Vergewaltigte Trostberger einen jungen Mann?

Falschaussage des Opfers? Gutachterin nimmt Stellung

Traunstein/Trostberg - Ein 42-Jähriger soll einen jungen Mann zwei Mal vergewaltigt haben - er ist ausgerechnet der Sohn seiner Verlobten, die er zur Not auch im Gefängnis heiraten will. Jener befremdliche Prozess wird heute fortgesetzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Spermaspuren des Angeklagten bei Geschädigten gefunden
  • Mutter des Geschädigten will Angeklagten heiraten
  • Angeklagter konsumierte Drogen und Alkohol am Tatabend
  • Gutachterin beurteilt Glaubhaftigkeit

Update, 17 Uhr: Gutachterin beurteilt Glaubhaftigkeit

Es wird vom rechtspsychologischen Gutachten berichtet. Dieses fokussiere sich auf die Aussagen des Geschädigten. Dabei gehe es nicht um die Frage, ob der damals 19-Jährige gelogen habe oder nicht. Sondern ob seine Schilderungen wirklich passiert sein könnten.

Aufgrund seines familiären Umfeldes könne man "destruktive Impulse" nicht ausschließen. Zudem gebe es ein paar Widersprüche bei den Aussagen des Geschädigten und den Zeugen. Auf einen Streit zwischen dem Angeklagten und dem damals 19-Jährigen deute nichts hin, vielmehr könne Eifersucht eine mögliche Rolle gespielt haben. Die erste Aussage des Geschädigten spreche dennoch gegen eine "gänzliche Falschaussage". Aber dem mutmaßlichen Opfer wäre viel Skepsis entgegengebracht worden, das eine Eigendynamik ausgelöst haben könnte.


"Der erste Vorfall Ende Mai ist qualitativ ergiebiger als der zweite Vorfall", so die Gutachterin. Diesen hätte er bei der Polizei kurzfristig konstruieren müssen. Allerdings seien die Aussagen sehr schlüssig gewesen, wie es aus einer Alltagssituation zu einem Übergriff gekommen sein könnte. Manche Schlüsselmomente seien qualitativ gut, andere dagegen sehr inkonstant.

Abschließende Beurteilung der Gutachterin ist, dass wohl keine gänzliche Falschaussage vorliege. Aufgrund der Unfreiwilligkeitsdynamik könne man partielle Falschaussagen aber nicht ausschließen.

Update, 16.02 Uhr: Alkohol, Drogen und Vorstrafen

Richter Erich Fuchs verliest die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchung. Demnach wurden dem 42-jährigen Mann aus Pakistan Alkoholkonsum und THC nachgewiesen. Dabei hatte der Angeklagte einen Promillewert von 1,1 Promille. Zusätzlich wurde darauf hingewiesen, dass sich die Wirkung bei gleichzeitiger Einnahme verstärken kann.

Zudem wurde der Angeklagte bereits zwei Mal wegen sexueller Nötigung verurteilt. Auch wegen unerlaubten Besitz von Betäubungsmittel wurde der Asylbewerber bereits verurteilt.

Der Rechtsmediziner berichtet von der körperlichen Untersuchung des Geschädigten, die er am 9. Juni durchgeführt hatte. Insgesamt gebe es nur "diskrete Hinweise" auf die Tat. Im Bereich der Handgelenke gebe es kleinere Befunde, die man jedoch nicht eindeutig auf ein Festhalten zuordnen konnte. Zusätzlich wurden Hämatome und kleinere Kratzer festgestellt.

Als nächstes folgt ein Gutachten, dass die Glaubhaftigkeit des Geschädigten zu den Geschehnissen darlegen soll.

Update, 14.10 Uhr: Mutter des Geschädigten will Angeklagten heiraten

Es offenbaren sich nun auch die schwierigen Familienverhältnisse. Die Mutter ist mit dem Beschuldigten verlobt und will den Angeklagten weiterhin heiraten. Doch aufgrund fehlender Dokumente müsse die Hochzeit bis auf Weiteres verschoben werden. Von ihrem Aussageverweigerungsrecht macht sie nicht Gebrauch.

Das Verhältnis zu ihrem Sohn sei schwierig. "Er ist psychisch belastet, er hat viel erlebt", so die Mutter. Sie könne sich das alles gar nicht erklären, hätte am 6. Juni nichts mitbekommen. Ihr Verlobter habe sie gefragt, ob er mit ihrem Sohn alleine reden soll, da es diesem offenbar nicht gut ging. Daraufhin sei sie in die Küche, habe aufgeräumt und sogar die Wäsche gemacht. Für fünf Minuten habe sie die Wohnung verlassen, um die Katzen vor der Tür zu füttern. Die anderen zwei Gäste hätten sich während der vermeintlichen Tat am 6. Juni im Schlafzimmer aufgehalten.

