Landrat Walch zeichnet ehrenamtlich engagierte Bürger aus

Das "wandelnde Gedächtnis Schlechings" und Helfer in Notlagen

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Die Geehrten posierten mit Landrat Siegfried Walch für ein gemeinsames Foto.

Traunstein - Am Donnerstagabend zeichnete Landrat Siegfried Walch dreiundreißig ehrenamtlich engagierte Bürger im Landratsamt Traunstein aus.

„Unser Landkreis steht wirtschaftlich sehr erfolgreich da, aber die Seele der Region bleibt das Ehrenamt und das große und vielfältige ehrenamtliche Engagement. Wir sind stolz, dass sich so viele Menschen in Vereinen und Organisationen einbringen“, erklärte Landrat Siegfried Walch bei der Ehrung von33 verdienten Bürgern im Casino des Landratsamt. 

Auch die kommunale Selbstverwaltung sei ohne das große und zum Teil langjährige ehrenamtliche Engagement der Bürger in Stadt- und Gemeinderäten nicht denkbar. Aufgrund des Zeitaufwands, der unentgeltlichen Arbeit und der Verantwortung sei dies heute nicht mehr selbstverständlich. 

Rund 30.000 Menschen sind im Landkreis im Ehrenamt aktiv. 1.650 Vereine und Organisationen bereichern mit ihren Aktivitäten das gesellschaftliche Leben. Die Vielfalt und das über Jahre ungebrochene Engagement verdeutlichten die Ehrungen im Einzelnen. Sechs Personen erhielten das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten für Verdienste im Ehrenamt. Für die Musik sorgte die Surleit’n Musi.

„Sakrales Museum“ eingerichtet 

Georg Beilhack aus Reit im Winkl war nicht nur von 1977 bis 2001 Mesner der katholischen Kirche. Aus privater Initiative eröffnete er vor 25 Jahren auf dem Kirchenspeicher der Pfarrkirche das rund 200 Quadratmeter große „sakrale Museum“ mit 270 Exponaten, dessen Einnahmen karitativen Zwecken zufließen. Herzstück ist das mit viel Aufwand erhaltene „Heilige Grab“ aus dem 18.Jahrhundert. 

Ebenfalls ausgezeichnet wurden Aloisia und Robert Lechner aus Siegsdorf. Sie engagieren sich quasi seit der ersten Stunde in der 1992 ins Leben gerufenenHilfsaktion „Junge Leute helfen“ des katholischen Pfarramts Obing. Allein in der Pfarrei Siegsdorf sammelten sie seitdem über 220.000 Euro und mehr als 10.000 Hilfspakete. Seit 1991 organisieren beide die Caritas-Sammlungen und sind seit vielen Jahren im katholischen Frauenbund bzw. im Pfarrgemeinderat Siegsdorf und der Freiwilligen Feuerwehr Vogling engagiert. 

Vereinsgründer und Hobby-Archäologe

Unverzichtbar für Schleching ist Hartmut Rihl, der ebenfalls eine Urkunde und Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten sowie ein Geschenk erhielt. AlsOrtsheimatpfleger seit 1974 aktiv, ist er das „wandelnde historische Gedächtnis der Gemeinde“, wie Landrat Siegfried Walch hervorhob. Rihl war zudem von 1972 bis 1978 Gemeinderat und von 1972 bis 1998 Vorsitzender des Pfarrgemeinderats. Er ist Gründungsmitglied des Musikvereins und des Heimat- und Geschichtsvereins in Schleching sowie Begründer des Schlechinger Kultur- Fördervereins von 1996. 

Rihl organisierte 1985 die 850- Jahr-Feier zur Ortsgeschichte, legte 1987 eine Festschrift zur Renovierung der Schlechinger Pfarrkirche vor und initiierte 1988 zum 300. Geburtstag eine Gedenktafel für Floridus Rappl. Der berühmteste Sohn des Orts war Propst des Augustiner Chorherrenstifts auf Herrenchiemsee. Rihl engagierte sich zudem in der Erwachsenenbildung, organisierte 1994 das Festjahr am Streichen mit und war als tatkräftiger Hobbyarchäologe im Achental in die Bergung des bedeutenden Funds eines Ring- und Sparrendepots mit 36 Barren im Bereich Ettenhausen im Jahr 2006 eingebunden. 

Offensichtlich sehr überzeugend war seine Präsentation der Ortsgeschichte bei der Bewerbung des Orts für den europäischen Dorferneuerungspreis 2001: Schleching gewann seinerzeit des 2. Platz.

