Prozess um versuchten Messer-Mord in Trostberg

Lebenslang für den leugnenden Haupttäter als „Bauernopfer“? 

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Die fünf Angeklagten im Alter von 21 bis 29 Jahren im Landgericht Traunstein.
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Trostberg/Traunstein - Im September 2016 kam es zu einem brutalen Messerüberfall in einer Trostberger Wohnung. Die Tat hat sich wohl im Drogenmilieu abgespielt. Fünf junge Männer müssen sich derzeit vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Der fünfte Prozesstag behandelte die Plädoyers:

Zu Beginn der Sitzung der Jugendkammer als Schwurgericht am Dienstag, 1. August, werden schriftliche Entschuldigungen und Belege über Schmerzensgeldzahlungen der vier Angeklagten Adrian K., David B., Marvin P. und Martin Z. jeweils von den Anwälten an Staatsanwaltschaft und Richter übergeben. Anschließend verliest Richter Dr. Klaus Weidmann die Vorstrafenregister der fünf Angeklagten. Die Angeklagten Thomas J. und Marvin P. haben dabei die meisten Vorstrafen. Die Beweisaufnahme wurde geschlossen, es folgten die Plädoyers.

Staatsanwalt: „Keine Anhaltspunkte auf Komplott-Schmiedung, um einen alleine zum Schuldigen abzustempeln.“

Björn Pfeiffer schildert den Fall aus Sicht der Staatsanwaltschaft nach dem jetzigen Sachstand: Demnach sei im Wesentlichen nach wie vor vom Inhalt der erhobenen Anklageschrift auszugehen. Den definitiven Tatentschluss fassten die fünf Angeklagten beim Treffen am Abend des 27. September. Danach seien sie geschlossen zum Tatort nach Trostberg gefahren.

Auf einige Punkte hinsichtlich der Tatausführung ging der Staatsanwalt genauer ein. Mit der Aussage „Falls doch was passiert“ sei ein Messer ins Spiel gekommen. Auch wenn man aus der Beweisaufnahme nicht eindeutig schließen könne, welcher der fünf Angeklagten diesen Satz gesagt habe, hätten alle Angeklagte dadurch Verletzungen von Personen in Kauf genommen. Den Überfall selbst hätten Thomas J. mit einer dunklen Sturmhaube und Adrian K. mit einem roten Tuch und einer Basecap egangen. Thomas J. sei aus Sicht von Björn Pfeifer der Haupttäter, der unmittelbar nach Öffnen der Tür mit der Faust zuschlug und mit dem Messer in den Brustbereich des 22-jährigen Opfers stach. Das Opfer sei dadurch schwer geschädigt gewesen, fast vier Monate lang arbeitsunfähig und hätte immer wieder Schmerzen sowie psychische und körperliche Belastungen. Mit der Flucht hätten alle fünf Angeklagten die Opfer ihrem Schicksal überlassen.

Obwohl Adrian K. sofort erkannt haben müsste, dass Thomas J. unmittelbar zustach um Verletzungen hervorzurufen, habe er sich dazu entschlossen, sich weiter an der Tat zu beteiligen. Als der 17-jährige Dealer in der Wohnung zur nicht geladenen Waffe gegriffen habe, sei es zur Rangelei gekommen, in dessen Verlauf Adrian K. dem 17-Jährigen zwei „nicht sehr stark ausgeführte Stiche“ zugeführt haben soll. Weitere Details seien nicht ans Tageslicht gekommen, da der 17-Jährige die Aussage zur Beweisaufnahme verweigerte.

Vier von fünf Angeklagten seien grundsätzlich geständig. Die vier Geständnisse seien aus Sicht von Björn Pfeifer „überwiegend deckungsgleich“. Aufgrund dieser Angaben gehe er bei Thomas J. trotz seiner Leugnung von einer Tatbeteiligung aus. Es gebe keine Anhaltspunkte auf eine „Komplott-Schmiedung der vier anderen, um einen alleine zum Schuldigen abzustempeln“. Zudem sei die Rede von „einem großen Dürren und einem kleinem kräftigen Täter“ - zweiteres würde auf Thomas J. passen.

