Auch Bahn gibt "niedriges Niveau" zu

Traunstein-Traunreut: So viele fahren dort wirklich mit dem Zug

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Durchschnittlich steigen an einem Schultag zehn Personen in Traunreut und 13 in Traunstein in den Zug - deutlich weniger als beispielsweise nach Waging oder Ruhpolding.
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Traunstein/Traunreut - Viele spotten über die Zugverbindung zwischen den beiden Städten, auch wurde die Forderung schon laut, die Strecke "einzustampfen". Wir haben uns die Fahrgastzahlen vorlegen lassen.

"Dieser leere Zug verplempert so viele Ressourcen und blockiert sämtliche Autos und Lastwägen. Man hätte ihn einfach einstampfen sollen", meinte Traunsteins Stadtrat Wolfgang Osenstätter erst im Dezember. Seit gut zehn Jahren gibt es die Personenzugverbindung zwischen den zwei größten Städten des Landkreises. Für fünf Millionen Euro wurde die Strecke damals modernisiert. Doch sie ist verschrien, wird augenscheinlich wenig genutzt. 

Im Schnitt zehn Personen, die von Traunreut abfahren

Insgesamt 34 Mal fährt der Zug an einem Schultag zwischen Traunstein und Traunreut. "In Traunreut konnten 2015 an einem Schulwerktag durchschnittlich zusammen 340 ankommende und abfahrende Fahrgäste gezählt werden", teilt nun die Bayerische Eisenbahngesellschaft mit, die den Zug bei der Deutschen Bahn in Auftrag gibt. Heißt: Im Schnitt sind es zehn Leute, die pro Fahrt in Traunreut aussteigen und zehn, die dort einsteigen.

An den beiden Traunsteiner Haltestellen, am Bahnhof und in Empfing, wurde der Zug nur unwesentlich besser angenommen: Im Schnitt waren es in Traunstein 13 Fahrgäste, die ein- bzw. ausgestiegen sind (gesamt 440). Vergleicht man die Fahrgastzahlen mit dem ersten Jahr der Verbindung, 2007, zeigt sich ein deutliches Plus: 42 Prozent mehr Fahrgäste in Traunreut, 33 Prozent mehr in Traunstein - eine Steigerung, "wenngleich auf niedrigem Niveau", wie auch die Bayerische Eisenbahngesellschaft zugibt. 

Strecken nach Waging und Ruhpolding besser ausgelastet

Wie schlecht der Zug zwischen Traunstein und Traunreut aber nach wie vor angenommen wird, wird auch deutlich, wenn man die Zahlen mit ähnlichen Nebenstrecken vergleicht: Während an einem Schultag in Traunstein 440 Fahrgäste am Traunreuter Bahngleis ein- und ausgestiegen sind, waren es in Richtung Waging insgesamt 510 und in Richtung Ruhpolding 1220 - entspricht im Schnitt 18 Personen nach Waging pro Fahrt und 32 nach Ruhpolding. 

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft erhofft sich nun neue Steigerungen für die Strecke Traunstein-Traunreut durch den neuen Haltepunkt am Traunsteiner Krankenhaus und eine Anpassung der Fahrpläne auf die Schulzeiten sowie auf die Schichten des Pflegedienstes im Klinikum. Außerdem gibt es nun zusätzliche Fahrten von Traunstein über Trostberg nach Garching.

Keine Fahrplanausweitung wegen Staus auf B304

Doch auch auf der Strecke Traunstein-Garching scheiterte die Bahn vor einigen Jahren mit einem attraktiveren Angebot für die Fahrgäste: Konkret wollte man zusätzliche Züge wischen Hörpolding und Trostberg einsetzen, doch man rückte von den Plänen ab - "im Hinblick auf die zu erwartenden Staus an den Bahnübergängen der Bundesstraße", wie die Bayerische Eisenbahngesellschaft mitteilt.

Unfall im September 2016 in Traunstein: Die Nachrüstung der Bahnübergänge wurde nun auf 2018 verschoben.

Auch zum 2017 geplanten Ausbau und Sanierung der Traunsteiner Bahnübergänge in Richtung Traunreut wird es heuer nicht kommen. Neue Ampeln und Schranken sollten die Sicherheit an der Wolkersdorfer- und der Kotzinger-Straße verbessern. Die Kosten wurden auf 1,6 Millionen Euro veranschlagt, wovon die Stadt Traunstein rund 185.000 Euro übernehmen muss. Wegen "Verzögerungen im planrechtlichen Genehmigungsverfahren des Eisenbahn-Bundesamtes" werden die Bauarbeiten ins Jahr 2018 verschoben

xe

Quelle: chiemgau24.de

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