Prozess um versuchte Tötung in Berchtesgaden

Urteil gefallen: Gericht folgt Staatsanwaltschaft

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Traunstein/Berchtesgaden - Er soll seine Ex bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben, Nachbarinnen konnten wohl Schlimmeres verhindern. Gegen einen 47-Jährigen aus Schönau ist das Urteil gefallen.

UPDATE, 16.50 Uhr: Das Urteil ist gefallen

Der angeklagte Schönauer muss für vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis - so lautet das Urteil des Gerichts mit vorsitzendem Richter Erich Fuchs. Der 47-Jährige ist schuldig des versuchten Totschlags, der Körperverletzung, der Sachbeschädigung, der versuchten Körperverletzung und der Nötigung. Das Gericht hält sich dabei an das Plädoyer der Staatsanwaltschaft - auch daran, dass der Angeklagte im Affekt gehandelt haben soll.

Eine Forderung des Verteidigers wurden dagegen nicht berücksichtigt: Er sah keinen versuchten Totschlag bei der Tat seines Mandanten am 22. Juli 2016. 

"Wir haben keinen Zweifel am Tötungsvorsatz, vor allem wegen der aggressiven Vorgehensweise des Angeklagten, dem Würgen bis zur Ohnmacht, bis die Herztätigkeit heruntergefahren worden ist", so Fuchs. Außerdem sei die Tat nur deshalb nicht vollendet worden, weil die Nachbarn eingegriffen hätten. Vom ursprünglich erhobenen Vorwurf des versuchten Mordes ist das Gericht - und auch die Staatsanwaltschaft - aber abgerückt.

Der Angeklagte bleibt, wie schon während des gesamten Prozesses, auch beim Urteil gefasst. Seine Haft wird nun nahtlos fortgesetzt, weil laut Richter Fuchs Fluchtgefahr bestehe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Angeklagte kann binnen einer Woche Revision einlegen.

UPDATE, 15.50 Uhr: Die Plädoyers

Staatsanwalt:

"Ich habe keinen Zweifel am Tötungsvorsatz des Angeklagten - er brachte es auch immer wieder zum Ausdruck. Außerdem hat der Angeklagte auch nach dem Dazwischengehen der Nachbarin wieder angesetzt", beginnt der Staatsanwalt sein Plädoyer. "Hätten die Nachbarinnen nicht eingegriffen, wäre die Geschädigte wohl nicht mehr am Leben."

Aber es gäbe auch Gründe, dass der Angeklagte aus Schwäche gehandelt habe, aus Angst, dass er seinen Job verlieren könnte. Für den Angeklagten spricht in den Augen des Staatsanwaltes sein Einräumen der Tat, seine bisherige Straffreiheit, eingewilligte Schmerzensgeldzahlungen an die Geschädigte und dass er sich nach der Tat bei der Polizei gestellt hat.

"Gegen den Angeklagten spricht, dass sich die Geschädigte in konkreter Lebensgefahr befand. Sie wurde mindestens 40 Sekunden lang gewürgt und hat noch heute davon körperliche Beeinträchtigungen und befindet sich in psychologischer Behandlung", so der Staatsanwalt. Sein Plädoyer: Vier Jahre und drei Monate Haft wegen versuchter Tötung, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung, versuchter Körperverletzung und Sachbeschädigung. Die Nebenklage schließt sich dieser Forderung an.

Verteidiger:

Der Verteidiger wiederholt in seinem Plädoyer zuerst die unglücklichen Umstände der Trennung zwischen seinem Mandanten und dessen Ex-Partnerin: Schulden, Enttäuschungen, Eifersucht. Die Sicht des Verteidigers auf das Tatmotiv ist aber unterschiedlich: "Mein Mandant hatte keinen Tötungsvorsatz. Er fuhr zur Geschädigten, weil er die Konflikte vom Arbeitsplatz klären wollte", so der Verteidiger.

"Mein Mandant hätte auch weitermachen können, als die Nachbarinnen schon da waren, doch er hat von der Geschädigten abgelassen", führt der Verteidiger ins Feld. Überhaupt habe der 47-jähriger Schönauer im Affekt gehandelt, sei deshalb vermindert schuldfähig. Als Straftatbestände bleiben für den Anwalt gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, versuchte Körperverletzung und Nötigung übrig. Drei Jahre Haft sollte er bekommen, meint der Verteidiger.

Für die letzten Worte erhebt sich der Angeklagte: "Es tut mir alles unsagbar leid, das hat meine Ex-Partnerin nicht verdient."

Das Gericht mit vorsitzendem Richter Erich Fuchs hat sich nun kurzfristig doch dazu entschieden, das Urteil noch heute zu fällen. Es wird für 16.30 Uhr erwartet.

UPDATE, 13.25 Uhr: Aussagen von Gerichtsmediziner und Gutachterin

Wie knapp die geschädigte Ex-Partnerin dem Tod von der Schippe gesprungen ist, beschreibt nun ein Gerichtsmediziner: Schon das "massive" Würgen und die anschließende Bewusstlosigkeit beschreibt der Rechtsmediziner als "konkret lebensgefährlich". Die Griffe bezeichnet er "wie einen Schraubstock".