Nach der Aussage von Thomas J. am ersten Prozesstag sei der Staatsanwalt „hin und hergerissen“ gewesen. Eine Psychologin habe den Angeklagten als „überdurchschnittlich intelligent“ eingestuft, daher gehe Björn Pfeifer stark davon aus, dass die Aussage von Thomas J., bei der Tat nicht dabei gewesen zu sein, ernst gemeint sei. Allerdings könne er dieser Aussage auch in Bezug auf widersprüchliche Angaben wie der Dauer des Spaziergangs in Trostberg oder den Umständen, ob Thomas J. den Joint im Gehen oder auf einer Bank sitzend geraucht habe, keinen Glauben schenken. Dabei verwies der Staatsanwalt auch auf die Aussagen der Zeugen, insbesondere der von den Geschädigten. Deren Berichte seien mit Teilen der Anklageschrift vereinbar, das Ganze füge sich zu einem großen Ganzen.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft:

Thomas J. habe eine besonders gefährliche Gewalthandlung mit Tötungsabsicht begangen. Auch Adrian K. Habe nach einem Tötungsvorsatz gehandelt. Durch die Mitnahme von Messern hätten beide Angeklagte bei den Opfern Verletzungen bis hin zum Tod billigend in Kauf genommen. Der Umstand, dass die Überfallsopfer selbst Straftäter seien, könne man den Angeklagten nicht zu Gute halten, denn auch Straftäter dürfe man nach Ansicht von Björn Pfeifer nicht überfallen oder gar töten.

Martin Z. sei nicht nur der Fahrer gewesen, sondern habe auch das zweite Messer zur Verfügung gestellt. David B. habe durch den Kontakt zum Opfer gewusst, dass in der Wohnung „etwas zu holen“ sei, wies die Angeklagten mithilfe von Ortskenntnissen ein und habe die Idee zur Tat gehabt. Marvin P. habe zur Ermutigung beigetragen, beraten und während der Tat Schmiere gestanden. Björn Pfeifer beschuldigt die vier Angeklagten zu gefährlicher Körperverletzung mit besonders schwerem Raub.

Die Angeklagten hören den Ausführungen des Staatsanwalts ruhig und teilweise mit gesenktem Kopf zu. Ab und zu schüttelt einer der fünf jungen Männern den Kopf. Staatsanwalt Björn Pfeifer beantragt folgende Strafmaße

  • Thomas J.: lebenslänglich,ohne den Tatbestand des versuchten Mordes: 13 Jahre
  • Adrian K.: 11 Jahre, ohne den Tatbestand des versuchten Mordes: 9 Jahre 
  • Marvin P. 9 Jahre in Anbetracht seiner Vorstrafen 
  • David B.: 5 Jahre, 6 Monate Jugendstrafe
  • Martin Z.: 3 Jahre, 6 Monate Jugendstrafe

Nebenklage des Opfers: „Er war schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort“

Die Vertreterin der Nebenklage Zinke legt für ihren Mandanten, den 22-jährigen Geschädigten, das Augenmerk ihres Plädoyers auf den Hauptangeklagten Thomas J.. Dass er den Tatort nicht betreten habe, könne sie nicht glauben. Für die Vertreterin der Nebenklage stehe „zweifelsfrei“ fest, dass Thomas J. der zweite Täter sei, der die Absicht gehabt habe, die Person an der Tür „sofort unschädlich“ zu machen. Er habe den 22-Jährigen mit einer „erheblichen Gewalteinwirkung, enthemmt und absolut rücksichtslos“ attackiert. Der Angeklagte habe weder Reue noch Einsicht gezeigt und den gesamten Überfall in Form einer „völlig unglaubwürdigen Variante der Tat“ geleugnet. 

Der Überfall habe für ihren Mandanten massive Folgen, sein ganzes Leben sei davon gezeichnet – ganz zu schweigen von psychischer wie körperlicher Belastung sowie Angst- oder Schlafstörungen. „Mein Mandant war schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort“, erklärte Zinke abschließend.

