Lange Debatte und knappe Entscheidung zum Schulessen

Wie viel Bio muss es sein? Und ab wann wird's einfach zu teuer?

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Traunstein - Was soll auf den Tellern der Traunsteiner Schüler landen? Nach einer intensiven Debatte hat sich der Stadtrat nun zu einem Qualitätsstandard durchgerungen.

100 Prozent Bio-Geflügelfleisch muss ab dem kommenden Schuljahr in den Traunsteiner Schulen ausgegeben werden, beschloss der Stadtrat am Donnerstag. Doch müssen auch Beilagen und vegetarische Gerichte mindestens zu 50 Prozent biologisch angebaut worden sein? Das war in der Debatte der größte Streitpunkt - mit einer hauchdünnen Mehrheit von 11:10 Stimmen entschied man sich, dass hier keine verpflichtende Quote gilt und "nur" ein "möglichst höher Bio-Anteil angestrebt" wird.

Noch mehr Bio-Vorschriften wären teuer geworden

Eine weitere Bio-Vorschrift hätte dazu geführt, dass die Eltern pro Portion möglicherweise bis zu acht Euro zahlen müssen. "Es muss einfach bezahlbar bleiben, schließlich gibt es auch Eltern die mehrere Kinder in der Schule haben", so Oberbürgermeister Christian Kegel. Nach den beschlossenen Kriterien wird eine Portion maximal 4,50 Euro kosten, kleinere Portionen, z.B. in den Kindergärten, natürlich weniger. "Für sieben oder acht Euro können wir die Kinder gleich ins Wirtshaus zum Abo-Essen schicken", wurde von manchen Stadträten wiederholt an der Bio-Vorschrift kritisiert. 

"Massentierhaltung, Glyphosat, Bienensterben" - Stadtrat Thomas Stadler holte dagegen zum Rundumschlag aus und plädierte dafür, auch bei Beilagen und vegetarischem Essen mindestens 50 Prozent Bio vorzuschreiben. "Wir müssen den Kreislauf durchbrechen, dass die Bauern immer mehr unter Druck gesetzt werden. Irgendwann bekommen wir die Rechnung dafür." Die Gegenstimmen kamen am Donnerstag aus den Reihen der UW, der Grünen und der Traunsteiner Liste.

So geht es nun weiter

Der Qualitätsstandard war in den Monaten zuvor eigens mit einer Ernährungsexpertin ausgearbeitet worden, auch Schulleitungen, Eltern und Schülersprecher waren eingebunden. Fleisch soll es an acht der 20 Tage im Monat geben. Der Qualitätsstandard soll ab dem Schuljahr 2018/19 gelten und bei der Verpachtung der Schulküche in der Ludwig-Thoma-Schule zur Pflicht werden.

Doch die Kapazitäten der Schulküche - 250 Portionen - reichen nur für die Ludwig-Thoma- und die Kohlbrenner-Schule. Die Kindergärten am Klosterberg und in Kammer, sowie die Haslacher Grundschule werden auch noch im Schuljahr 2018/19 von den Maltesern beliefert, die Einrichtungen sind einverstanden. Derweil wird eine Ausschreibung vorbereitet, wer die Drei künftig mit dem Essen beliefern soll. Der festgelegte Qualitätsstandard soll dann aber bei der Ausschreibung gelten. 

Warum so umständlich? Die Vorgeschichte

So regeln Traunsteins Nachbarstädte die Schulspeisung

Dieses aufwändige Prozedere um die Schülerspeisungen ist notwendig, weil der Stadtrat im vorigen Sommer dafür stimmte, dass lieber ein Experte vor der nächsten Ausschreibung der Verpflegung bestimmen solle, was auf die Teller kommen darf und was nicht. Hintergrund war der Aufschrei bei manchen, dass die vorige Ausschreibung für die Kohlbrenner-Schule aus dem Jahr 2015 von den Maltesern gewonnen wurde. Deren Angebot war minimal günstiger als das der Traunsteiner Köchin Betty Diane - doch das Essen der Malteser wird gefroren aus etwa 400 Kilometer Entfernung in Baden-Württemberg geliefert und in Traunstein dann "nur" gegart.

Vor allem Oberbürgermeister Kegel bekam daraufhin "die volle Breitseite ab", wie er es selbst formulierte. "quer" (BR), "extra3" (NDR) und schließlich sogar Mario Barth (RTL) arbeiteten sich genüsslich an der Thematik ab. "Damit wir diese Diskussionen vermeiden können, machen wir es dieses Mal anders", begründete Kegel im vergangenen Jahr das jetzige Vorgehen. 

xe

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © Fotomontage pa/xe

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