„Wir gehen oft bis an unsere Grenzen...“

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Der Rettungshubschrauber Christoph 14.

Traunstein - Schnelle Hilfe aus der Luft: Der Rettungshubschrauber Christoph 14 ist seit 36 Jahren im Einsatz und hat im letzten Jahr mit 1605 Einsätzen einen neuen Rekord erreicht.

Schnelle Hilfe aus der Luft – dafür steht der orangefarbene Rettungshubschrauber Christoph 14 seit 36 Jahren. Mit der neuen Rekordzahl von 1605 Einsätzen im letzten Jahr stößt die Crew vor allem in den Ferienmonaten an ihre Grenzen. Neben den Piloten der Bundespolizei-Fliegerstaffel Süd in Oberschleißheim und den Notärzten aus dem Traunsteiner Klinikum zählen zum Team die sechs Luftrettungsassistenten, die vom Traunsteiner Kreisverband des Roten Kreuzes (BRK) für die Luftrettung bereitgestellt werden. Zudem ist das BRK offizieller Betreiber der Traunsteiner Luftrettungsstation, die auf dem Dach des Traunsteiner Klinikums stationiert ist.

Als die kleine Nicole aus Grabenstätt im Juni letzten Jahres mit ihrem Laufrad eine Treppe hinunter stürzte, setzte der Vater sofort einen Notruf ab. „Wir hatten große Angst, dass sich Nicole am Kopf verletzt hatte“, erinnert sich die Mutter. Innerhalb weniger Minuten landete der Rettungshubschrauber in der Nähe des Hauses. Nach einer gründlichen Untersuchung durch den Notarzt wurde das Mädchen mit dem Rettungswagen ins Klinikum transportiert. „Wenn ich jetzt irgendwo den Rettungshubschrauber sehe oder höre habe ich nur positive Erinnerungen“, so die Mutter. „Es ist ein sicheres Gefühl, dass es durch ihn schnelle Hilfe gibt.“

Hinter den beeindruckenden Einsatzzahlen von Christoph 14 stehen viel Organisation, Aus- und Fortbildung, die in Händen eines Führungsteams liegen. Dazu zählen Polizeihauptkommissar Markus Pabst als leitender Stationspilot, der gebürtige Überseer Dr. Markus Ewald als leitender Hubschraubernotarzt und Robert Portenkirchner aus Waging als leitender Luftrettungsassistent des Roten Kreuzes, oder in der Fachsprache Helicopter Emercency Medical Service Crew Member (HCM) genannt.

Bergeinsätze mit Rettungstau

Zu den über 1600 Starts im letzten Jahr zählen für Christoph 14 vor allem die Rettungseinsätze wie bei der kleinen Nicole, bei denen die Hubschrauber-Crew zu akuten Situationen alarmiert wird. Daneben gibt es sekundäre Einsätze, bei denen es sich um äußerst dringende Verlegungsflüge von Krankenhaus zu Krankenhaus handelt, um dem Patienten eine spezielle Versorgung zu ermöglichen. Wichtig sind auch die Flüge mit dem Rettungstau: Im vergangenen Jahr kam das Spezialseil 55 Mal zum Einsatz. Meist handelte es sich um Rettungen aus unwegsamem Gelände, wie in den Bergen, aus dichten Wäldern oder aus dem Wasser. Die vielen Starts und Landungen bedeuten vor allem für die Anwohner rund um das Traunsteiner Klinikum hohe Lärmbelastungen. „Einige wenige fühlen sich gestört und beschweren sich“, berichtet Pabst. „Es ist uns immer sehr wichtig, möglichst wenig Lärm zu machen – egal wo. Natürlich haben für die lärmgeplagten Nachbarn Verständnis – aber auf der anderen Seite bieten wir mit Christoph 14 schnelle Hilfe, die oft Leben rettet.“ 2007 startet erstmals der neue Christoph 14 – ein Eurocopter 135 T2i – bis heute einer der modernsten Rettungshubschrauber Europas. Seine technischen Daten sind beeindruckend: Die maximale Geschwindigkeit liegt bei 290 Kilometern pro Stunde. Dabei haben die Maschinen eine Turbinenleistung von zwei Mal 587 PS und mit einer Tankfüllung können sie bis zu 650 Kilometer zurücklegen. Durch seine Leistung hat der Rettungshubschrauber einen gewaltigen Einsatzradius von 70 Kilometern rund um Traunstein - auch im benachbarten Österreich wird Christoph 14 immer wieder von den zuständigen Leitstellen angefordert. Um einen lückenlosen Betrieb zu ermöglichen, sind für die Luftrettungsstationen Traunstein und Kempten drei baugleiche Maschinen im Einsatz.

Technik für Sicherheit und Notfall

Christoph 14 ist mit viel Technik ausgestattet: Zur medizinischen Ausrüstung gehört eine umfangreiche Kindernotfall-Ausstattung sowie neue leichte und handliche Beatmungsgeräte, die ideal für die Erstversorgung außerhalb der Maschine sind. Zudem befindet sich im Hubschrauber ein EKG, dessen Auswertung direkt auf die Intensivstation des angeflogenen Krankenhauses gesendet wird.

Ein Lasergerät unter der Kuppel des Hubschraubers warnt den Piloten vor Stromleitungen und Hindernissen. Im Winter ist an der Maschine zudem ein Lawinenortungsgerät montiert, das bei der Suche nach Verschütteten eingesetzt werden kann. „Trotz aller Technik gehen wir oft bis an unsere Grenzen“, so Chefpilot Markus Pabst. Dazu zählen Tage mit mehr als zehn Einsätzen, die von der Mannschaft alles fordern. „Manchmal kommen wir auch in schlechtes Wetter, das einen Weiterflug unmöglich macht.“ Dann entscheidet die Crew gemeinsam. „Bestimmte Grenzen wollen wir nicht überschreiten“, betont Pabst, „denn trotz der vielen Flüge ist es für uns alle keine Selbstverständlichkeit, dass wir nach dem Abheben auch sicher wieder landen.“

Pressemitteilung Bayerisches Rotes Kreuz/Kreisverband Traunstein

Quelle: chiemgau24.de

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