Verkehrssicherheitstage in Traunstein

Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr

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Im Überschlagsimulator übten die Berufsschüler das Befreien aus dem Sicherheitsgurt, wenn das Auto einmal auf dem Kopf stehen sollte.

Traunstein - Junge Autofahrer sind überproportional oft an Unfällen beteiligt. Deshalb fanden an der Berufsschule II Verkehrssicherheitstage zur Aufklärung der Schüler statt.

An der Staatlichen Berufsschule II in Traunstein wurden heuer Verkehrssicherheitstage veranstaltet, an denen rund 500 Berufsschüler teilnahmen. Organisiert hatten die Veranstaltung Oberstudienrat Markus Grießenböck und Studienrat Marco Baumann. Die Verkehrssicherheit sei ein wichtiges Thema, betonte der ständige Vertreter des Schulleiters, Studiendirektor Helmut Götzinger, gegenüber den in der Turnhalle versammelten Berufsschülern. Es habe auch an dieser Berufsschule schon einige Verkehrsunfälle gegeben, bei denen Schüler ums Leben gekommen seien.

„Wenn man den Führerschein macht, kann man noch nicht Autofahren“

Aufgrund der Altersstruktur der Berufsschule befänden sich viele Schüler im Führerscheinalter und führen ein eigenes Auto. „Wenn man den Führerschein macht, kann man noch nicht Autofahren“, sah Götzinger das Problem. Man müsse aufpassen, brauche Übung und überschätze sich manchmal. Am meisten seien die Burschen betroffen, weil sie Autos „mit einem Haufen PS“ hätten und den Mädels zeigen wollten, wie schnell sie fahren könnten. „Dass jemand aufgrund seiner eigenen Fahrweise ums Leben kommt, muss aber nicht sein“, schrieb ihnen Götzinger ins Stammbuch.

Im Aufprallsimulator „rasten“ die Berufsschüler mit 10 bis 12 km/h auf ein stehendes Hindernis. Vorher erhielten sie von den Mitarbeitern der Kreisverkehrswacht eine eingehende Einweisung.

Lehrrettungsassistent Robert Hauptenbuchner vom Bayerischen Roten Kreuz machte deutlich, wie sehr ein Verkehrsunfall das Leben durch gesundheitliche Einschränkungen im Beruf und im Privatleben verändern kann. Mit Fotos und Filmen schilderte er die Folgen des Gesetzes von Newton, wonach Energie nicht vernichtet, sondern nur umgewandelt oder übertragen werden kann. „Nicht angeschnallt zu fahren bedeutet, das Risiko für schwerste Verletzungen in Kauf zu nehmen“, betonte er. Deshalb war sein Appell und Anliegen: „Fahrt einfach nicht zu schnell. Ihr werdet nicht alles verhindern können, aber ihr habt es ein Stück weit in der Hand.“

Alkohol- und Drogenkonsum kann auch ohne Auto teuer werden

Über Alkohol, Drogen und Geschwindigkeit referierte Polizeihauptkommissar Johann Mayer. Die Polizei kontrolliere nicht um der Kontrolle willen, sondern um Verkehrsunfälle zu verhindern, betonte er. Leider ließen sich die Menschen nicht nur durch gutes Zureden ändern. In der Folge ging Mayer auf die verschiedenen Promillegrenzen und Strafen sowie die Notwendigkeit einer Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) bei Alkoholfahrten sowie bei Drogenkonsum ein.

Er machte deutlich, dass unabhängig von Verkehrsverstößen, auch auffälliger Alkohol- und Drogenkonsum sowie Gewalt- und Roheitsdelikte bei der Führerscheinstelle von der Polizei gemeldet werden würden. Diese könne dann bereits den Erwerb des Führerscheins ablehnen, oder nur unter Auflagen wie einer MPU zulassen. Bei der MPU werde vom Gutachter untersucht, ob die Begutachtete zukünftig sinnvoll und verantwortungsbewusst am Straßenverkehr teilnimmt, oder ob grundsätzlich Zweifel daran bestehen. „Dies ist problematisch, weil der Gutachter in den meisten Fällen Abstinenz für den Rest des Lebens erwartet“, erklärte Hans Kurz von der Fachambulanz für Suchtkranke der Traunsteiner Caritas. Davon müsse man den Gutachter aber erst überzeugen. „Die MPU ist daher kein Spaziergang. Man muss sich gründlich darauf vorbereiten“, so Kurz. Über vier Urin- bzw. Haartests müsse die Person zudem nachweisen, dass sie ein Jahr lang abstinent gelebt habe. Die Kosten für eine MPU richteten sich nach der Fragestellung. Zusammen mit den Urin- bzw. Haarproben und dem Vorbereitungskurs würden Kosten zwischen 2.000 bis 2.500 Euro zusammen kommen.

Lerneffekt mittels Simulatoren

Auf unterschiedliche Verkehrssituationen, die auf einem Bildschirm erschienen, mussten die Berufsschüler im Motorradsimulator reagieren.

Auf dem Pausenhof der Schule hatten die Kreisverkehrswachten Traunstein und Berchtesgadener Land Aufprall- und Überschlagsimulatoren aufgebaut, in denen die Schüler am eigenen Leib die Wucht eines „harmlosen“ Aufpralls von 10 bis 12 km/h auf ein stehendes Hindernis und die Notsituation erleben konnten, wie man sich kopfüber aus einem Sicherheitsgurt befreit. Außerdem standen Fahrsimulatoren von Motorrad und Auto zur Verfügung, bei denen via Bildschirm unvorhergesehene Verkehrssituationen bei unterschiedlichen Fahrbahnzuständen eingespielt und die Reaktion der Schüler erfasst wurden. Ein Bremssimulator maß die Reaktionsgeschwindigkeit beim Bremsen. Auf ein akustisches Signal hin mussten die Schüler auf die Bremse treten. Dann erklärte ihnen Johannes Schmauß von der Traunsteiner Kreisverkehrswacht den Reaktions-, Brems- und Anhalteweg.

Peter Harnecker von der Kreisverkehrswacht Berchtesgadener Land unterstrich die Notwendigkeit solcher Verkehrssicherheitstage an Schulen, da die Verkehrsteilnehmer zwischen 18 und 20 Jahren überproportional an den Verkehrsunfällen und auch an den Verkehrstoten beteiligt seien.

bjr

Quelle: chiemgau24.de

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