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Grippale Infekte in der Region: Traunsteins Gesundheitsamtsleiter klärt auf

Zurück im Leben - und mit Sommergrippe im Bett?

Traunsteins Gesundheitsamtsleiter Dr. Krämer zu grippalen Infekten
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Traunsteins Gesundheitsamtsleiter Dr. Wolfgang Krämer im Gespräch mit chiemgau24.de zu vermehrten Infekten und Sommergrippe nach Auflösung der meisten Corona-Maßnahmen.

Mit dem Sommer nimmt auch das gesellschaftliche Leben Fahrt auf. Die coronabedingten Maßnahmen sind weitestgehend zurückgefahren, die Leute treffen sich wieder auf Festen und Veranstaltungen. Doch viele Menschen sind derzeit von grippalen Infekten geplagt. Woran das liegen könnte, versuchen wir zusammen mit Dr. Wolfgang Krämer herauszufinden.

Traunstein - „Ich bin nicht verwundert oder erschreckt über aktuelle sommergrippale Infekte, auch wenn es dieses Mal scheinbar mehrere sind“, konstatiert der Leiter des Traunsteiner Gesundheitsamts im Gespräch mit chiemgau24.de. „Sie gehören schlicht und einfach zu unserem normalen Leben dazu.“

Und das normale Leben nimmt seit dem Frühjahr wieder rasant Fahrt auf. Mit ihm anscheinend die Krankheiten: Seit einigen Wochen sind immer wieder Menschen von grippeähnlichen Symptomen geplagt. In Wasserburg beispielsweise war gerade nach dem Frühlingsfest Anfang Juni eine „Sommergrippe“ zu verzeichnen, die die Menschen in der Innstadt und Umgebung heimsuchte.

Wegen Corona: Subjektivität von viralen Erkrankung in den Hintergrund getreten?

Die Einen erwischt es tatsächlich oder erneut mit Corona, die Anderen wiederum mit diversen Erkrankungen wie Magen-Darm-Infekte, Hals- und Rachenentzündungen oder Mandelentzündungen.

„Diese Krankheiten haben wir während der coronabedingten Einschränkungen nicht beobachtet, als die Kontakte auf ein Minimum reduziert waren“, fährt Dr. Krämer fort. Er glaubt, an der Schwere habe sich nicht viel getan, es sei vielmehr das Bewusstsein der Menschen, das sich in Hinblick auf grippale Infekte verändert habe.

„Corona hat bewirkt, dass die Subjektivität von viralen Erkrankung in den Hintergrund getreten ist: Wer niest oder sich räuspert wird schief angeschaut und es läuten sofort die Alarmglocken, derjenige hat Corona. Etwas anderes hat es die vergangenen zwei Jahre nicht gegeben und war dementsprechend auch nicht in unserem Bewusstsein.“

„Grippale Infekte gab es schon vor der Pandemie“

Dass ein Leben mit Einschränkungen auf Dauer nicht funktionieren kann, davon ist Dr. Krämer überzeugt und stellt sich mit seiner Meinung auf die Seite der WHO: „Gesundheit ist für mich nicht nur das körperliche Wohlbefinden, sondern auch das psychisch-soziale. Da gehört der soziale Austausch für den Mensch als soziales Wesen mit dazu. Was bringt es körperlich gesund zu sein, aber psychisch zu erkranken, weil soziale Kontakte nicht stattfinden?“

„Wir sind jetzt wieder in der Normalität angekommen, in der wir uns weitestgehend normalen zwischenmenschlichen Kontakten hingeben. Dass in diesem Rahmen grippale Infekte auftreten, war schon immer so - auch vor der Pandemie. Wir nehmen es nach diesen zwei Pandemiejahren nur anders wahr.“

Wer sich nicht mehr mit anderen Menschen trifft, reduziert natürlich die Wahrscheinlichkeit, neben dem Coronavirus auch andere Erkrankungen zu übertragen. Alle Erkrankungen, die im Rahmen des engen Kontakts übertragen werden waren aufgrund von Kontaktbeschränkungen während der Pandemie nicht. Händeschütteln, Umarmen oder größere Menschenansammlungen gehörten der Vergangenheit an.“ 

