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Grundrechte vs. Gesundheit: Keine Demos mehr auf Traunsteiner Stadtplatz

Kritik nach Demos von vielen Seiten - Landrat: "Kann auch nicht mit 200 durch Ortschaft fahren"

  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Traunstein - Auch in Traunstein fanden am Wochenende mehrere Demonstrationen zur Erhaltung der Grundrechte statt. Vor allem unangemeldete Kundgebungen sorgten für viel Wirbel und Kritik.

Am Samstag, 9. Mai, fanden auf dem Stadtplatz in Traunstein zu unterschiedlichen Zeiten insgesamt drei Demonstrationen von Gegnern der Maßnahmen zum Eindämmen der Corona-Epidemie statt. 

Obwohl die Teilnehmerzahl jeweils auf 50 Personen begrenzt war, berichteten zahlreiche regionale Politiker und Leser von chiemgau24.de von mehreren hunderten Menschen, welche sich nicht an die vorgeschriebenen "Corona"-Maßstäbe bzw. an den Mindestabstand hielten. 

Drei Demos in Traunstein

Dabei ist es wichtig, Folgendes zu unterscheiden: Wie das Landratsamt Traunstein auf Anfrage von chiemgau24.de erläuterte, nahmen an den einzelnen, angemeldeten Veranstaltungen nie mehr als 50 Personen teil. Zwischen 10 und 11 Uhr waren es laut Angaben von Polizei und Landratsamt 20 Menschen, zwischen 12 und 13 Uhr knapp unter 50 Personen und zwischen 15.30 und 16.30 Uhr 50 Personen. Diese Veranstaltungen isoliert betrachtet, wurden zum größten Teil ordnungsgemäß durchgeführt

Problem: Spontandemos

Das Problem sei gewesen, dass im "Verborgenen, in Facebook und WhatsApp-Gruppen" zu Spontan-Kundgebungen aufgerufen wurde, so das Landratsamt. Dies habe zu diesen - für viele Beobachter erschreckenden - Bildern geführt: Hunderte Personen ohne Mundschutz und Mindestabstand bewegten sich ähnlich wie auf dem Max-Josef-Platz in Rosenheim auf engsten Raum. Hinzu kam die große Anzahl an Passanten und Zuschauer, welche auf dem Marktplatz das Wetter genießen wollten. 

Für die Polizei sei dies auch keine einfache Situation gewesen, da zum Beispiel zusammengehörende Personen erkennungsdienstlich zu identifizieren sehr schwer gewesen sei. Eine Auflösung der Demonstration hätte unter Berücksichtigung aller Komponenten wohl nicht zum gewünschten Erfolg geführt, da auch die Veranstaltung äußerst friedlich abgelaufen sei. Zu der selben Beurteilung kam man übrigens auch Rosenheim. Alles zusammen sorgte dennoch für ein Bild, welches in Pandemie-Zeiten für viele Fragen und Kritik sorgte. 

Heftige Kritik von allen Seiten

Noch am selben Tag veröffentlichte Stadtrat Rolf Wassermann ein Video (von seiner Wohnung aus gedreht), welches die Situation am Samstag beschreibt. Der CSU-Politiker kommentierte seine Aufnahme mit den Worten: "Es geht weiter, als wenn nie etwas gewesen wäre. Es hat auch keiner ein Interesse eine Maske aufzusetzen. Ich fühle mich ehrlich gesagt richtig verarscht."

Weitere Kritiker ließen nicht lange auf sich warten. Sowohl der Kreisverband der Linken, als auch der Kreisverband JU zeigten sich über den Verlauf des Tages erzürnt. „Unerträglich, bestürzend & beschämend!“, fasste Denis Holl, Stadtrat und Kreisvorsitzender der Linken seine erste Reaktion zusammen. 

Baur: „Ich bin völlig schockiert über dieses Verhalten"

JU-Kreisvorsitzender und CSU-Fraktionsvorsitzender Konrad Baur stimmte ein: „Ich bin völlig schockiert über dieses Verhalten: kein Abstand, keine Schutzmasken, keine Rücksicht auf aktuell dringend notwendige Hygienemaßnahmen!“ Mit Ärger blickt Baur auf die jüngsten Demonstrationen: „Wir sorgen uns aktuell alle um Gastronomie und Einzelhandel, um Existenzen und Arbeitsplätze und nicht zuletzt um unsere Gesundheit! All unsere konsequenten Bemühungen gelten der Überwindung der Corona-Krise.“ Demonstrationen dieser Art seien nicht nur absolut kontraproduktiv, sondern auch moralisch höchst verwerflich, so Baur. 

In Prien gab es ähnliche Kritik. Hierzu haben sich die Vernastalter bereits zu Wort gemeldet und über ihre Anliegen im Exklusiv-Interview mit chiemgau24.de gesprochen

Landrat Walch mit klaren Worten

Am Montagabend meldete sich dann auch Landrat Siegfried Walch mit einem Facebook-Video an die Öffentlichkeit. Darin zeigte auch er sich schockiert über die Demonstration. Es fehle meilenweit an Verantwortungsbewusstsein bei denen, die zu dieser Demonstration aufgerufen haben. "Es war unsolidarisch, es war unkameradschaftlich, und zwar vor allem gegenüber den Menschen in unserer Region die seit Wochen mit viel Mühe und viel Selbstdisziplin versuchen", diese schweren Auflagen mitzumachen, betonte Walch.

Des Weiteren kündigte Walch an, dass in Absprache mit dem Oberbürgermeister auf dem Stadtplatz in Traunstein in nächster Zeit keine derartige Veranstaltungen erlaubt werden. Abschließend meinte der Landrat: "Man kann gegen alles demonstrieren. Man kann auch gegen alles sein. Aber ich kann nicht, nur weil ich gegen Geschwindigkeitsbegrenzungen bin, mit 200 km/h durch die geschlossene Ortschaft fahren!"

Eure Meinung ist uns wichtig. Was haltet Ihr von den Grundrecht-Demos? Findet Ihr es einfach egoistisch gegenüber den Mitbürgern oder kämpft Ihr für die Grundrechte und seid vielleicht sogar selbst bei den Demonstrationen dabei? 

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt Eure Leserbriefe per Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona-Demo" im Betreff). 

Wir haben bereits erste Leserbriefe veröffentlicht! 

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mz

Rubriklistenbild: © Screenshot Facebook

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