31-jähriger Schnaitseer gesteht alle Taten

Vergewaltigungsopfer: "Ich dachte, jetzt ist es vorbei"

+
Der Angeklagte (re.) mit seinem Verteidiger im vergangen Jahr auf der Anklagebank. 
  • schließen

Traunstein/Schnaitsee - Obwohl sich die Frauen wohl längst gewehrt hätten, soll ein 35-jähriger Schnaitseer mit seinen Sado-Maso-Praktiken nicht aufgehört haben. Wegen Vergewaltigung steht er nun vor Gericht.

Update, 14 Uhr: Große Wende vor Gericht

Große Wende vor Gericht: Der Angeklagte gesteht alle Vergewaltigungen, die ihm hier vorgeworfen werden. Aber nicht nur das: Auch die zwei Vergewaltigungen aus einem früheren Verfahren, das bereits bis vor den Bundesgerichtshof ging, gibt er jetzt zu. Der Prozess gegen den Schnaitseer wird damit einfacher und wohl auch kürzer.

Welche Strafe dem Schnaitseer drohen könnte, wird auch schon ersichtlich. Nach einem langen Rechtsgespräch ließ das Gericht durchblicken, dass mit einer Haftstrafe von bis zu sechs Jahren und drei Monaten gerechnet werden könnte. Die Staatsanwaltschaft schlägt eine Haftstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten vor, die Verteidigung schlägt vier Jahre inklusive einer Therapie für ihren Mandanten vor.

Im Gegenzug wird das erwähnte ältere Verfahren aus dem Jahr 2017, das in Revision ging, eingestellt: Zum einen, weil die jetzigen Vorwürfe schwerer wiegen, zum anderen, weil es das ganze Verfahren vereinfacht. Auch der vierte, heute angeklagte Fall - Vergewaltigung durch erzwungenen Analverkehr - wird in dem Zug eingestellt. Trotzdem werden auch diese Fälle vom Gericht berücksichtigt und in einen späteren Urteilspruch miteinfließen.

Ein Kripo-Beamter, der die Frauen vernommen hat, berichtet aber jetzt von ihren Aussagen. "Er hat mich angeschaut wie ein Wahnsinniger", soll eine der Frauen von einem Treffen mit dem Angeklagten berichtet haben. Zwischen den beiden gab es mehrere Sex-Dates, die wohl immer heftiger wurden.

Die Frau musste Ohrfeigen einstecken, der Angeklagte spuckte ihr bei dem Treffen ins Gesicht, mit Kabelbindern wurde sie gefesselt. Den Oralverkehr mit einem Mundspreizer führte der Schnaitseer bis zum Erbrechen durch - die Frau stand kurz vor der Bewusstlosigkeit: "Ich dachte, jetzt ist es vorbei", sagte sie gegenüber der Kriminalpolizei. "Je mehr ich erbrach, umso geiler fand er es. Ich ließ es dann einfach über mich ergehen." Von den Bissen in ihre Brüste hat sie heute noch mit Knoten unter der Haut zu kämpfen.

Die Verteidiger Markus Frank und Harald Baumgärtl haben mit zwei der drei Opfer Schadenersatzzahlungen ausgehandelt: 13.000 Euro bzw. 10.000 Euro erhalten die beiden Frauen jeweils. Der dritten Frau werden 1.000 Euro als Schadenersatz angeboten.

Der Prozess wird am 26. März fortgesetzt, dann soll unter anderem ein psychiatrischer Gutachter über den Schnaitseer aussagen.

Update, 10 Uhr: Staatsanwältin listet Sex-Praktiken des Angeklagten auf

Schwere Vergewaltigung, gefährliche und vorsätzliche Körperverletzung: Deshalb steht ein 35-Jähriger aus Schnaitsee heute vor Gericht. Er wurde bereits im Mai 2018 wegen Vergewaltigung verurteilt, doch die Revision war erfolgreich - das Urteil wurde vom Bundesgerichtshof Anfang des Jahres aufgehoben. Es soll neu verhandelt werden. In der Zwischenzeit meldeten sich aber vier weitere Frauen bei der Polizei und zeigten ihn ebenfalls wegen Vergewaltigung an.