Dass sie der Angeklagte im bewusstlosen Zustand dann auch noch herumgeworfen hat - "wie ein Wrestler", wie es eine Zeugin beschrieb - sei zusätzlich lebensgefährlich gewesen: Denn im bewusstlosen Zustand hätte die Geschädigte umso schneller beispielsweise einen Genickbruch erleiden können.

"Er ist überdurchschnittlich intelligent und nicht schizophren. Bleibt die Frage nach einer Persönlichkeitsstörung oder einer Depression", beginnt schließlich die psychologische Gutachterin. Sie beschreibt ihn als selbstsicher, heiter und optimistisch, doch im Rahmen der Trennung hätte er es mit Depressionen zu tun bekommen.

Außerdem erwähnt sie, dass der 47-jährige Angeklagte nur eine längere Beziehung hatte - die Geschädigte war zum Zeitpunkt des Kennenlernens dann dagegen das "i-Tüpfelchen", nachdem er im Berchtesgadener Land auch seinen Traumjob gefunden hatte. Umso härter hätten ihn die Trennung und die Probleme am Arbeitsplatz getroffen.

Inwieweit war der Angeklagte während der Tat vielleicht vermindert schuldfähig? Manches spreche dagegen, manches dafür - denn der Angeklagte beschrieb sich während der Tat "wie in einem Tunnel". Auch die Aussagen der Nachbarinnen, die der Geschädigten zu Hilfe kamen, beschrieben ihn in einer Ausnahmesituation ("gefletschte Zähne"), aus der er erst "erwachte", als eine der Nachbarinnen das Stichwort "Polizei" gab. Nach der Mittagspause werden die Plädoyers gehalten.

UPDATE, 12 Uhr: Mehrere Zeugen wurden vernommen

Genauso ruhig und gefasst wie der 47-Jährige Schönauer heute wieder auf der Anklagebank sitzt muss er sich auch kurz nach der Tat verhalten haben: "Er war komplett normal, komplett ruhig und hat ganz normal gesprochen", so einer der Kripo-Beamten, der ihn kurz nach der Tat in Berchtesgaden vernommen hat. Anders stellte sich die Vernehmung der Geschädigten heraus: Sie war sichtbar im Gesicht und am Hals verletzt, "sie war ziemlich durch den Wind", so der Zeuge. Auch sie ist als Nebenklägerin heute wieder im Gerichtssaal.

Weitere Zeugen beschreiben schließlich die internen Konflikte am Arbeitsplatz zwischen dem Angeklagten und der Geschädigten - es hätten sich "Lager" gebildet, die sich jeweils auf die eine oder die andere Seite schlugen. Auch die Beziehungsprobleme zwischen den beiden bekamen die Arbeitskollegen mit. "Er hat geklammert, wie ich es noch nicht gesehen habe", so ein Arbeitskollege: "Für ihn war die Trennung schwieriger als für seine Partnerin."

Mit den Worten "Ich habe Scheiße gebaut, ich wollte sie umbringen", hat sich der Angeklagte direkt nach der Tat auch an eben diesen Arbeitskollegen gewandt. Er hat den 47-Jährigen zur Berchtesgadener Polizei begleitet. "Kreidebleich" sei er zuerst im Gesicht gewesen, "so habe ich ihn noch nie erlebt." Erst nachdem er mit seiner Anwältin gesprochen hat, noch vor dem Geständnis bei der Polizei, habe sich der Angeklagte wieder beruhigt.

Als weitere Zeugen werden psychologische Gutachter erwartet, auch die Plädoyers werden in dem Fall heute noch gehalten. Ein Urteil wird wohl aber erst am Dienstag fallen.

Vorbericht:

"Wie eine Barbie-Puppe hat er sie an den Haaren hochgerissen und dann wie ein Wrestler wieder auf den Boden geschmissen", schilderte eine Nachbarin am vergangenen Prozesstag vor dem Landgericht Traunstein. Ein 47-Jähriger, wohnhaft in Schönau, muss sich dort wegen versuchter Tötung seiner Ex-Partnerin verantworten.

Er soll seine Ex-Partnerin in Berchtesgaden im Juli 2016 unter anderem bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben. Die Hintergründe waren wohl Eifersucht und Konflikte am gemeinsamen Arbeitsplatz. "Sie fühlten sich in Ihrer Männlichkeit beschädigt und wollten sich an Ihrer Ex rächen", drückte es der vorsitzende Richter Erich Fuchs aus. 

Der Angeklagte leugnete die Tat nicht, könne sich aber nicht mehr genau erinnern. Er sei wie in einem Tunnel gewesen, so sein Verteidiger. Eine Nachbarin versuchte den Mann noch von seiner Ex-Partnerin herunterzuzerren, erst als eine zweite Nachbarin mit der Polizei drohte, ließ er von ihr ab. 

Vor dem Landgericht werden heute unter anderem noch ein psychologisches Gutachten, Zeugen der Polizei sowie die Plädoyers erwartet. Auch mit einem Urteil könne gerechnet werden, stellte Richter Fuchs in Aussicht

BGLand24.de wird ab 9 Uhr aus dem Traunsteiner Landgericht berichten.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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