„Keine Rede von versuchten Mordabsichten bei Adrian K.“

Der Angeklagte Adrian K. hat das geforderte Strafmaß des Staatsanwalts mit Tränen in den Augen verfolgt und entschuldigte sich erneut vor dem Hohen Gericht. Er erklärte, er stehe zu dem, was er getan habe. Seine Anwältin Huber sehe die Sachlage nach der Beweisaufnahme ähnlich wie Björn Pfeifer, jedoch mit dem Unterschied zur Bewaffnung vor Ort, die mit der Aussage „Falls doch was passiert“ geschehen sein soll. Im Auto sei alles sehr schnell gegangen, Adrian K. habe das Messer nicht in Anbetracht absichtlicher Tatausführung genommen. Zudem habe David B. versichert, vom Dealer käme „keine Gegenwehr“, da dieser „ein Schwächling“ sei. Adrian K. habe im Laufe des Gerangels zum ersten Mal das Messer gezückt und dem Opfer einen Stich versetzt. Er könne nicht mehr sagen, ob dieser zielgerichtet gewesen sei, er habe sich nur wehren wollen. Er habe dem 17-Jährigen nur oberflächliche Verletzungen zugefügt, was zu seinen Gunsten spräche. Zudem habe er nach Verlassen der Wohnung nicht erkennen können, wie schwer verletzt die Opfer wirklich gewesen seien. 

Aus Sicht von Rechtsanwältin Huber sei der Tatbestand des besonders schweren Raubs in Verbindung mit gefährlicher Körperverletzung jedoch vorhanden, von versuchten Mordabsichten könne keine Rede sein. Er habe sich gleich zu Beginn der Verhandlung entschuldigt, Reue gezeigt und sei gewillt, Schmerzensgeld zu zahlen. Der Angeklagte sei des Weiteren nicht vorbestraft, eine „gewisse Enthemmung aufgrund von Drogen und Alkohol“ sei zudem im Spiel gewesen. Ihre Anklage lautet: Freiheitsstrafe von nicht über fünf Jahren zuzüglich einer Unterbringung in einer Therapieeinrichtung.

Rechtsanwalt von David B.: „Motiv sehe ich in der Drogensucht.“

Der Rechtsanwalts von David B. erklärte, sein Mandant sei bezüglich des vom Staatsanwalt geforderten Strafmaßes „geschockt“ gewesen. David B. habe die Verantwortung für die Tat übernommen, ihm sei bewusst, dass sein Plan zu den Verletzungen der Opfer geführt habe. Das Motiv für die Tat sehe Rechtsanwalt Merkl in der Drogensucht aller Angeklagten, um schnell und bequem an „Stoff“ zu kommen. Da der 17-Jährige der Dealer des Angeklagten war, habe dieser Ortskenntnisse und interne Infos gehabt. An eine konkrete Vorbereitung des Überfalls glaube Merkl nicht, erst bei dem Treffen am Tattag auf dem Supermarktplatz sei der Plan definitiv geschmiedet worden. Bei vorherigen Treffen seien Gespräche über den geplanten Überfall als „blödes Gerede“ zu werten. Ein konkreter Einsatz von Waffen sei im Auto nicht thematisiert worden. 

Der Tatbestand des schweren Raubs bliebe laut Merkl genau wie die Mittäterschaft bestehen. Ein Täter-Opfer-Ausgleich sei ehrlich gemeint, was David B. positiv anzurechnen sei. Zudem sei David B. zu einer stationären wie ambulanten Therapie jederzeit bereit. David B. erklärte gegenüber dem Richter, er stehe zu dem, was sein Anwalt gesagt habe und hoffe, das Gericht gebe ihm noch eine Chance, sein Leben auf die Reihe zu kriegen. David B. habe laut Merkl keine „wesentliche Vorbelastung“. Der Rechtsanwalt beantragte für seinen Mandanten aus erzieherischen Gründen eine Jugendstrafe von maximal zwei Jahre, die zur Bewährung ausgesetzt werden soll.

„Martin Z. hat zum Überfall wertvolle Beiträge wie die Übergabe des Messers geleistet.“

Der erste Rechtsanwalt von Martin Z. räumte ein, sein Mandant sei zweifelsfrei der Fahrer gewesen. Anwalt Frank weiter: „Welcher Teufel ihn hier geritten hat bei dem Überfall mitzumachen, ist unklar. Die Planung jedoch steht außer Frage, mein Mandant hat nur geduldet, was den dem Abend passiert.“ Nichtsdestotrotz habe er für die Tat „wertvolle Beiträge“ wie die Übergabe des Messers geleistet. Ob er dabei über die Konsequenzen bereits nachgedacht habe, wisse man nicht. „Entscheidend sei die Tatmotivation: Wäre er nur der Fahrer gewesen, reden wir lediglich von Beihilfe“, ergänzt der zweite Rechtsanwalt Fraunhofer. 

