Am 13. Dezember um 20 Uhr

Wiener Kabarettist und Schauspieler Roland Düringer mit seinem Programm "Weltfremd?" in Traunstein

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Traunstein - Der bekannte österreichische Kabarettist und Schauspieler tritt mit "Weltfremd" am Dienstag, den 13. Dezember im Kulturhaus Chiemgau in Traunstein auf. Seit Jahrzehnten ist Roland Düringer mit seinen erfolgreichen Kabaretts, wie dem "Regenerationsabend" oder "Ich – ein Leben" unterwegs und konfrontiert sich und das Publikum mit unbequemen Fragen.

Viele kennen ihn in der Rolle des verzweifelten Häuslbauers Herbert in dem österreichischen Kinohit von 1999: "Hinterholz 8". Roland Düringer ist in der Austria-Kabarett- und -Comedyszene ein Name, der mit Alfred Dorfer und Josef Hader in einem Atemzug genannt wird. Kein Zufall, dass die drei gute Freunde sind.

Doch Roland Düringer hat zuletzt vor allem damit Aufsehen erregt, dass er neben und auf der Bühne andere Wege geht. Er verzichtet auf bargeldloses Bezahlen, Handy, E-Mail, Fernseher, meidet Supermärkte, isst selten Fleisch und nutzt nach Möglichkeit öffentliche Verkehrsmittel. Der 53-Jährige wohnt auch nicht mehr in seinem Haus, sondern in einem daneben stehenden 28 Quadratmeter großen Wohnwagen.

Auf der Bühne geht es folglich konsequenterweise um eine Frage: "Weltfremd?" Und die stellt Roland Düringer am Dienstag, 13. Dezember, ab 20 Uhr im Kulturhaus Chiemgau in Traunstein.

Interview mit Roland Düringer

Herr Düringer, trifft man ins Schwarze, wenn man sagt, dass Sie früher in Ihren Bühnenprogrammen unterhalten haben und heute wachrütteln wollen?

Roland Düringer: Nicht ganz. Auch meine Programme von früher, wie Hinterholz 8 oder Benzinbrüder, haben schon immer einen ernsten Hintergrund gehabt – auch da geht es um Existenzen, die verschwinden. Es war immer ein zentrales Thema meiner Arbeit, dass ich mir ein menschliches Biotop angeschaut hab und auch das Leid, das entsteht. Das habe ich dann eben mit meiner Art aufbereitet.

Mit „meiner Art“ sagen Sie. Das heißt natürlich in erster Linie lustig. Aber wohl auch extrem. Würden Sie das bestätigen, dass Sie sowohl in Ihren Rollen als auch im alltäglichen Leben ein extremer Mensch sind?

Roland Düringer: Na ja, was ist ein extremer Mensch? Wenn ich was mache, dann mach ich es richtig. Damals bei meinem Programm Superbolic hab ich mich mit Sportlern auseinander gesetzt, bin Radrennen gefahren und hab dann wirklich zwei Jahre lang meinen Körper auftrainiert – wenn ich was mach, dann will ich es wirklich ganz machen.

Das damals waren ja quasi Phasen, Sie haben sich in ein bestimmtes Programm hineingelebt. Jetzt aber kann man sicher nicht von einer Phase sprechen – das, was Sie jetzt auf der Bühne aussagen, ist ja eine Sache, die Sie zuinnerst bewegt.

Roland Düringer: Ich habe wohl eine Gabe. Ich kann mich auf die Bühne stellen und zwei Stunden Geschichten erzählen. Und ich finde, wer eine Gabe hat, der hat auch eine Verpflichtung. Wenn man beispielsweise besonders groß gewachsen ist, zwei Meter meinetwegen, dann hat man die Verpflichtung, den kleinen Leuten oben aus dem Regel was runterzuholen. Nun habe ich, wie jeder, meine Lebensreise. Und auf dieser Reise beschäftige ich mich in den letzten 15 Jahren mehr mit Fragen wie „Wer bin ich eigentlich?“, „Was ist der Mensch?“, „In was für einem Verhältnis steht der Mensch zur Natur?“. Das interessiert mich als Roland Düringer privat sehr – und das trage ich jetzt nach außen.

Das tun Sie im Programm mit dem Titel „Weltfremd?“. Und in genau diesem geht es ja um Bewusstseinsveränderung. Hat Sie das eigentlich auch Sympathipunkte gekostet, dass sie jetzt Gewissensfragen aufwerfen?

Roland Düringer: Das hat mich sicherlich Sympathiepunkte gekostet, keine Frage. Ich habe heute ein deutlich kleineres Publikum als früher. Dreitausender-Säle waren damals ganz normal – jetzt kommen halt mal 150, mal 400 Leut‘. Die breite Masse kann ich mit dem, was ich jetzt mache, nicht mehr erreichen. Aber die, die jetzt kommen, die kommen ganz bewusst. Und die wissen, dass es jetzt ans Eingemachte geht.