Kinderheimbau in Rumänien initiiert 

Ebenfalls eine Urkunde und Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten erhielt Annemarie Speicher aus Reit im Winkl. Sie ist Mitbegründerin, Vorstandsmitglied und Förderin des seit 2002 bestehenden Vereins „Kinder in Sicherheit“

Zu den ersten Projekten gehörte der Aufbau eines rumänischen Kinderheims, dessen 16 Schützlinge in den Sommerferien wiederholt nach Reit im Winkl kamen. Als 2. Vorsitzende ist sie seit 30 Jahren eine Stütze der Frauengemeinschaft, setzt sich für Einheimische in sozialen Notlagen ein und engagierte sich im Pfarrgemeinderat. 

Große Verdienste hat sich auch Hubert Zeltsperger aus Obing erworben. Als maßgeblicher Koordinator der 1992 gegründeten Aktion„Junge Leute helfen“ arbeitete er am Aufbau eines Netzwerks von 100 Pfarreien und kirchlichen Gruppen zwischen Inn und Salzach mit, die Flüchtlinge und arme Menschen mit Hilfsgütern unterstützen. 

Warmes Essen für über zehn Millionen Menschen 

Durch Hilfspakete aus der Bevölkerung und Lebensmittellieferungen konnten inzwischen über zehn Millionen Menschen mit warmen Mahlzeiten versorgt werden.Die Aktion engagiert sich auch für den Bau von Kindergärten, Mädchenheimen Dorfzentren, Suppenküchen sowie Alten- und Waisenheimen. 

Das Thema nachhaltiges Wachstum mit Klima- und Umweltschutz über den gesetzlichen Standard hinaus ist zentraler Bestandteil des seit 1995 bestehenden Umweltpaktes Bayern zwischen Staatregierung und der bayerischen Wirtschaft. 16 der bayernweit 1.527 Teilnehmer kommen aus dem Landkreis Traunstein. 

Für die freiwillige Leistung und„klare Botschaft zur Verantwortung in der Region“ verlieh Landrat Siegfried Walch bei der Ehrung Werksleiter Georg Voit von der Papierfabrik Hamburger Rieger in Trostberg die Teilnehmerurkunde. Walch strich die Einführung des Umweltmanagements nach EMAS und die Unterstützung ökologischer Verbesserungs- und Renaturierungsmaßnahmen an der Alz heraus. 

Gemeinderäte und Biber-Beauftragter 

Für das große Engagement in der kommunalen Selbstverwaltung ihrer Heimatgemeinden zeichnete Landrat Walch drei Persönlichkeiten aus. Dankesurkunden erhielten Gabriele Griesbeck aus Trostberg (SPD-Stadträtin von 1998 bis 2016) und Otto Huß aus Fridolfing. Er ist seit 1998 Gemeinderat für die SPD und Verbandsrat der Achengruppe. 

Die kommunale Verdienstmedaille in Bronze erhielt Hans-Jörg Schürf aus Bergen für seine knapp 33-jährige Tätigkeit im Gemeinderat, davon 24 Jahre als Sprecher der Fraktion ÜW/BBH. Er war zudem von 1984 bis 1996 Ortswaisenrat, von 2002 bis 2010 Musikreferent und ist aktuell Biberbeauftragter des Landkreises. 

Jahrzehntelanges Engagement bei BRK und THW Zuverlässige Hilfe bei Unfällen, Notlagen oder in Katastropenfällen: Unverzichtbare Partner mit ihrem Knowhow, ihrer Hilfs- und Einsatzbereitsschaft sind für den Landkreis die beiden Hilfsorganisationen der Kreisverbände des Bayerischen Roten Kreuzes und des Technischen Hilfswerks wie Landrat Siegfried Walch hervorhob. Das Ehrenzeichen des Innenministers für ihren 25-jährigen Einsatz beim BRK erhielten Maria Furtner aus Obing, Klaus Eiser aus Tittmoning, Robert Geierstanger aus Ruhpolding und Kurt Schäfer aus Waldkraiburg. 

Für 40 Jahre ehrenamtliches Engagement beim BRK wurden ausgezeichnet: 

Astrid Schäffer-Danzl und Johann Strasser aus Waging am See, Johann Antholzner aus Engelsberg, Mathias Englmaier, Gottfried Gerl, Manfred Lebacher, Karl Schaffner und Franz Steinmaßl aus Fridolfing, Werner Huß und Fritz Strecha aus Kirchanschöring, Josef Kaltenhauser aus Feichten an der Alz, Norbert Kreier aus Grassau, Thomas Steinbeißer aus Bergen, Rita Strohmeyer aus Petting sowie Erich Strasser und Hans-Michael Weisky aus Trostberg. Für seinen 40-jährigen ehrenamtlichen Einsatz beim THW erhielt Johann Schaunersen aus Trostberg eine Auszeichnung.

Axel Effner

Quelle: chiemgau24.de

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