SPD: Beim Abfallsystem umdenken

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Traunstein - Im Zuge des demografischen Wandels müsse man auch bei der Abfallwirtschaft über kurz oder lang umdenken müssen. Die SPD will verstärkt auf ein Holsystem setzen.

Auch die Abfallwirtschaft werde künftig unter dem Aspekt des demografischen Wandels neu geordnet werden müssen. Alte Menschen seien weniger mobil und damit auf Holdienste verstärkt angewiesen. Die SPD-Fraktion im Kreistag sieht daher die Zukunft der Abfallwirtschaft verstärkt im Holsystem. „Dennoch werden wir weiterhin Wertstoffhöfe brauchen“, betonte stellvertretender Landrat Josef Konhäuser.

Es wird ein neues „duales“ System in Zukunft geben müssen, so auch Fraktionsvorsitzende Waltraud Wiesholer-Niederlöhner. Das Holsystem auf der einen Seite, um der Ökologie und dem wachsenden Anteil weniger mobiler alter Menschen gerecht zu werden, sowie das spezialisierte Wertstoffhofsystem auf der anderen Seite, um sperrige Güter wie Sperrmüll oder Elektroschrott und natürlich Bauschutt und Grüngut möglichste dezentral entsorgen zu können. Beide Anforderungen werden seit Jahren von den Bürgern gefordert, so die Fraktionsvorsitzende. Und auch aus sachlichen Überlegungen heraus steht die SPD hinter diesem neuen Konzept. Mit dem Holsystem werden endlich die unzähligen „Müll-Taxis“, die tagtäglich durch den Landkreis unterwegs seien, weniger, so Monika Berlitz, Leiterin des Arbeitskreises Umwelt und Energie im SPD-Kreisverband. Weiterhin sind die Sammelquoten bei Holsystemen nahezu doppelt so hoch. Konhäuser sieht im Holsystem die Zukunft, auch aus betriebswirtschaftlichen Aspekten: „Die Privaten machen es vor. Wenn wir die Tendenz nicht erkennen, werden wir mit anderen Werststoffen dieselben Erfahrungen machen wie beim Papier.“ Außerdem sind Wertstofftonne und sortenreine Trennung in vielen anderen Ländern ausreichend erprobt – 80 Prozent des Mülls werden in andere Landkreisen mit dem Holsystem abgedeckt.

Dennoch will auch er die Wertstoffhöfe erhalten – nur mit Schwerpunkt auf sperrige oder besondere Wertstoffe. Um den Erhalt der Wertstoffhöfe müsse sich die Kommune kümmern, das Geld hierfür müsse der Landkreis stellen. Und der habe mit dem Dualen System Deutschland einen finanzstarken Geldgeber. „Jeder zahlt 28 Euro beim Einkaufen für den Grünen Punkt im Jahr, das sind bei 170.000 Landkreisbewohnern 4,5 Millionen Euro“, so Konhäuser. Eine Million Euro sollten da schon für die Abfallentsorgung im Landkreis abfallen. Traunsteins Altoberbürgermeister Fritz Stahl sprach sich für mehr Gebührengerechtigkeit aus und verwies auf das Beispiel der Grüngutentsorgung, bei der Familien in Mehrfamilienhäusern das Nachsehen haben. Und auch das Thema Sperrmüll sei für ihn noch keineswegs befriedigend gelöst: Wohnungsauflösungen, Umzugsreste und Möbelneukäufe führen zunehmends zu Altmüllentsorgung in Städten und Natur. „Den Leuten wird immer mehr Service weggenommen“, meinte auch Kreisvorsitzender Dirk Reichenau im Hinblick auf die Zukunft der Müllentsorgung – mit dem Holsystem und der Einführung einer grünen Tonne könnte man hier einiges kompensieren, was auch nicht auf die lange Bank geschoben werden sollte. Für Grassaus Bürgermeister Rudi Jantke ist der grenznahe private Mülltourismus in den Landkreis Rosenheim ein Beweis für die Defizite im eigenen Landkreis.

Reichenau machte noch auf eine Unterschriftenaktion „Mehr Kinderbetreuung statt Betreuungsgeld“ der Bayern-SPD aufmerksam. Mit einer Ganztagsbetreuungsquote von sechs Prozent sei Bayern das Schlusslicht bundesweit. Mit Einführung eines Betreuungsgeldes unterstütze man noch schärfer diesen Negativtrend und behindere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, so der Kreisvorsitzende.

Pressemitteilung SPD-Fraktion Traunstein

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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