Ans Eingemachte? Heißt das, es entsteht die Gefahr der persönlichen Betroffenheit?

Roland Düringer: Irrsinnig viele Menschen sind heute zerrissen und wissen nicht, wo die ganze Reise eigentlich hinführt. Es gibt so viele Unsicherheitsfaktoren rundherum – da ist dann so ein Gefühl von Ohnmacht da. Wir sind irgendwie alle auf der Suche nach einem guten Leben, und wir merken: Wenn wir so weitermachen, dann wird das nichts mehr. Damit beschäftige ich mich auf der Bühne. Mit Verantwortungsbewusstsein. Also ja, die Gefahr besteht.

Nehmen Sie folglich so etwas wie einen inneren Auftrag mit auf die Bühne?

Roland Düringer: Wenn ich von mir meine, eine Bühnengabe zu haben, dann geht damit, wie erwähnt, eben auch eine Verpflichtung einher. Wenn ich zurückblicke, dann hab ich immer nur genommen und bekommen von den Menschen – jetzt kann ich, wenn auch nicht allen, so doch einigen, etwas zurückgeben. Ich lese alte philosophische Bücher, ich lese den Watzlawick, ich studiere ein bisserl den Buddhismus. Ich schau mir alles an, was es so gibt auf dieser Welt, und versuche das dann in möglichst einfachen Worten und Geschichten auf der Bühne so zu bringen, dass es jemand versteht, der sich noch nie damit beschäftigt hat. Vielleicht stößt dann einer durch das, was ich auf der Bühne sage, auf das Original.

Wann haben Sie eigentlich die Begabung für die Bühne für sich entdeckt?

Roland Düringer: In der Schule. Im Deutschunterricht hat es Referate zu halten gegeben. Und ich hab die immer so gestaltet, dass alle ihre Gaudi gehabt haben. Alle haben sich gefreut, dass ich das Referat halte – und ich hab mich gefreut, dass sich alle anderen freuen. Und da hab ich gemerkt: Das kann ich.

Kommt der Roland Düringer, den man von der Bühne kennt, eigentlich manchmal durch, wenn Sie mit Freunden im Heurigen sitzen?

Roland Düringer: Nein, wer mich nur privat kennt, käme nie auf die Idee, dass ich ein Schauspieler bin. Einen Schauspieler erkennt man schon von weitem, bei mir ist das nicht so. Da würde man eher vermuten, ich bin ein Dachspengler.

Sie sind am 13. Dezember im Traunsteiner Kulturhaus zu Gast. Mögen Sie die bayerische Bühne?

Roland Düringer: Ich bin gern in Bayern. Aber es gibt tatsächlich eine magische Grenze. So im Dunstkreis des Salzburger Raumes funktioniert es für mich noch, aber München ist für mich eigentlich schon nicht mehr interessant. Wenn ich zum Beispiel im Lustspielhaus in München auftrete, ist die Hälfte der Gäste Österreicher, die in München leben. Ein gutes Beispiel ist mein Film Hinterholz 8, der in Österreich ein absoluter Erfolg war – in Deutschland hat er nicht funktioniert. Ich war damals in Hamburg bei der Kinoprämiere, da wurde er mit deutschen Untertiteln versehen – das sagt einiges. Aber die Regionalgrenzen muss man einfach anerkennen.

Alfred Dorfer und Josef Hader versuchen sich aber doch immer wieder durchaus erfolgreich in Deutschland.

Roland Düringer: Ja, aber die schreiben ihre Programme auf Hochdeutsch um. Das mach ich nicht.

Welche bayerischen Kabarettisten oder Komiker taugen Ihnen?

Roland Düringer: Eher die Älteren. Gerhard Polt hat mir immer gut gefallen, aber auch Georg Ringsgwandl. Micheal Mittermaier find ich auch sehr lustig.

Letzte Frage, Herr Düringer – sind Sie persönlich subjektiv glücklicher als beispielsweise vor zehn Jahren?

Roland Düringer: Nein. Ich war damals glücklich – und ich bin heute auch glücklich. Ich bin nur jetzt mit anderen Dingen glücklich. Mit Dingen, wo ich weiß, ich richte damit keinen Schaden an. Damals war ich mit einem Sportauto glücklich, heute bin ich es mit einem Spaziergang durch den Wald.

Vielen Dank für das Gespräch. Und viel Erfolg in Traunstein.

Roland Düringer: Ja, ich freu mich schon. Hoffentlich kommen ein paar Leut‘.

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Tickets erhalten Sie im Vorverkauf über InnSalzachTicket, Media Markt Traunstein und an der Abendkasse.

Weitere Informationen unter www.kulturhaus-chiemgau.de und 0861/90967666.

Hier finden Sie das Kulturhaus-Chiemgau in Traunstein:

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Quelle: chiemgau24.de

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