Dass Martin Z. nur wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis vorbestraft sei, davon könne man absehen. Jedoch sei eine Mittäterschaft gegeben, wenn auch durch eine „gewisse Enthemmung durch den Joint“. Der Angeklagte sei Ersttäter, scheint wohl in der Haft „nachgereift“ zu sein, habe seine Lehre beendet und könne sofort eine Arbeitsstelle antreten. Die beiden Rechtsanwälte sind sich einig, dass der Haftbefehl gegen Martin Z. zu einer Jugendstrafe zur Bewährung auszusetzen sei. Martin Z. entschuldigte sich noch einmal gegenüber des Hohen Gerichts und erklärte, wenn er nicht gefahren wäre, wäre wohl auch nichts passiert. Nie wieder wolle er etwas mit Drogen zu tun haben. Er hoffe nun auf Bewährung.

„Der Überfall hätte wohl auch ohne Marvin P. Stattgefunden.“

Rechtsanwalt Zürner erklärte, die durchgeführte Beweisaufnahme habe nicht die Bestätigung gebracht, die die Staatsanwaltschaft gegen seinen Mandanten Marvin P. vorlege. Zum einen sei nicht bekannt, wo der Ursprung der Tat liege und wie die Tatplanung abgelaufen sei. Marvin P. sei nicht aktiv an der Tat beteiligt gewesen. Der als Haupttäter angeklagte Thomas J. wolle aus Sicht des Rechtsanwalts „eine innere Distanz“ zur Tat aufbauen, indem er sich nach eigener Aussage nicht am Überfall beteiligt haben soll. „Wenn man sich von solch einer Tat distanzieren wolle, setzt man sich nach Tatausführung nicht wieder in das Fluchtauto und nimmt auch keinen Teil der Beute entgegen“, erklärt Zürner. Des Weiteren würde sich ein Unschuldiger nicht freiwillig bis zu Beginn der Hauptverhandlung im Landgericht Traunstein in Untersuchungshaft begeben und die Tat erst im Gerichtssaal abstreiten.

Marvin P. hingegen sei bei ersten Vernehmungen durch Polizei und Ermittlungsrichtern von den übrigen Angeklagten zuerst nicht genannt worden. Der Tatbestand des Raubes und der Mittäterschaft sei jedoch erfüllt. Er habe Reue gezeigt und sich entschuldigt. Aufgrund früherer Delikte habe er bereits mehrere Strafen abgesessen. Entscheidend in diesem Fall des Messer-Überfalls sei jedoch die Tatausführung, die wohl auch ohne die Anwesenheit von Marvin P. stattgefunden hätte. Die Anklage des Rechtsanwalts lautet auf eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Marvin P. entschuldigte sich erneut und rechne nun mit einer Strafe, die er auch absitzen wollen.

„Statt Thomas J. hätte auch Marvin P. der zweite Täter sein können.“

Der erste Rechtsanwalt Dr. Eder erklärte zu Beginn, sowohl die Angeklagten als auch die Geschädigten seien stetig in Kontakt mit Drogen und Rauschmittel. Daher seien die Zeugen „nicht ganz unschuldig“ an der Tat. Entweder das Gericht schenke Thomas J. Glauben oder allen übrigen Angeklagten und Zeugen. Der Grund, warum sich Thomas J. die überraschende Wendung der Leugnung für die Hauptverhandlung aufgehoben habe, hätten ihm seine Verteidiger geraten. „Egal ob hier im Gericht oder bei der Polizei – es wird nicht geglaubt“, erklärte Dr. Eder.

Was sich am 27. September genau zugetragen habe, wisse man nicht gesichert. Was man aber wisse, sei, dass sich Thomas J. an der Tat nicht beteiligte habe und während der Tatzeit durch Trostberg marschiert sei, um einen Joint zu rauchen. Die Suche nach dem Handy und die Rückkehr zum Auto sei vereinbar mit der Dauer des Überfalls. Den Beuteanteil habe Thomas J. als Schweigegeld erhalten. Dr. Eder verwies konkret auf die widersprüchlichen Aussagen der Angeklagten sowie der verschiedenen Zeugen in Bezug auf den Ablauf des Überfalls.