Auf die Tatsache, dass Spermaspuren ihres Verlobten bei ihrem Sohn gefunden worden sind, antwortet sie: "Ich kann mir das alles nicht erklären". Ihr Verlobter sei an diesem Abend angetrunken gewesen, aber auch nicht mehr.

Update, 13.37 Uhr: Bruder: "Da müssten Drogen im Spiel gewesen sein"

Nun kommen unter anderem der Bruder und der Vater des Geschädigten zu Wort.

Sein Bruder sei "innerlich zerstört gewesen" als er von diesem Vorfall gehört habe. In einem Gespräch zwischen den Brüdern habe der Geschädigte gesagt, der Angeklagte hätte ihn zwei Mal erst geküsst und anschließend vergewaltigt. Er verstehe allerdings nicht, warum sein Bruder nicht um Hilfe geschrien hat. Der Geschädigte habe sich aber offenbar bedroht gefühlt und hätte Angst gehabt. Für seinen Bruder sei der ganze Vorfall sehr seltsam: "Da müssten Drogen im Spiel gewesen sein".

Nun berichtet der Vater von der Tatnacht am 6. Juni 2019. "Als ich meinen Sohn in der Nacht gesehen habe, war er sehr durcheinander". Der Vater des Geschädigten sei allerdings "irritiert gewesen, dass es die anderen Personen in der Wohnung nicht mitbekommen haben." Ansonsten könne der Vater nicht viel zum Vorfall sagen, da er ihn nur zur Polizei gebracht hätte.

Als nächstes werden die Mutter des Geschädigten und Verlobte des Angeklagten sowie eine Zeugin, die am 6. Juni 2019 auch in der Wohnung anwesend war, zur Sache befragt.

Update, 10 Uhr: DNA-Spuren belasten Angeklagten

Der Prozesstag beginnt mit der Zeugenaussage eines Polizisten, der die Vernehmung mit dem damals 19-jährigen Geschädigten durchgeführt hat. Dabei habe der Geschädigte auf den Beamten einen sehr ängstlichen Eindruck gemacht. 

Der Sohn der Verlobten des Angeklagten berichtete, er sei zwei Mal vom 42-Jährigen in der Wohnung seiner Mutter vergewaltigt worden. "Das wird beim Jungen einen bleibenden Eindruck hinterlassen", glaubt der Beamte. Zudem habe er das Gefühl, dass der Geschädigte "völlig hilflos" gewesen war.

Als nächstes wird das rechtsmedizinische Gutachten vorgetragen. Dabei konnten viele DNA-Spuren des Angeklagten im Intimbereich und der Unterwäsche des Geschädigten eindeutig nachgewiesen werden.

Da einige Zeugen bisher noch nicht anwesend sind, gibt es eine kurze Pause.

Vorbericht

"Ich hatte Todesangst und keine Chance, er ist ja auf mir gelegen", so ein heute 20-Jähriger am jüngsten Verhandlungstag dem Traunsteiner Landgericht. Er berichtete Ende Mai und am 6. Juni 2019 vergewaltigt worden zu sein - vom Verlobten seiner Mutter. Der Angeklagte ist ein 42 Jahre alter Pakistani, der als Asylbewerber in Trostberg lebt. 

Die Vergewaltigungen sollen jeweils in der Wohnung der Frau passiert sein: einmal im Bad und einmal im Wohnzimmer, als sich die Mutter des Opfers gerade mit Gästen in anderen Räumen der Trostberger Wohnung aufhielt. Nach den mutmaßlichen Taten verlobte sich der Angeklagte mit der Mutter des Opfers: "Ich will sie heiraten, auch wenn ich im Gefängnis sitze", so der Angeklagte vor Gericht. Sein Wunschtermin wäre dieser Freitag, der 14. Februar. 

Der 42-Jährige wollte sich selbst nicht zur Tat äußern: kein Geständnis, kein Leugnen. Doch es gibt eindeutige DNA-Spuren, die belegen, dass die beiden Männer Geschlechtsverkehr hatten. Unter anderem wurden beim Anus-Abstrich beim Geschädigten DNA-Spuren des Angeklagten gefunden. "Ich bin nicht homosexuell", beteuerte das Opfer im Gericht. Nach den Vergewaltigungen sei er "innerlich kaputt" gewesen, noch heute befindet sich der junge Mann in psychologischer Behandlung. 

Am Dienstag sollen Gutachter und auch der Vater des Geschädigten gehört werden. Weitere Prozesstermine sind für den 17. und 21. Februar angesetzt. 

Die Verhandlung vor dem Traunsteiner Landgericht beginnt um 9 Uhr. chiemgau24.de berichtet aktuell aus dem Gerichtssaal.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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