Vier Fälle mit teils harten sadistischen Sexpraktiken legt die Staatsanwaltschaft dem Mann zur Last. Die Frauen sollen in allen Fällen nicht mit dem Sex einverstanden gewesen sein. Die Vergewaltigungen sollen sich im Februar 2016, im Mai 2017 und im Juli 2017 abgespielt haben, teils in der Wohnung des Angeklagten, teils bei den Frauen zu Hause.

In der Anklageschrift listet die Staatsanwältin die Sex-Praktiken des Angeklagten auf: Haken in den Mundwinkeln der Frauen, Eisenringe zwischen den Zähnen, Ohrfeigen, Fessel, Dildos, Schläge, Kabelbinder, Bisse oder ungeschützter Analverkehr. Die Frauen sollen dabei teils erhebliche Schmerzen erlitten haben. In einem Fall soll der 35-Jährige einer Frau ihr Erbrochenes nach dem Oralverkehr wieder in den Mund gesteckt haben.

Eine der Frauen war seine Ex-Partnerin, in zwei Fällen lernte er die Frauen über die Dating-App "Lovoo" kennen, eine der Geschädigten lernte er über die Arbeit kennen.

Zwei Jahre und neun Monate Gefängnis brummte das Traunsteiner Landgericht dem Schnaitseer im ersten Prozess auf. Jetzt steht er also wegen der selben Delikte wieder vor Gericht. Für den Prozess sind noch vier weitere Prozesstage angesetzt, ein Urteil könnte am 12. April fallen. Nun darf man gespannt sein, ob und wie sich der Angeklagte zu den Vorwürfen äußert.

Vorbericht:

Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung - unter anderem wegen dieser Delikte musste sich ein 34-Jähriger aus Schnaitsee vor dem Traunsteiner Landgericht im vergangenen Jahr verantworten. Laut Staatsanwaltschaft soll er zwei Frauen an einem Tag vergewaltigt haben. 

Der Inhalt des ersten Prozesses: 

Der Angeklagte habe über die Online-Dating-App "Lovoo" beide Frauen kennengelernt und sich im Juni 2017 mit ihnen unabhängig voneinander verabredet. Nach zuerst einvernehmlichen sexuellen Handlungen habe der 34-Jährige gegen den Willen der Frauen begonnen, diese jeweils unter anderem zu schlagen, zu beißen sowie ungeschützte sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben. Beide Frauen hätten dadurch starke Schmerzen erlitten. 

Die Staatsanwaltschaft klagte den 34-Jährigen damals der Vergewaltigung und Körperverletzung mit einem gefährlichen Werkzeug in zwei Fällen an.

Vorsitzende Richter Erich Fuchs verurteilte den Schnaitseer wegen zweifacher Vergewaltigung und der vorsätzlichen Körperverletzung zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnisstrafe. Eine Frau sei "keine Sado-Maso-Testperson", auch wenn sie auf einem Chatportal Sex suche, so die Urteilsbegründung von Richter Fuchs. 

Die Anwälte des Angeklagten hingegen plädierte damals dagegen: Der Schnaitseer habe die Schreie der Frau als "Zeichen der sexuellen Lust und der Zustimmung" gedeutet und hätte nicht erkennen können, dass ihnen die Handlungen nicht recht gewesen seien. 

Neuer Prozess ab 14. März: 

Der Prozessauftakt war im Januar 2018. Der Prozess zog sich mit Unterbrechungen unter anderem wegen der Stellung eines Befangenheitsantrag von Seiten der Verteidigung gegen den Vorsitzenden Richter bis zur Urteilsfällung bis Mai 2018. 

Nun muss sich der 34-Jährige erneut vor Gericht verantworten - denn inzwischen haben sich allem Anschein nach drei weitere weibliche Opfer gemeldet. Der Schnaitseer sieht sich jetzt wieder unter anderem mit Vorwürfen der Vergewaltigung und sexueller Nötigung konfrontiert.  

Der Prozess beginnt am Donnerstag, 14. März 2019, am Landgericht Traunstein. Vier Fortsetzungstermine sind angesetzt: Am 26. und 28. März sowie am 4. und 12. April. Prozessbeginn ist jeweils um 9 Uhr. 

**chiemgau24.de berichtet direkt aus dem Gerichtssaal in Traunstein**

mb

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Traunstein

Das könnte Sie auch interessieren

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT