"Er schwang sie wie eine Puppe durch die Luft"

Ex-Freundin bewusstlos gewürgt: Urteil gegen Schönauer verschärft

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Ein Foto des Angeklagten aus dem Prozess vor dem Landgericht im März 2017. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil gegen ihn, versuchter Totschlag, auf. Die brutalen Würgegriffe gegen seine Ex-Freundin könnten ihm nun ein schärferes Urteil einbringen.
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Traunstein/Berchtesgaden - Es war versuchter Mord an der Ex-Freundin! Der Fall gegen einen Schönauer musste vor dem Landgericht Traunstein neu aufgerollt werden - das Urteil am Freitag fällt schärfer aus als ein Jahr zuvor.

Update 13.50 Uhr: Das Urteil

Das Landgericht Traunstein hat das Urteil gegen den 48-jährigen Schönauer gesprochen: Er ist schuldig des versuchten Mordes an seiner Ex-Partnerin. Damit fällt das heutige Urteil schärfer aus, als noch vor einem Jahr - das damalige Urteil wurde vom Bundesgerichtshof aufgehoben und sah ihn "nur" des versuchten Totschlags schuldig. Hinzu kommen, ganz ähnlich wie im vorhergehenden Urteil, gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, versuchte Körperverletzung und versuchte Nötigung. 

Beim Strafmaß gibt es allerdings keine Veränderungen: Vier Monate und drei Jahre Haft sieht der vorsitzende Richter Klaus Weidmann als angemessen für die Tat im Juli 2016. Der 48-Jährige würgte seine Ex-Partnerin im Garten ihrer Berchtesgadener Wohnung bis zur lebensgefährlichen Bewusstlosigkeit: "Dann schwang er sie wie eine Puppe durch die Luft", so Weidmann. Der Schönauer ließ letztlich nur von ihr ab, weil Nachbarinnen tätlich eingriffen und mit der Polizei drohten. Das Gericht spricht klar von einem "unbedingten Tötungswillen".

Der Schönauer wirkte bereits während der Beweisaufnahme oft lässig, auch das Urteil hört er sich mit verschränkten Armen an, schüttelt vereinzelt mit dem Kopf: "Versuchen Sie Ihre Regungen so weit im Griff zu haben, dass die Würde des Gerichts hier erhalten bleibt", rügt ihn Richter Weidmann. Seine Ex-Partnerin brach während der Vernehmung immer wieder in Tränen aus, noch heute geht sie nicht ohne Messer aus dem Haus. 10.000 Euro Schmerzensgeld wurden ihr vom Gericht zugesprochen. 

Update 12.20 Uhr: Richterspruch verzögert sich

Gegen 12 Uhr sollte das Urteil fallen, doch am Traunsteiner Landgericht kommt es zu Verzögerungen. Mit dem Urteilsspruch von Richter Klaus Weidmann wird nun erst um 14 Uhr gerechnet. 

Unser Artikel vom Freitagmorgen:

Einen massiver Angriff mit über 40 Sekunden langem Halswürgen bis zur Bewusstlosigkeit brachte eine 48-jährige Angestellte in Berchtesgaden im Juli 2016 in konkrete Lebensgefahr. Der teilgeständige gleichaltrige Ex-Freund aus Schönau musste sich seit 20. März erneut vor dem Traunsteiner Landgericht verantworten. Am Freitag gegen 12 Uhr wird das Urteil erwartet, zuletzt wurden die Plädoyers gehalten. 

Die Plädoyers

Die Staatsanwaltschaft spricht von versuchtem Totschlag, Mordmerkmale konnte Staatsanwalt Pfeifer nicht erkennen. Außerdem solle der 48-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Sachbeschädigung verurteilt werden. Die Staatsanwaltschaft plädierte auf eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten

Eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren sah dagegen die Verteidigung als angemessen. Weil der Angeklagte vom Opfer abließ, als ihm von einer Nachbarin mit der Polizei gedroht wurde, sieht der Anwalt einen freiwilligen Rücktritt vom versuchten Totschlag. Außerdem habe sich der Angeklagte selbst der Polizei gestellt und die Taten "in einem nicht mehr beherrschbaren Affekt" begangen. Eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Sachbeschädigung sei angemessen. 

Ex-Freundin entging wohl nur knapp dem Tod 

Über die Arbeit lernte der 48-Jährige seine Ex kennen, sie zogen zusammen, doch schnell gab es Probleme und Eifersucht kam hinzu. Der Schönauer wollte im Juli 2016 seine Ex-Freundin in ihrer Wohnung in Berchtesgaden zur Rede stellen - dann entgleiste die Situation völlig. "Jetzt ist es soweit, ich bring' Dich um", soll der Mann ihr gedroht haben. Vor Gericht war er teilgeständig.

Im Streit soll der heute 48-Jährige seiner Ex büschelweise Haare ausgerissen haben, der Kampf ging schließlich im Garten weiter: Durch einen Würgegriff sei die Frau etwa 40 Sekunden bewusstlos gewesen, so die Staatsanwaltschaft. Gerichtsmediziner sprachen von "konkreter Lebensgefahr" für das Opfer. Eine Nachbarin kam der Frau schließlich zur Hilfe.

Helfende Nachbarin für XY-Preis nominiert 

"Wie eine Barbie-Puppe hat er sie an den Haaren hochgerissen und dann wie ein Wrestler wieder auf den Boden geschmissen", so die Zeugin im ersten Prozess im März 2017. Die Zeugin erinnerte sich an einen hasserfüllten Blick des Angeklagten und an gefletschte Zähne, als er in ihr Gesicht blickte. Als die Nachbarin mit der Polizei drohte, ließ der 48-Jährige von der Frau ab. Das rettete ihr wohl das Leben. Die Nachbarin wurde schließlich für einen Preis der ZDF-Sendung "Aktenzeichen xy" nominiert.

BGLand24.de wird aktuell vom Urteil aus dem Landgericht berichten.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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