Prozess vor dem Traunsteiner Landgericht

Zehnjährige sexuell missbraucht: Waldkraiburger verurteilt

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Traunstein/Waldkraiburg/Burgkirchen - Am Dienstag musste sich ein 33-jähriger Waldkraiburger wegen Kindesmissbrauchs vor dem Traunsteiner Landgericht verantworten. Der Mann wurde zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt mit einer Bewährungszeit von fünf Jahren.

Update 13.25 Uhr: Urteil gegen Waldkraiburger

Das Gericht befindet den Mann für schuldig des schweren sexuellen Missbrauchs. Richter Klaus Weidmann verliest die Anweisungen. So wird der Verurteilte angewiesen, sich bei eventuellem Wohnungswechsel bei der Polizei zu melden. Er darf sich während der Bewährungszeit von fünf Jahren nicht mehr mit Mädchen unter 14 Jahren alleine in einem Raum aufhalten. Weiter wird der Mann angewiesen, sich einer entsprechenden Behandlung zu unterziehen. Zur Stieftochter besteht für ihn Kontaktverbot.

Richter Klaus Weidmann führt zur Urteilbegründung aus, dass der Täter gewusst hat, wie alt die Stieftochter ist. Verminderte Schuldfähigkeit liegt laut Gutachten nicht vor. Weiter stützt sich das Gericht auf das Geständnis. Das Eindringen des Fingers in den Genitalbereich stellt vor dem Gesetz eine "beischlafähnliche Handlung" und damit schweren sexuellen Missbrauch dar. Der Chatverlauf sei ambivalent zu sehen. 

Weiter führt Weidmann die Bedeutung des Geständnisses aus. Es ist laut Weidmann wichtig für einen "Täter-Opfer-Ausgleich". Würde es das Geständnis nicht geben, wäre das Urteil weit höher ausgefallen. Die Gesamtstrafe beträgt ein Jahr und zehn Monate. Die Bewährungszeit beträgt fünf Jahre. Weidmann dazu: "Grundregel ist kurz gesagt: Nix mehr anstellen". 

Das Urteil ist nach allseitigem Rechtsmittelverzicht rechtskräftig.

Update 12.54 Uhr: Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung

Die Staatsanwältin hebt in ihrem Plädoyer das Geständnis des Angeklagten hervor. Die Schäden beim Opfer seien kaum abzusehen, hätte das Mädchen vor Gericht aussagen müssen. Strafverschärfend sei die Art und Weise, wie der Täter gehandelt hat und auf das Kind eingewirkt hat. "Es war eine auf Dauer angelegte Tat, das Kind zu entjungfern" wird die Nebenklägervertreterin später sagen, "um Dauerhaft mit dem Kind ´Spaß´ zu haben, wie er im Chat geschrieben hat." Die Staatsanwältin fordert mit der Vorstrafe eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren mit einer Bewährung von fünf Jahren.

Der Verteidiger verweist auch auf das Geständnis des Angeklagten und hebt die besondere Bedeutung in diesem Prozess hervor: Die Geschädigte muss nicht aussagen und dem Gericht wurde damit die Findung der Wahrheit erleichtert. Weiter geht er auf den Chat ein. So sei das Mädchen zwar biologisch 10 Jahre alt war, die Sprache aber die eines weit entwickelten Kindes. Der Verteidiger fordert eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten mit einer Bewährung von fünf Jahren.

"Mir tut das alles wahnsinnig leid", sagt der Angeklagte zuletzt. Die Verhandlung wird unterbrochen. Das Urteil soll am frühen Nachmittag verkündet werden.

Update 11.30 Uhr: "Ist unser Geheimnis."

Alle Prozessbeteiligten kommen überein, auf mehrere Zeugen zu verzichten. Darunter ist auch das Mädchen.

Als Beweismittel wird der Verlauf eines WhatsApp-Chats des Angeklagten mit dem Opfer in Augenschein genommen und auszugsweise verlesen. "Das tut einmal richtig weh und dann nie mehr" hatte der Angeklagte dort unter anderem geschrieben. "Ist unser Geheimnis." Der Täter und die Geschädigte hatten sich bei der Mutter verabredet.