„Corona wird uns ein Leben lang begleiten“

Die klassische Influeanza oder Corona als sogenannte Tröpfcheninfektion übertrage sich durch Niesen oder Husten. Die Sommergrippe definiere sich Dr. Krämer zufolge durch sogenannte Enteroviren. Der Mensch als Hauptwirt trage diese Viren häufig im Darm mit sich herum, ohne dass er krank werde. Durch Schmierinfektion aber übertrage er diese Viren - ein leichtes Spiel für die Viren auf Festen und Veranstaltungen, überall dort könne eine Übertragung von Krankheiten beobachtet werden.

„Wer sich eine Sommergrippe mit den klassischen Vertretern der Coxsackie-Viren, die zu den Enteroviren gehören, einfängt, fällt meist ein paar Tage aus, landet aber aufgrund des milden Verlaufs nicht im Krankenhaus.“

Anders sah es da die vergangenen zwei Jahre mit dem neu aufgetretenen Corona-Virus aus: „Kontaktreduzierungen als Maßnahme, das Virus einzudämmen, waren wichtig und gut - gerade, wenn ich zurück an die Delta-Variante erinnere, bei der wir gerade bei älteren oder vorerkrankten Menschen eine Übersterblichkeit beobachten mussten.“

Jetzt aber befinde man sich in einem Zwischenstadium, in dem es medizinisch „völlig vertretbar“ sei, dass Feste, Feiern und der normale soziale Austausch ohne Einschränkung der Bewegungsfreiheit wieder stattfinden dürfen: „Die Corona-Erkrankung ist mit dem heutigen Stand eine von vielen Erkrankungen, die zwar ansteckender, dafür aber mit einem milderen Verlauf auftritt und uns ein Leben lang begleiten wird.“ 

„ Immunsystem hat in Pandemiezeiten nichts verlernt“

Dennoch klagen viele Menschen darüber, dass sie sich plötzlich vermehrt anstecken. Liegt das womöglich am Immunsystem? Hat es nach zwei Jahren Coronamaßnahmen gar „verlernt“ richtig zu funktionieren?

Diese Frage kann Dr. Krämer mit einem klaren „Nein“ beantworten und zitiert in dem Zusammenhang den Generalsekretär der deutschen Gesellschaft für Immunologie, Professor Dr. Carsten Watzl: „Ein Immunsystem ist kein Muskel, der trainiert werden muss, um Leistung zu bringen. Das Immunsystem funktioniert aus sich heraus, wenn man nicht gerade unter einem Immundefizit leidet.“

„ Am Ende bleibt es die Selbstverantwortung eines jeden Einzelnen“

Das Fazit des Gesundheitsamtsleiter: „Das Immunsystem hat in Pandemiezeiten nichts verlernt - zumal wir nicht in einer sterilen Blase lebten und weiterhin mit körperfremden Substanzen in Berührung kamen. Mit einer vernünftigen Hygiene lassen sich Krankheiten aller Art verringern - doch der Preis, den wir leisten mussten war schon sehr hoch.“

Gesunde ausgewogene Ernährung, Bewegung, ausreichend Schlaf sowie Stressreduktion stärken das Immunsystem auf natürliche Art und Weise. Eine Schwierigkeit, die der Sommer mit sich bringe, seien die enormen Temperaturunterschiede von 32 Grad Außentemperatur und 19 Grad, reguliert durch die Klimaanlage im Innenbereich oder im Auto.

Letztlich bleibt festzuhalten: „Es gibt Sommergrippen-Erreger. Genauso ist das Risiko, sich auf dem Volksfest, auf dem viele Menschen Kontakt haben, anzustecken, höher. Am Ende bleibt es die Selbstverantwortung eines jeden Einzelnen, für sich zu entscheiden, ob man Feste besucht mit dem Risiko, sich einen grippalen Infekt einzufangen, oder ob man sie meidet und so das Risiko eines Infekts mildert. Staatlich regulieren muss man eine solche Entscheidung aus meine Sicht aktuell nicht.

mb

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