Urteil gegen 51-jährigen "Bombenleger"

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Der Angeklagte (Links) im Gespräch mit seinem Verteidiger Michael Vogel.
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Traunstein – Mit Sprengsätzen hatte ein 51-jähriger Österreicher versucht – im Auftrag eines geprellten Anlegers – Geld von einem Geschäftsmann zurück zu fordern. Jetzt fiel das Urteil:

Im August 2012 hatten drei Täter versucht, 15 Millionen Euro von einem Grassauer Geschäftsmann zu erpressen. Zu diesem Zweck besuchten die Täter – ohne Beteiligung des Angeschuldigten - mehrmals den Geschädigten und schlitzten ihm dabei sogar das Gesicht mit einem scharfen Gegenstand auf. Darüber hinaus warfen sie einen Beutel mit Tierblut und Fleischabfällen gegen die Hauswand des Opfers, um ihn so zur Zahlung der 15 Millionen Euro zu bewegen.

Der Angeklagte selbst zündete im Januar 2013 eine rund 300 Gramm schwere Kugelbombe im Garten des Grassauers. Doch was er nicht wusste: Der Geschädigte wohnte schon gar nicht mehr auf dem Anwesen. Darüber hinaus warf er im März 2013 einen Zylinder-Sprengsatz unter den Peugeot eines Verwandten des Geschäftsmannes und sprengte den Pkw so in die Luft. Zudem versandte er Briefbomben-Attrappen an drei Geschädigte. Hintergrund der Taten waren Forderungen aus dubiosen Anlage-Geschäften. Über einen Mittelsmann hatte ein geprellter Anleger den Angeklagten beauftragt, Druck auf den Geschädigten auszuüben, um ihn so zur Zahlung des Geldes zu bringen.

Der Staatsanwalt Björn Pfeifer rollte in seinem Plädoyer noch einmal alle Erpressungs-Versuche und die "teils schweren psychischen Folgen für die Geschädigten" auf. Allerdings spreche das Geständnis des Angeklagten für ihn. "Zudem hat er die Größe gehabt, sich bei den Geschädigten zu entschuldigen." Negativ müsse man ihm aber seine Vorstrafen und das "hohe Gefahrenpotential" seiner Taten auslegen. "Er konnte nicht sicher wissen, dass durch seine Bomben niemand verletzt wird." Der Staatsanwalt beantragt daher, den Angeklagten zu einer Gesamt-Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten zu verurteilen.

Verteidiger Michael Vogel gab in seinem Schlussplädoyer hingegen zu bedenken, dass der Angeklagte nicht mit den Erpressungs-Versuchen in Zusammenhang gebracht werden konnte. Es sei nicht bewiesen, dass er von den Geldforderungen gewusst habe. "Seine Haupttat ist die versuchte Nötigung." Zudem wehre er sich gegen den Ausdruck "Bombe". "Es waren Feuerwerkskörper der Klasse 'F4', die in der Tschechischen Republik frei erhältlich sind." Der Verteidiger forderte eine Freiheitsstrafe, "die zwei Jahre nicht überschreitet". Zudem sei die Strafe zur Bewährung auszusetzen.

Der vorsitzende Richter Erich Fuchs verkündete anschließend das Urteil: "Der Angeklagte wird zu einer Gesamt-Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt." Viele Hintergründe der Tat seien im Dunkeln geblieben. "Die Ermittlungen stoßen hier an ihre Grenzen." Es gebe keine Hinweise darauf, dass der Angeklagte von den Geldforderungen gegen den Geschädigten gewusst habe. Er habe sich daher nicht der Erpressung, sondern der Beihilfe zur versuchten Nötigung schuldig gemacht.

Quelle: chiemgau24.de

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