Gutachten zum Angeklagten und Opfer werden verlesen. Die Anforderung für eine Strafverschiebung beim Angeklagten ist nicht gegeben. Es folgt die Verlesung der Vorstrafen. So gibt es ein Urteil gegen den Angeklagten, das fähig ist, Einfluss auf das zu erwartende Urteil zu haben.

Die Beweisaufnahme wird geschlossen. Die Plädoyers beginnen.

Update 10.38 Uhr: Verlesung der Anklage

Der Prozess vor der Jugendschutzkammer des Landgerichts Traunstein beginnt. Die Anklageschrift wird verlesen. Derer nach hat sich der Angeklagte in drei tateinheitlichen Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs an einem Kind - unter 14 Jahren - schuldig gemacht.

Der Vorsitzende Richter Klaus Weidmann informiert, dass die Geschädigte nach Erhalt der Ladung deutlich erklärte, auf keinen Fall vor Gericht zu kommen und aussagen zu wollen. Aufgebautes Vertrauen in der neuen Umgebung des Mädchens sei in Gefahr. Weiter gebe es laut Weidmann Probleme bzgl. des Zeugnisverweigerungsrechts sowie der Belastung, unter der das Mädchen dann möglicherweise eine verzerrte Wahrheit aussagen könnte.

Nach transparenter Erörterung unter allen Prozessbeteiligten - die fand bereits im Vorfeld statt - erläutert Weidmann zwei formale Möglichkeiten des Verfahrens an. Im Zentrum steht dabei das Kind. In einer folgenden Aussprache erklärt der Anwalt des Angeklagten, dass diesem sehr daran gelegen sei, das Verfahren noch heute zu Ende bringen zu wollen

Der Verteidiger verliest im Folgenden Erklärungen zur Person des Angeklagten sowie zur Sache. Der Angeklagte hat währenddessen den Kopf tief gesenkt. Der Verteidiger verliest ein umfassendes Geständnis des Angeklagten zum Hauptanklagepunkt. Zudem erkläre sich der Angeklagte, sich in psychiatrische Behandlung zu begeben.

Die Staatsanwältin beantragt auf die Einlassung des Angeklagten, die Strafverfolgung der anderen beiden Fälle fallen zu lassen. Damit sind alle Prozessbeteiligten einverstanden.

Vorbericht

Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf schweren sexuellen Missbrauch und vorsätzliche Körperverletzung in drei Fällen. Die Taten sollen sich im Zeitraum von Mitte bis Ende Mai 2016 zugetragen haben. In zwei Fällen, bei denen der Tatzeitpunkt noch nicht feststeht, soll es im Keller des von ihnen in Burgkirchen bewohnten Hauses zum Geschlechtsverkehr gekommen sein. In einem Fall, am 30. Mai 2016 nahm er nachts im Badezimmer sexuelle Handlungen an dem Kind vor. In diesem Fall kam es jedoch nur wegen seiner mangelnden Erektion und dem Einschreiten der Mutter nicht zum Geschlechtsverkehr. 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Paketzusteller vor, in allen drei Fällen in Kauf genommen zu haben, dass das Kind erhebliche Schmerzen im Genitalbereich erleiden musste. Für den Prozess sind drei Verhandlungstage am Dienstag, Mittwoch und Freitag angesetzt

Erst am vergangenen Dienstag hat das Landgericht Traunstein einen Mann aus Altötting wegen Anstiftung zum sexuellen Missbrauch von philippinischen Kindern via Internet zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Für sieben Jahre und neun Monate musste außerdem ein Traunreuter ins Gefängnis, der sich im Oktober des vergangenen Jahres vor Gericht verantworten musste. 29 Mal hat der 28-Jährige seine Stieftochter sexuell missbraucht und dabei fotografiert und gefilmt.

innsalzach24.de berichtet am Dienstag aktuell aus dem Traunsteiner Landgericht.

hs/rw

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / Patrick Pleul (Symbolbild)

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