Mordprozess: 12 Jahre wegen Totschlags

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Der Angklagte vor dem Landgericht Traunstein: Zwölf Jahre wegen Totschlags an einer 35-Jährigen.

Traunstein - Im Mordprozess gegen einen 22-jährigen Mühldorfer wurde vor wenigen Augenblicken das Urteil gesprochen: 12 Jahre wegen Totschlags.

Das Schwurgericht Traunstein hatte die Frage zu entscheiden, ob es sich bei der Tat in der Nacht von 1. auf 2. Januar dieses Jahres in Mühldorf um Mord oder Totschlag handelte. Die Kammer mit ihrem Vorsitzenden Richter Erich Fuchs entschied auf Totschlag, verurteilte den Auszubildenden aus Tüßling zu zwölf Jahren Haft und folgte damit insgesamt den Argumenten von Verteidiger Jörg Zürner aus Mühldorf. Dieser hatte lediglich acht Jahre Freiheitsstrafe beantragt.

Revision wird geprüft

Staatsanwalt Dr. Martin Freudling und der Rechtsanwalt der Nebenklage, Dr. Andreas Knoll aus Waldkraiburg, forderten in ihren Plädoyers jeweils eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Beschuldigten. Ihre Anklage richtete sich auf Mord. Der Angeklagte, der das letzte Wort vor den abschließenden Urteilsberatungen gehabt hätte, äußerte sich heute nicht mehr und schwieg. Ob die Staatsanwaltschaft in Revision zieht, wird noch geprüft.

Die Vernehmung des letzten Zeugen, jenes Taxifahrers, der den Angeklagten zum Tatort fuhr, brachte keine neuen Erkenntnisse mehr. Er verwies auf Erinnerungslücken ausgerechnet in einem wichtigen Punkt: Hegte der Angeklagte Tötungsabsichten gegen die Mutter des Opfers und sprach er darüber während der Taxifahrt? Diese Fragen konnten heute nicht abschließend geklärt werden.

Kein Mordmerkmal

Mord verneinte das Gericht, da das Opfer nicht arglos gewesen sei. "Sie kannte den Angeklagten und wusste, dass er aggressive Verhaltensweisen an den Tag legt", so der Vorsitzende Richter Erich Fuchs. Letztlich konnte das Gericht kein Mordmerkmal nachweisen. "Es gab ein permanentes Hin und Her - zwischen Streit und der großen Liebe", so Fuchs in seiner Urteilsverlesung.

Die Kammer rechnete dem Angeklagten strafmildernd an, dass er nach der Tat nicht geflüchtet ist, sich festnehmen ließ und stets geständig war. Dazu kamen laut Urteil eine "altersbedingte Unfreife" und eine "gewisse Alkoholisierung".

Staatsanwalt sah Heimtücke

Staatsanwalt Dr. Martin Freudling und Nebenklage-Rechtsanwalt Dr. Andreas Knoll sahen als Straftatbestand die Heimtücke in Verbindung mit niederen Beweggründen erfüllt. "Der Angeklagte handelte aus purer Wut heraus - und hatte diese nicht im Griff", so Freudling. Er wunderte sich darüber, dass sich das Opfer nicht gewehrt habe und glaube dem Angeklagten kein Wort. Der Staatsanwalt vermisste auch Reue oder ein Bedauern und sah stattdessen große Gefühlskälte beim 22-Jährigen auf der Anklagebank. Bei all den Widersprüchen "haben wir keine einzige Aussage des Angeklagten, deren Richtigkeit sicher ist", so die Staatsanwaltschaft. Auch Rechtsanwalt Knoll untermauerte und verurteilte die etlichen Umfaller des Angeklagten mit "vielen verschiedenen Versionen des Tathergangs".

Verteidiger Rechtsanwalt Jörg Zürner attestierte seinem Mandanten "fehlende intellektuelle Fähigkeiten, die es ihm nicht erlauben, Gefühle zu zeigen". Aufgrund des schwierigen Aufwachsens ohne Vater, verbunden mit einer gewissen Einfachheit, habe es der Angeklagte nie gelernt, Emotionen auszuleben. Zürner plädierte, dem Angeklagten das Geständnis und die Tatsache, keine Show im Gerichtssaal veranstaltet zu haben, zugute zu halten. Der Verteidiger war sich sicher, dass sein Mandant weder aus Eifersucht noch aus Heimtücke heraus gehandelt habe. Die Wut sprach er allein dem getöteten Opfer zu.

Aufgrund der aus seiner Sicht "fehlenden eindeutigen Klärung der Sachlage am Tatort" plädierte Jörg Zürner auf Totschlag und 8 Jahre Freiheitssstrafe für den Angeklagten. Laut Verteidiger sei nicht einmal die Anzahl der Stiche gegen die Getötete letztlich geklärt worden.

Angeklagter gab Tat stets zu

Der Angeklagte hatte bereits am ersten von insgesamt drei Verhandlungstagen eingeräumt, seine 13 Jahre ältere Freundin - diese Beziehung war von Streitigkeiten, Alkohol und auch Drogen begleitet - erstochen zu haben. Er gab an, einen Blackout gehabt zu haben, währenddessen er sich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Der Tat war ein heftiger Streit des Paares voraus gegangen. Ein Filmriss ergab laut Beschuldigtem seine widersprüchlichen Aussagen nach der Tat. Das Opfer war verblutet und am eigenen Blut erstickt.

Der Angeklagte befand sich bis heute in Strafhaft für frühere Vergehen, für die er bereits acht Vorstrafen erhielt. "Er hat jetzt lange Zeit, über die Tat und ihre Folgen nachzudenken", so Richter Erich Fuchs abschließend.

bit

Quelle: chiemgau24.de

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