-Essen am Heilig Abend entschieden. „Da können wir bei einem Einsatz schnell alles ausschalten und später wieder weitermachen.“

Auch Helmut Frank aus Kirchweihdach, seit sechs Jahren hauptamtlicher Rettungssanitäter beim Roten Kreuz in Traunstein, hat sich zuerst mit seiner Frau beraten, bevor er seinen Namen im Dienstplan eingetragen hat. Seine Tochter ist knapp eineinhalb Jahre alt und geht kurz darauf ins Bett, wenn Papa die Wohnung verlässt. „Noch versteht die Kleine nicht soviel von Weihnachten und ich kann meine Kollegen, die ältere Kinder haben, entlasten.“

Er erinnert sich an verschiedene Notfälle am Weihnachtsabend, wie etwa Christbaumbrände. „Das bedeutet für uns meist Patienten mit Brandverletzungen – deshalb gibt es bei mir privat nur elektrische Kerzen.“ Vor wenigen Jahren war es brennendes Fonduefett, mit dem sich ein Mann die Hände schwer verbrannt hatte. „Häufig haben wir auch Fälle mit Herzproblemen oder Atemnot, die oft psychisch bedingt sind, weil gerade alleinstehende Menschen große Probleme am Heiligabend haben.“

Manchmal, so berichten die drei Männer, werden sie in dieser Nacht auch zu gewalttätigen Familienstreits gerufen, wenn sich die Angehörigen verletzt haben. „Dann müssen auch wir mit einer höheren Gewaltbereitschaft gegenüber uns Sanitätern rechnen. Das haben wir gerade an diesem Abend immer im Kopf.“ Mit Rettungssanitäter Florian Zeltsperger aus Traunstein ist das Team in der Traunsteiner Rotkreuz-Rettungswache an diesem Abend komplett. Er fährt in dieser Nacht den Notarzt mit einem eigenen Fahrzeug zum Einsatzort. Die private Weihnachtsfeier des jungen Traunsteiners findet einen Tag später mit der ganzen Familie bei der Oma in Siegsdorf statt.

Seine ersten Einsätze am Heiligabend erlebte Florian im vergangenen Jahr. „Die Familien waren sehr erleichtert als wir gekommen sind“, erinnert er sich. „Besonders aufpassen müssen wir in dieser Nacht mit unserem großen Notfallrucksack, damit wir mit ihm dem Christbaum nicht zu nahe kommen.“

Pressemitteilung BRK Kreisverband Traunstein

Quelle: chiemgau24.de

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