Neue Räumlichkeit im Klinikum Traunstein

Häusliche Atmosphäre auf der Intensivstation

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Trotz Hightech, warme Wohnzimmeratmosphäre mit einem Zusatzbett für Angehörige und Freunde. Leitender Oberarzt Dr. Martin Glaser (li.) und Heiko Regner, Bereichsleiter der Intensivstationen, in der auf Ihre Initiative eingerichtete Geri-Lodge.

Traunstein - Auf der Intensivstation im Klinikum Traunstein ist eine neue Räumlichkeit eingerichtet worden um Menschen mit akuten Verwirrtheitszustand den Weg zurück ins Leben zu erleichtern.

Dass manche Menschen nach einem schweren operativen Eingriff in einen akuten Verwirrtheitszustand geraten, kann unterschiedliche Gründe haben. Immer aber gilt es, sie zur Vermeidung dauerhafter Schäden schnellstmöglich aus dem Delir zu holen. Daher hat die von Leitendem Oberarzt Dr. Martin Glaser geführte Interdisziplinäre Intensivstation im Klinikum Traunstein mit ihrer neuen Geri-Logde einen behaglichen Raum für Delir-Patienten eingerichtet."Auf dem Weg zurück in die Normalität hilft dies den Patienten ebenso wie spezifische Behandlungspflege und Re-Orientierungsmaßnahmen", so Heiko Regner, Bereichsleiter Intensivstationen und Cornelia Gerer, Fachkrankenschwester für Intensivpflege und Anästhesie.

Die Geri-Lodge

Warme Wohnzimmeratmosphäre mit Pflanzen, Fernseher - und einem Zusatzbett für einen Angehörigen oder Freund: Das ist die auf Initiative von Dr. Martin Glaser auf der Interdisziplinären Intensivstation Ende letzten Jahres neu eingerichtete Geri-Lodge. Auch, wenn der Patient hier natürlich ebenso wie alle anderen Patienten in den zehn Betten de rStation zentral überwacht wird:In dem Raum am Ende des Ganges findet er etwas abseits des Alltagsgeschehens im Krankenhaus nicht nur mehr Ruhe, er kann auch rund um die Uhr die wohltuende Nähe eines vertrauten Menschen genießen. Wie wichtig all dies und noch einiges mehr für einen Delir-Patienten ist, wissen Heiko Regner und seine Mitarbeiterin Cornelia Gerer. Sie interessiert und befasst sich schon länger mit dem Thema Delir und hat auch ihre Facharbeit über "Das Delir beim Intensivpatienten" geschrieben. "Die Auslöser für ein Delir können zum Beispiel eine Mangelernährung, eine Blutvergiftung, Infekte, Medikamente oder eine Narkose sein", erklärt die Fachkrankenschwester für Intensivpflege. "Besonders gefährdet sind Menschen mit mehreren Erkrankungen gleichzeitig, wie dies bei älteren Patienten häufiger der Fall ist."

Das Delir

Aber auch junge Patienten können in den akuten Verwirrtheitszustand geraten.

"Das Delir ist oft schwierig zu diagnostizieren, denn es gibt ein hyperaktives Delir, bei dem der Patient psychomotorisch unruhig ist, halluziniert, und ein hypoaktives Delir, bei dem sich der Patient in sich zurückzieht und kaum bewegt"

, so Cornelia Gerer. Beide Ausprägungen müssen zum Vermeiden von Folgeschäden nicht nur rasch behandelt werden. Sie sind auch für die Betroffenen nur schwer auszuhalten. Ihr Tag-Nacht-Rhythmus ist oft gestört, sie reagieren empfindlich auf Geräusche und fremde Menschen. Dem trägt die Geri-Logde Rechnung. In ihrem geschützten Raum können die Patienten mit Unterstützung des geschulten und sensiblen Pflegepersonals wieder Schritt für Schritt ins Leben zurückfinden. Und das ist fast wörtlich zu nehmen.

"Die Re-Orientierung ist bei einem Delir-Patienten sehr wichtig"

, sagt Gerer. Hilfen hierbei können die Stimulierung der Sinne zum Beispiel durch Düfte oder achtsame, nonverbal Mut machende Berührungen sein. "Auch die Aktivierung spielt bei uns eine große Rolle", so Heiko Regner. Wenn die Patienten im wahrsten Sinne des Wortes wieder den Boden unter den Füßen spüren, erdet sie das, tut ihnen gut.

Wenn dann sogar schon mit Unterstützung der Pflege ein paar Schritte an die frische Luft möglich sind, stärkt das nicht nur das Selbstvertrauen, sondern beugt dank des im noch so schwachen Sonnenlicht gebildeten Vitamins D3 Depressionen vor. "Die Prävention des Delir liegt uns genau so am Herzen wie seine Behandlung", betont Cornelia Gerer. "Oft helfen schon Kleinigkeiten." Das kann der Wecker von daheim ebenso sein wie die griffbereite Brille oder das Hörgerät. Oder - wie geschehen - die Playstation für die junge Patientin. Gerade für Delir-Patienten mit ihren Ängsten und umgekehrtem Tag-Nacht-Rhythmus ist es angenehm beruhigend, wenn nachts ein vertrauter Mensch bei ihnen in der Geri-Logde schlafen kann. "Wir versuchen auch, möglichst immer dieselben Pflegepersonen einzuteilen", sagt Gerer. "Auch, wenn diese Arbeit aufwändiger ist als die normale Pflege: Wenn wir die Patienten mit Delir in ihren Ängsten ernstnehmen, sie motivieren und ihnen Erfolgserlebnisse vermitteln können, dann finden sie ihren Weg zurück ins Leben. Das ist immer wieder wunderbar zu sehen und zu erleben", ist sie sich mit Heiko Regner einig.

Pressemitteilung Kliniken Südostbayern AG

Quelle: chiemgau24.de

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