Verhandlung wegen versuchten Mordes

Opfer: "Ich wurde zuerst am Kopf verletzt!"

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Traunstein - Ein 24-Jähriger hat sich am Montag wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht verantworten müssen. Die Polizisten belasteten den Angeklagten schwer.

UPDATE, 13.20 Uhr:

Ein Urteil wird heute nicht mehr fallen. Für den 9. und 16. Dezember wurden weitere Verhandlungstage angesetzt.

UPDATE, 11.45 Uhr:

Der Geschädigte selbst ging in seiner Aussage im Detail auf den Angriff ein. Der Angeklagte sei am Tattag gegen 9 Uhr zu ihm gekommen und habe über Bauchschmerzen geklagt. "Ich habe ihn dann am Bauch abgetastet und gemerkt, dass er sehr angespannt war. Als ich ihn gefragt habe, warum er so angespannt ist, hat er mich angegriffen." Die ersten Verletzungen habe er am Kopf zugefügt bekommen. Anschließend habe er sich mit den Armen geschützt. "Ich dachte, dass er mich mit einem Kugelschreiber angreift." Spätfolgen habe er von dem Angriff nicht davongetragen: "Ich hatte Glück!"

UPDATE, 10.55 Uhr:

Die beiden Polizeibeamten, die zuerst am Tatort eintrafen, machten danach ihre Aussagen. Sie hätten den Angeklagten in einem Telefonzimmer in der Klinik angetroffen: "Wir haben ihn durch die Glastür der Telefonzelle aufgefordert, seine Waffen auf den Boden zu werfen und seine Oberbekleidung auszuziehen, damit wir sehen konnten, dass er keine Waffen mehr bei sich trägt. Es hat sich dabei sehr kooperativ verhalten." Auch gegen die anschließende Festnahme habe er sich nicht zur Wehr gesetzt. "Er hat gemeint, dass er den Arzt töten wollte, um ins Gefängnis zu kommen", so einer der Beamten weiter.

UPDATE, 10.25 Uhr:

Der ermittelnde Beamte der Kripo Rosenheim machte anschließend seine Angaben vor Gericht. Er erklärte, dass der Angeklagte erst wenige Tage vor der Tat nach Gabersee eingeliefert worden sei. Nach einer Auseinandersetzung mit der Mutter, bei der er ihr mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen habe, habe er selbst um eine Einlieferung in das Innsalzach-Klinikum gebeten.

"Er soll damals gesagt haben, dass er sonst alle umbringt zuhause", so der Zeuge. In der Klinik habe er sich allerdings dagegen geweigert, seine Medikamente einzunehmen. Als die Ärzte ihm eine Zwangsmedikation in Aussicht stellten, habe er den Beschluss gefasst, den diensthabenden Stationsarzt zu töten. "In der Vernehmung nach der Tat hat er zugegeben, dass er den Arzt getötet hätte, wenn ihn niemand davon abgehalten hätte."

UPDATE, 9.45 Uhr:

Der 24-jährige Angeklagte wollte zunächst am ersten Verhandlungstag keine Angaben zu seiner Person oder zur Tat machen. Daher trat die 5. Strafkammer nach der Anklageverlesung sofort in die Beweisaufnahme ein. Der Psychiater Dr. Cornelis Stadtland verlas zunächst sein Gutachten zur Biografie des Angeklagten. Demnach habe der 24-Jährige in seiner Kindheit nicht unter Misshandlungen oder sexuellem Missbrauch zu leiden gehabt. In der Schule habe er Probleme mit seinen Mitschülern gehabt und sei wie ein Außenseiter behandelt worden.

Der Vorbericht:

Im Mai soll ein Patient des Inn-Salzach Klinikums seinen behandelnden Arzt mit einem Messer angegriffen und dabei mit zahlreichen Schnitten und Stichen verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft in Traunstein legt dem Handeln des Angeklagten dabei niedrige Beweggründe und Heimtücke zur Last, weshalb der 24-Jährige aus dem nördlichen Landkreis wegen versuchten Mordes angeklagt wird.

Zahlreiche Stich- und Schnittverletzungen

Pressemeldung der Polizei zum Messerangriff im Mai

Am 11. Mai soll der Angeklagte in einem Behandlungszimmer der Klinik in Gabersee einen 35-jährigen Arzt unvermittelt mit einem kurze Zeit zuvor entwendeten Besteckmesser attackiert haben. Seine Angriffe sollen sich dabei hauptsächlich auf den Kopf- und Halsbereich des Mediziners konzentriert haben. Laut Angaben der hinzugerufenen Polizeibeamten soll es dabei jedoch nur zu leichten Verletzungen kommen sein. Der Arzt sei zum Zeitpunkt des Angriffs alleine mit dem Patienten im Raum gewesen sein. Nachdem der Verletzte aus dem Behandlungszimmer entkommen war, soll ihm der Angeklagte gefolgt sein um ihn weiter mit dem Messer zu traktieren. Eine weitere Person, die dem Arzt auf dem zur Hilfe geeilt war, soll dabei ebenso vom Angeklagten verletzt worden sein. Erst nach der Unterstützung durch weitere Personen vor dem Behandlungszimmer, soll der 24-Jährige dann schließlich von seinem vermeintlichen Vorsatz abgelassen haben. Noch mit dem Messer in der Hand konnten die mittlerweile dazugekommenen Polizisten den Angeklagten dann festnehmen.

Für die Verhandlung vor der Strafkammer des Landgerichts Traunstein sind insgesamt drei Verhandlungstage angesetzt.

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © pa / dpa

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