Zweiter Prozesstag gegen Messerstecher von Neumarkt-St. Veit

Zeugen belasten Angeklagten schwer - Prozess unterbrochen

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Traunstein/Neumarkt-St. Veit - Nach einer brutalen Messerattacke auf zwei Frauen im Juni 2016 muss sich der mutmaßliche Messerstecher von Neumarkt-St. Veit vor Gericht verantworten. Das passierte am zweiten Prozesstag:

UPDATE, 13.10 Uhr:

Der Prozess wurde für den heutigen Donnerstag unterbrochen. Am Freitag, den 17. März, soll die Verhandlung fortgesetzt werden.

UPDATE, 12.15 Uhr: Notruf wurde vorgespielt

Gerade wurde der Notruf vorgespielt. Ein kurzes Telefonat, anders als die Zeugin zuvor angegeben hatte. Sie will von einem "langen" Telefonat wissen. Welchen genaue Bedeutung das hat, ist so noch nicht klar. Es ist der Sohn der Krankenschwester zu hören, der relativ gefasst kling auf der Aufnahme, klare Angaben macht zum "Was wann wo", und wie er auf die Fragen des Polizisten antwortet.

Weiter wurden Polizeibeamte, die bei der Festnahme dabei waren, befragt. Der Prozess wurde unterbrochen.

Die Tatwaffen

UPDATE, 11.25 Uhr: Zeugin ist zu 100 Prozent sicher

Jetzt werden weitere Zeugen gehört. So berichten zwei Nachbarinnen von ihrem Erlebten an jenem Tag im Juni letzten Jahres. Eine beschreibt, wie sie kurz vor 16 Uhr noch die beiden Opfer bei sich zu Gast hatte. Dann habe sie mit ihrem Sohn ins Freibad fahren wollen und auf dem Weg dorthin, noch im Brunnenweg habe sie den späteren Täter noch gesehen. Er sei mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, habe noch gegrüßt. Wie bereits bei der polizeilichen Vernehmung angegeben, sei sie sich auch im Gerichtssaal beim Anblick des Angeklagten zu 100 Prozent sicher, dass er der Mann war, den sie in der Nähe des späteren Tatortes gesehen hatte.

Die weitere Nachbarin war Ersthelferin. Sie sei durch das laute Schreien der Opfer aufmerksam geworden, ist den beiden mit ihrem Sohn entgegen gerannt. Der habe dann gleich einen Notruf abgesetzt. Da sie von Beruf Krankenschwester ist, konnte sie die Verletzung, die sie bei den Opfern gesehen hatte, deutlich bis drastisch beschreiben. Von offenen Wunden sprach sie, von frei liegenden Arterien. "Ich habe gewusst, was ich da sehe." Schnell war dann ein weiterer Nachbar da und brachte saubere Küchentücher zum Abdrücken der Wunden. "Ich hatte große Angst, dass die mir wegsterben."

Weiter geht es bei dieser Zeugin um das Telefonat. Denn nachdem der Notruf abgesetzt war, ging der Beamte am anderen Ende der Leitung erste wichtige Fragen zu Täter und Tat durch.

UPDATE, 11 Uhr: Kripo-Beamter als Zeuge

Zuerst sprach der zuständige Beamte der Kriminalpolizei Mühldorf und stellte dem Gericht die gesammelten Erkenntnisse der Spurensicherung vor. Nach einer grundsätzlichen Vorstellung der Örtlichkeiten beschrieb er detailliert, was die Beamten noch am Tag der Tat vor Ort in dem Haus in Neumarkt-St. Veit gefunden haben, insbesondere die Blutspuren. Auf diese legten die Kammer, die Anklage und Verteidigung besonderes Augenmerk. Es geht dabei um die Frage, ob die Tropfen entstanden, als die Opfer saßen oder ob die Opfer in Bewegung dabei waren. Letzteres ist laut Kripobeamten nur bei einer Spur sicher zu sagen.

Weiter berichtete der Beamte unter anderem über die Waffen, die Kleidung von Täter und der beiden Opfer und die jeweiligen Spuren von DNA und Blut, und welche Rückschlüsse man daraus ziehen kann. So seien an dem langen Rasiermesser eindeutig DNA-Spuren beider Opfer zu finden gewesen. Auch ging er auf den Festnahmeort ein. Dort - auf einem verlassenen Bauernhof - konnte sich der Täter offenbar mit anderer Kleidung versorgen.

Ebenso stellte der Beamte ein Splitterfeld an zerbrochenen Glases vor, was offenbar als Hinweis auf einen versuchten Suizid des Täters zu werten ist.

Während der Ausführungen des Kripo Beamten, stehen alle Anwälte und Sachverständige am Richtertisch. Links daneben der Angeklagte. Stoisch ruhig und mit gesenktem Kopf hört er der Übersetzerin zu. Hin und fasst er sich mit einer Hand an die Fingernägel der anderen.

Nach den Ausführungen des Kripo Beamten fragt Richter Erich Fuchs den Angeklagten noch einmal, ob er Aussagen machen will. Über seinen Anwalt lässt der wissen, dass er bei seinem Recht bleibt, die Aussage zu verweigern.

Im Moment gehen die Zeugenbefragungen weiter.

Vorbericht:

Ein Rasiermesser mit einer Klingenlänge von sieben Zentimeter. Das ist die Waffe, um die es geht. Mit diesem Messer soll der Angeklagte am Nachmittag des 27. Juni 2016 in den Garten eines Hauses in Neumarkt-St. Veit eingedrungen sein und eine Bewohnerin des Hauses, die nichtsahnend auf der Terrasse saß, angegriffen haben.

"Der Angeschuldigte trat von hinten an die Geschädigte heran und packte sie mit der linken Hand an den Haaren und hielt ihr das Rasiermesser an die rechte Halsseite", so die Staatsanwaltschaft unter anderem am ersten Prozesstag. Mit dem Eintritt in die Hauptverhandlung sprachen die beiden Geschädigten Frauen (Mutter und Tochter) zum Erlebten.

Am Donnerstag sollen weitere Zeugen gehört werden.

Quelle: chiemgau24.de

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