Es stelle sich nun die Frage, warum Thomas J. hier belastend als „Bauernopfer“ dargestellt werde. Auch wenn Marvin P. erst sehr spät als Mittäter genannt worden sei, sein Vorstrafenregister spreche laut Dr. Eder eine anderer Sprache. Ein weiterer Gesichtspunkt, der für Marvin P. als Täter spreche, sei dessen Statur im September 2016, die der von Thomas J. ähnlich gewesen sei. Es seien keine Fingerabdrücke oder DNA-Spuren von Thomas J. gefunden worden. Der zweite Rechtsanwalt Ortner ergänzte, man könne Thomas J. demnach weder einen versuchten Mord noch schweren Raub nachweisen. Er sei an der Vorbereitung sowie Beschaffung von Masken und Tatwerkzeugen nicht beteiligt gewesen. Thomas J. könne strafrechtlich nicht belangt werden. Laut der Rechtsanwälte von Thomas J. bliebe nur der konsequente Antrag auf Freispruch des Angeklagten und Aufhebung des Haftbefehls.

Thomas J. schließt sich seiner Rechtsanwälte an, auch wenn ihm für die Geschädigten leid tue, was passiert sei. Er hoffe, der Richter schenkt ihm Glauben und er könne dort weitermachen wo er vor dem Überfall aufgehört habe.

Die Verhandlung wurde unterbrochen. „Wir haben jetzt ein Füllhorn prall gefüllt mit Beweismitteln, Tatsachen und Wiedersprüchen“, so das Schlusswort von Richter Dr. Klaus Weidmann, für den ein Urteil am Mittwoch, 2. August, realistisch nicht machbar sei. Die Verhandlung samt Urteilssprechung wird am Freitag, 4. August, um 9 Uhr fortgesetzt. 

Vorbericht:

Am Abend des 27. September 2016 ereignete sich in einer Trostberger Wohnung ein Messer-Überfall. Fünf Täter im Alter von 21 bis 29 Jahren sollen zwei junge Männer überfallen und teils schwer verletzt haben. Ziel des Überfalls: Drogen und Bargeld.

Der Vorwurf der Traunsteiner Staatsanwaltschaft lautet auf versuchten Mord in zwei Fällen und besonders schweren Raub in fünf Fällen. Der 29-jährige Thomas J.* und der 25-jährige Adrian K.* müssen sich wegen versuchten Mordes in Verbindung mit gefährlicher Körperverletzung und besonders schwerem Raub verantworten. Die Komplizen, der 22-jährige David B.*, der 21-jährige Martin Z.* und der 27-jährige Marvin P.*, stehen wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit besonders schwerem Raub vor Gericht.

* Die Namen der Angeklagten wurden von der Redaktion geändert.

Umstrittene widersprüchliche Aussagen vor Gericht

Der Prozess der Jugendkammer als Schwurgericht geht am 1. August mit dem fünften Tag in die nächste Runde und scheint sich langsam dem Ende zuzuneigen. Nach einigen kontroversen Aussagen von Zeugen und Angeklagten stellt sich weiterhin die Frage, wie Richter Dr. Klaus Weidmann bei diesem strittigen Fall Licht ins Dunkle bringen möchte. Die fünf Angeklagten beschuldigen sich gegenseitig, der wegen versuchten Mordes Hauptangeklagte Thomas J. leugnet die Tat seit Beginn des Prozesses. 

Bisher wurden neben den vier Überfallsopfern auch Zeugen und Bekannte der Angeklagten vor Gericht gehört. Sachverständige von der Kriminalpolizei erklärten dem Richter, es habe bei den vielen Vernehmungen der mehrfach widersprüchliche Aussagen gegeben. Sachverständige aus dem medizinischen Bereich schilderten ihren Eindruck bezüglich möglicher Beeinträchtigungen bei der Tatausführung durch den massiven Drogenkonsum der fünf Angeklagten. Demnach seien alle fünf Angeklagte zum Zeitpunkt des Überfalls wohl voll schuldfähig gewesen. 

Der Prozess um dem versuchten Messer-Mord in Trostberg wird am Dienstag, 1. August, um 9 Uhr am Landgericht Traunstein fortgesetzt. Ein Urteil wird für Freitag, 4. August, erwartet. 

Die Inhalte der bisherigen Prozesstage: 

Prozessauftakt mit den Aussagen der Angeklagten: Hauptangeklagter leugnet Tat

Messerüberfall in Trostberg: Überfallsopfer und Zeugen melden sich zu Wort

Versuchter Messer-Mord in Trostberger Wohnung: Medizinische Sachverständige legen Gutachten vor

mb

Quelle: chiemgau24.de

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