SPD-Fraktion fordert ein Umdenken

Landkreis - Zehn neue Stellen in der Jugendhilfe: Die SPD-Kreistagsfraktion unterstützt die Aufstockung, sieht aber auch Grenzen und fordert ein Umdenken.

Zehn neue Stellen werden im kommenden Jahr in der Jugendhilfe des Landkreises geschaffen. Auch das ein Indiz dafür, dass mit dem gesellschaftlichen Wandel die Arbeitslast für das Jugendamt stetig steigt. Die SPD-Kreistagsfraktion unterstützt grundsätzlich die Aufstockung, sieht aber auch Grenzen und fordert ein Umdenken. Eigentlich habe die steigende Arbeitslast der Gesetzgeber initiiert, so Jugendamtsleiter Franz Feil im Rahmen einer Infoveranstaltung. Die Bundesregierung reagierte damit auf die (vor allem in den Medien ausführlich thematisierten) Fälle von Kindesmisshandlungen und Kindstötungen, welche seit etwa 2005 ständig zugenommen hatten.

Mit dem am 1. Januar diesen Jahres in Kraft getretenen neuen Bundeskinderschutzgesetzes wurden zwar dem Kindesschutz eine neu umfassende Grundlage gegeben, aber damit natürlich auch die Arbeit für die Jugendämter deutlich erweitert. „Mehr Betreuung, mehr Begleitung, mehr Vor-Ort-Hilfe, mehr Sensibilität“, lautete die Devise des Gesetzgebers. Die Folge: eine deutliche Zunahme der Fallzahlen, da nun der Graubereich in den Fokus geriet. Letztlich konnten mit dem bestehenden Personal die neuen Pflichtaufgaben der meisten Jugendämter nicht mehr gestemmt werden. „Manche Mitarbeiter konnten sich z. B. nicht um den wichtigen Informationsaustausch mit den Tagesmütter kümmern“, erläuterte der Jugendamtsleiter.

So wie der Landkreis Traunstein mussten viele Kommunen nun reagieren und ihre Jugendhilfestellen aufstocken, erklärte Feil. Konkret bedeute dies für die Traunsteiner Jugendhilfe, dass insgesamt zehn neue Stellen nächstes Jahr besetzt werden müssen: Schwerpunkte bilden die Bereiche Hilfen zur Erziehung, Trennungs- und Scheidungsberatung sowie der Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdungen . Auf die Frage von Kreisrätin Elisabeth Holzner erläute Feil, dass aufgrund der ebenfalls deutlich zugenommenen Unterhaltsstreitereien auch das Jugendamt sich immer mehr mit Rechtsstreitigkeiten auseinandersetzen müsse.

Die Gründe für die Zunahme der Fallzahlen liegen aber auch im gesellschaftlichen Wandel. Die Probleme konzentrieren sich vor allem bei Alleinerziehenden und noch viel mehr Patchwork-Familien. „Gerade bei Patchwork-Familien gibt es vermehrt Konfliktpotenzial, das ist für uns ein neues Phänomen“, so Feil. Eine weitere Ursache für die Fallzahlzunahme sah Franz Feil in dem ureigenen Problem, dass „viele Kinder von ihren Eltern nicht mehr das Rüstzeug für eine gute Erziehung mitbekommen“. Für Stellvertretenden Landrat Josef Konhäuser stelle die Neunivellierung der Gesetzgebung erneut eine deutliche Verletzung des Konnexitätsprinzips dar. „Hier werden neue gesetzliche Rahmenbedingungen auf Bundesebene geschaffen, die letztlich die Kommunen zu finanzieren haben“, bemängelte er.

Mehr Augenmerk könnte seiner Meinung nach auch auf Synergieeffekte aus einer verstärkten Vernetzung mit karitativen und anderen gemeinnützigen Trägern gelegt werden. Fraktionssprecherin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner sah ein Problem auch in der eingeschränkten Handlungsfähigkeit des Jugendamtes, da über 90 Prozent der Fälle Pflichtaufgaben seien und man so eine Kostenreduzierung gar nicht in Angriff nehmen könne. Diese „Teufelsspirale“ zu durchbrechen, sah Fridolfings Bürgermeister Johann Schild als zentrales Ziel. „Hier wird ein gesellschaftlich verkehrter Weg eingeschlagen“, so Schild. Statt von staatlicher Seite immer mehr die gesellschaftlichen Defizite ausgleichen zu versuchen, würde er junge Familien verstärkt in die Pflicht nehmen, auch ihren Teil der Verantwortung zu leisten. Sinn mache seines Erachtens nach die Prävention. Und die könne sehr gut in der Schule beginnen. Auch hier würde man verstärkt aktiv werden, betonte Franz Feil. Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler mahnte jedoch auch hier zu verstärkter Vernetzung, da es neben der kommunalen Jugendsozialarbeit an Schulen die vom bayerischen Kultusministerium geschaffene Stellen der Schulsozialarbeit gebe. Beides müsste sich ergänzen und vor allem ihre Arbeit auch „sauber abgrenzen“, sonst werden hier Steuergelder in einem wichtigen Feld „unüberlegt verkleckert“.

Pressemitteilung SPD-Kreistagsfraktion

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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